In Deutschland
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. November 2009, 07:30 Uhr
ENL5462
Generationen deutscher Zentralbanker haben ihre Lektion gelernt. Sie haben erlebt, was passieren kann, als die Hyperinflation in den Zwanzigern aus dem Ruder geriet. Die Mittelschicht war binnen weniger Tage vom Erdboden gelöscht. Die Leute haben das Vertrauen verloren, nicht nur in die deutsche Mark, sondern in Deutschland insgesamt... und in all die alten Werte. Und ehe sie sich versahen, trug der Kanzler eine alberne Uniform und man war auf dem Weg in die Hölle.
In jüngerer Zeit hat sich die letzte Generation der deutschen Zentralbanker Sorgen wegen des Euros gemacht. Sie hatten selbst keinen Zweifel. Sie hatten das Rückgrat, die neue Währung zu schützen. Aber wie sah es mit den Italienern aus? Oder den Griechen? Oder den Iren?
Jetzt brauchen sie sich deswegen keine Gedanken mehr zu machen.
Das deutsche Defizit ist größer als das italienische.
Warum sollte das passieren? Sie haben die üblichen seltsamen Erklärungen - Konjunkturausgaben, die Notwendigkeit, die Sozialleistungen zu halten, während die Steuereinnahmen zurückgehen, die Notwendigkeit, den Osten zu retten, usw. Aber der wahre Grund ist, dass die alten deutschen Wirtschaftswissenschaftler tot sind. Einer der letzten war mein Kollege Kurt Richebächer.
Jedes Mal, wenn ich ihn sah, klagte Kurt über die amerikanischen und die englischen Wirtschaftswissenschaftler.
"Ja... ihr angelsächsischen Wirtschaftswissenschaftler, ihr ruiniert die Welt", würde er sagen. Kurt hielt nichts von Keynesianismus. Oder Monetarismus. Oder von irgendeinem der anderen Hirngespinste der Wirtschaftswissenschaft. Abgesehen davon hatte er die deutsche Hyperinflation erlebt, den Aufstieg des Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg, die Teilung und schließlich die Wiedervereinigung. Er wusste, dass es kein kostenloses Mittagessen gibt... und keine leichten Lösungen... und keine Wundermittel. Er wusste auch, dass Menschen, die Wunder versprechen, gefährliche Betrüger sind. Wohlstand entsteht durch Arbeit... Ersparnisse... Innovationen... Investitionen... und Durchhaltevermögen. Es gibt keine Wunder. Keine Abkürzungen.
Während der Wohlstand durch Arbeit und Ersparnisse entsteht, wird er durch Konsum und durch Schulden zerstört. Wenn man Geld leiht, dann muss man es zurückzahlen. Und dann muss man sein eigenes Vermögen angreifen... und den Lebensstandard senken... und das Kapital anbrechen, das man in den vergangenen Jahren zurückgelegt hat. Man kann versuchen, auszuweichen und sich zu drücken... aber man macht die Situation damit nur noch schlimmer.
Kurt hatte ganz recht.
Aber jetzt ist Kurt tot. Eine neue Generation der Wirtschaftswissenschaftler hat übernommen. Sie wurden erst nach dem Krieg geboren. Sie kennen die harten Zeiten nur aus den Geschichtsbüchern und aus Filmen. Sie haben die alten Wahrheiten noch nicht vergessen. Sie haben sie nie gelernt. Stattdessen haben sie ihre Ausbildung vermutlich in Harvard oder in Chicago genossen. Sie haben Unsinn studiert... Dinge wie die moderne Portfoliotheorie.
Sie denken, der Schlüssel zum Wohlstand sei das Geldausgeben. Die Verbraucher geben ihr Geld aus, bis es nicht mehr weitergeht. Und dann ist es Sache der Regierung. Und das ist der Grund, warum die Deutschen ein so großes Defizit haben. Sie denken, dass sie die Ausgaben weiter oben halten müssen - koste es, was es wolle - um die Wirtschaft nach oben zu treiben.
Wie Kurt einst sagte, ergibt es theoretisch keine Sinn... und es gibt auch keine Beweise, dass es in der Praxis funktioniert. Jedes Mal wenn eine Regierung eingeschritten ist, mit gewaltigen Konjunkturausgaben, haben sie die Sache damit verbockt... entweder, indem sie den Privatsektor in Akte der unvorsichtigen Zahlungsunfähigkeit trieben... oder indem sie den Prozess der Korrektur aufgehalten haben.
