Die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 9. Februar 2012, 07:30 Uhr
ENL5454
Im ungebremsten Spiel der Massen - egal ob sie einen Krieg bei CNBC verfolgen oder einer Wahlkampfrede lauschen - verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion. Große Menschenmengen können nicht unterscheiden zwischen Wahrheit und Fiktion.
Wenn jemand vor einer Menschenmenge behauptet, dass Marsmenschen einen Angriff auf sie geplant hätten oder dass sie vom Internationalen Währungsfonds (IWF) schikaniert würden, wird jeder einzelne dieser Gruppe nicht in der Lage sein, ihm aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen und Kenntnisse zu widersprechen. Die Wahrheit ist, dass eine Gruppe sich über gar nichts sicher sein kann. Ihr Wissen ist vollkommen anders geartet als das des Einzelnen.
Nietzsche spezifizierte zwei verschiedene Arten von Kenntnis. Da gibt es die Dinge, die man durch persönliche Erfahrungen und Beobachtung kennt. Diese nannte er Erfahrung". Daneben gib es noch das abstrahierte Wissen, von dem man denkt, dass man darüber Kenntnis hat, in Wirklichkeit jedoch übernimmt man nur die Kenntnis desjenigen, der seine Erfahrung über Zeitungen oder Diskussionsforen verbreitet. Das nannte Nietzsche Wissen".
Eine Menschenmenge nimmt Ereignisse oder Fakten immer nur in ihrer simpelsten und elementarsten Form wahr. Das Individuelle Erleben - unendlich variantenreich und nuanciert - zählt dann fast nichts.
Eine Generation, die während der Zeit der Weltwirtschaftskrise oder der Weltkriege gelebt hat, wird sich wahrscheinlich an diese prägenden Ereignisse erinnern; nachvollziehen und verstehen wird sie sie allerdings nur anhand eines vereinheitlichten öffentlichen Gedächtnisses.
Ein Mensch kann in den 1930er Jahren glücklich gelebt haben, ohne irgendwie realisiert zu haben, dass er Teil eines großen Irgendwas gewesen ist. Berichtet man ihm aber davon, dass er die Weltwirtschaftskrise erlebt hat, so wird er seine persönlichen Erfahrungen in dieser Zeit neu überdenken, und so interpretieren, dass sie mit der gemeinschaftlichen Erinnerung vereinbar ist.
Zum ersten Teil von: Eine Krise der Meinungen zum Kapitalismus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Franz Nahrada (09.02. 2012 10:10 Uhr):
Ah schön, jetzt wirds ganz fundamental und gut begründet. Sollte man meinen. Das Manifest beginnt. und ich werde es mit großem Interesse verfolgen. Interessant ist der Selbstwiderspruch, dass ein Bekenntnis zum Nichtwissen und zur Pluralität der Erfahrungen als Wissen daherkommt, sich selbst also als allgemeingültig vorträgt. Erfahrungen werden also, so sagt Herr Bonner, sozial verarbeitet, aber damit soll die Unsicherheit über ihren Inhalt nur zunehmen. Wieso das notwendig so ist, das möchte sicher nicht nur ich gerne - wissen!
Antworten - Kommentar von Werner Nehls (09.02. 2012 12:42 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bill Bonner, auf Ihr "kapitalistisches Manifest" bin ich gespannt. Bitte bedenken Sie dabei, dass "der Kapitalismus" ein Klassen-kampfbegriff aus dem vorvorigen Jahr-hundert ist. Heute haben wir (zumindest in Europa) die sog. "soziale Marktwirtschaft" – zuge-geben mit allen Unvollkommenheiten bis hin zu Desastern. Deren Ursachen lie-ßen sich jedoch ziemlich genau ausma-chen; etwa im massenhaften Kauf von Wählern durch demokratische Politiker; im mangelhaften Unterscheidungsver-mögen von Soll und Haben oder von Leuchtziffern auf dem Bildschirm, Geld-scheinen und realen Werten u.v.m. Mit einem Wort: es sind die Blockaden in den Köpfen der intellektuellen Elite, ge-paart mit ihrem notorischen Opportunis-mus.
Antworten - Kommentar von Peter Buenger Barcelona (09.02. 2012 12:48 Uhr):
Das ist das Dilemma. Die Menschen glauben etwas zu wissen und meinen etwas ohne wirkliche Wissensbasis. Letztlich muss definiert werden über was man spricht und feststellen, ob das Ergebnis der Meinung auf vertrauenswürdigen Informationen beruht. Nur wenige geben sich diese Mühe. Die Folge ist ein Wirrwarr von Meinungen, die noch durch Desinformation und Manipulation systematisch gefördert wird. Es ist immer noch unglaublich, dass in Spanien 7 Millionen Wähler links gewählt haben, nachdem sie von der Zapatero Regierung so nach Strich und Faden belogen und betrogen worden sind. Das verbleibende Chaos ist für die spanische Wirtschaft wahrscheinlich unlösbar.
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