Es ist alles Unsinn. Angela, du solltest dich schämen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hartmut Fischer (20.11. 2009 08:54 Uhr):
Leider sagt Bill die Wahrheit, aber doch nicht die ganze. Denn leider haben wir eine entscheidungs- und führungschwache opportunistische Kanzlerin, und ihr sozialdemokratischer Vorgänger, der "Genosse der Bosse", hat sich von denen und den Angelsachsen seine neoliberalen Finanzgesetze machen lassen mit dem Egebnis, dass unsere Banken unsere Zukunft endgültig verzockt haben, aber die Bevölkerung hat das noch nicht ganz mitgekriegt, weil sie mit "Rettungsprogrammen" und Kurzarbeitergeld bisher ruhig gestellt werden konnte. Daskönnte sich aber ändern, wenn die Realität wirklich einbricht. Die Studentenproteste dürften erst ein schwacher Vorläufer dessen sein, was noch zu erwarten ist, wenn sich alle die "schönen" einlullenden Sozialversprechungen in Luft auflösen. Hartmut Fischer P.S. Wer liest dies eigentlich, und soll ich für Bill Bonner auf Englisch schreiben?
Antworten - Kommentar von Herbert Palzkill (20.11. 2009 09:05 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bonner, vielen Dank für diese beiden guten Beiträge. Und viele vorher. Viele Menschen verstehen Wandel und Anpassung falsch. Wir können und sollten viele Dinge verändern, ständig anpassen, aber die Grundsätze, die Tugenden, die Grundlagen, die Gesetze des Erfolges, die sollten wir als kostbaren Schatz, als Garant für Erfolg, Wohlstand, Frieden, Harmonie, Glück, Zufriedenheit.... schätzen und schützen. Und da werden doch ständig die größten Fehler gemacht. Wir werfen mit begeisterung die Grundlagen des Erfolges über Bord und wundern uns dann, was passiert. Statt zu erkennen, zu lernen, machen wir neue, weitere Fehler. Es hat mit Verantwortung zu tun. Mit Eigenverantwortung. Meine Fehler soll die Regierung tragen, ausbessern. Aber die denken genauso, machen das Gleiche. Und noch was: Demokratie brauchte Demokraten. Wo sind sie denn??? Führt nicht unsere Form der Demokratie zur Degeneration unserer Regierungen? Es ist alles eine Frage von Bewusstsein. Das aber ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Dadurch, dass ein normal Unbewusster auf den Regierungssessel gehoben wird, ist er doch nicht bewusster geworden. Das unbewusste Volk will milde Gaben, wer die verspricht, wird gewählt. So funktioniert unsere Form der Demokratie. Die Folgen haben wir jetzt. Was kommt raus, wennder Lehrer die Schüler jeden Tag fragt, was wollen wir denn heute lernen? Wie sollen sie das denn entscheiden können, wenn sie es doch noch nicht kennen? Sehr geehrter Herr Bonner, vielen Dank für Ihre unermüdlichen Hinweise. Mit freundlichen Grüßen aus der Eifel
Antworten - Kommentar von gt (20.11. 2009 12:12 Uhr):
Sehr realität entsprechend! Traurig dass die Deutschen zu sehr die Amerikaner nachpfudern! and zwar jeden Unsinn und Propaganda.Fr.Machel macht auch das was Obama macht scheinbar weil sie D in den selben Schuhe regieren möchte. oder es muss nach einem Welt-Hängster folgen sein damit dass man sich selbst IN werde????
Antworten - Kommentar von Max Briner (20.11. 2009 14:08 Uhr):
Da kann ich dem Herrn Kurt Richebächer voll zustimmen. So bin ich seit 1932 erzogen worden! Danke an meinen Vater! Danke auch an Herrn Bonner, der sowas unter die Leute bringt! PS: Die Foto-Unterschrift ist Doppelnamig: Herr Weiss und Herr Bonner. Who is who?
Antworten - Kommentar von Armin Hellstern (20.11. 2009 16:10 Uhr):
Es gibt meines Erachtens nur eine Lösung: die natürliche und privilegienfreie Wirtschaftsordnung von Silvio Gesell (1862 - 1930)
Antworten
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- Kommentar von Enno Kochs (20.11. 2009 16:24 Uhr):
Schon in früheren Jahrzehnten auch nach dem 2. Weltkrieg versuchte man mit Konjunkturpaketen die Wirtschaft zu stützen, wenn es mal nicht so gut lief. Immer war es vergebens!!! Hat man das heute schon vergessen?
Antworten - Kommentar von von Falkenstein (20.11. 2009 18:06 Uhr):
Dass Deutschland ein so hohes Defizit hat hängt meines Erachtens im wesentlichen an 3 Aspekten: 1) Deutschland zahlt viel zu viel an die EU und das globale Ausland 2) Die deutschen Manager sind zu US-gläubig. Jede Schrottidee die aus USA kommt, wird kritiklos bis blind übernommen und anschließend finanziell durchlitten bis zum Kollaps. 3) Die Kanzlerin Merkel ist im real existi erenden Sozialismus ( Kommunsimus ) aufgewachsen und hat deshalb das Sozidenken verinnerlicht. Und dazu gehört auch das bedenkenlose Schuldenmachen.
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