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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 28.08.-04.09.2017: Starker Goldpreis dank schwachem Dollar

Tropensturm Harvey drückt Ölpreise; Gold der Sichere Hafen gegen Bombentest; China-Wachstum unterstützt Industriemetallpreise; Zuckermarkt überverkauft?

Energie: Erdöl

Die Ölmärkte standen in der vergangenen Woche ganz unter dem Einfluss von Tropensturm Harvey in den USA.

So waren die Ölpreise zu Beginn der letzten Woche zunächst unter Druck geraten, was insbesondere für das US-Referenzöl WTI gilt. Die Preisdifferenz zwischen WTI und dem europäischen Referenzöl Brent stieg zeitweilig auf über 5 US-Dollar, was zuletzt vor über 2 Jahren der Fall war.

Grund dafür war der massive Ausfall der Raffineriekapazitäten an der US-Golfküste, was zu einer sinkenden Rohölverarbeitung führt. Entsprechend sind steigende US-Rohöllagerbestände zu erwarten.

Hingegen besteht aufgrund des Ausfalls der Raffinerien nun in den USA eine Verknappung von Ölprodukten. Dementsprechend konnten die Benzinpreise in den USA und nachfolgend auch in Europa deutlich zulegen.

Zwar ist im Golf von Mexiko auch die Ölproduktion mit Ausfällen betroffen, doch diese belaufen sich derzeit auf rund 1 Million Barrel pro Tag, wohingegen die Ausfälle der Raffineriekapazitäten derzeit bei rund 2,5 Millionen Barrel pro Tag liegen.

Zum Ende der vergangenen Woche verteuerten sich die Ölpreise allerdings wieder deutlich, nachdem das US-Energieministerium die Freigabe von 1 Million Barrel Rohöl aus den strategischen Reserven der USA bekannt gegeben hatte.

Dadurch wird deutlich, dass auch die US-Rohölimporte durch Tropensturm Harvey stärker betroffen sind.

WTI zur Lieferung im Oktober handelt derzeit bei 47,31 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent zur Lieferung im November notiert aktuell bei 52,69 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI-Erdölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Die Erholung der Ölpreise zum Ende der vergangenen Woche könnte sich als trügerisch herausstellen, sobald eine Normalisierung der Lage in der Ölindustrie in den vom Tropensturm betroffenen Gebieten eintritt.

Es ist zu erwarten, dass sich sowohl die Lage der Rohölimporte als auch der Ölproduktion im Golf von Mexiko deutlich schneller normalisiert, als jene in der Rohölverarbeitung. Damit dürfte der Abbau der Lagerbestände wieder zur Makulatur werden.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis ist in der vergangenen Woche auf ein 9,5-Monbats-Hoch bei 1.325 US-Dollar pro Feinunze gestiegen.

Unterstützend wirkt insbesondere ein schwacher US-Dollar bzw. ein starker Euro.

Der US-Dollar geriet deutlicher unter Druck nach den Reden der Notenbankchefs Yellen und Draghi auf der Notenbankkonferenz in Jackson Hole  am vorvergangenen Wochenende, die absolut keine Erkenntnisse zum weiteren geldpolitischen Vorgehen von Fed und EZB erkennen ließen.

Auch die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA, sowie die Tatsache, dass sich die USA erneut der Schuldenobergrenze nähern, deren Anhebung durch den Kongress aber auch diesmal fraglich ist belasten nicht nur den Dollar, sondern unterstützen die Nachfrage nach dem Sicheren Hafen Gold.

Auf Seiten des Euro spricht zudem eine schwache Kerninflationsrate für die Aufrechterhaltung der ultra-lockeren Geldpolitik der EZB, was den Euro tendenziell eher stärken sollte gegenüber dem Dollar, wobei ein schwacher Dollar wiederum einen starken Goldpreis zur Folge hat.

Aktuell notiert Gold bei 1.324,40 US-Dollar pro Feinunze.

Goldpreis in USD pro Feinunze in der vergangenen Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Goldpreis dürfte weiterhin gute Unterstützung erhalten, angesichts der zu erwartenden anhaltenden Schwäche der US-Währung und der fortgesetzten politischen Risiken.

So hat Nordkorea am Wochenende eine Wasserstoffbombe getestet, was als deutliche Provokation gegenüber der US-Regierung empfunden wird. Solche Risiken unterstützen immer die Nachfrage nach Gold als dem Sicheren Hafen.

Industriemetalle: Kupfer

Die Industriemetallpreise konnten auch in der vergangenen Woche ihre Aufwärtsbewegung fortsetzen und ignorieren dabei sowohl die geopolitischen Risiken (Raketen/Bombentests Nordkorea), als auch die zuletzt schwachen Arbeitsmarktdaten aus den USA.

Umgekehrt unterstützen aber ein schwacher US-Dollar und vor allem starke Wachstumsdaten aus China die Entwicklung der Metallpreise.

So wies in der vergangenen Woche das chinesische Statistikamt in China entgegen der Erwartungen einen Anstieg des Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im August auf 51,7 Punkte aus. Dies zeigt eine gute Stimmung in der chinesischen Industrie.

Auch der von Caixin erhobene Einkaufsmanagerindex ist in China im Juli entgegen den Erwartungen gestiegen. Somit herrscht auch bei kleinen und privaten Unternehmen in China derzeit eine gute Stimmung.

Bei Kupfer erweist sich zudem ein Rückgang der LME-Lagerbestände auf das tiefste Niveau seit März dieses Jahres als preisunterstützend.

Kupfer handelt derzeit bei 3,08 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.

Kupferpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Fundamental betrachtet sollte hohen Metallpreisen nichts entgegenstehen, doch mittlerweile hat sich an den Futures-Börsen eine deutliche Euphorie aufgebaut. Gerade bei Kupfer haben die Spekulanten ihre Netto-Long-Positionen inzwischen massiv ausgeweitet.

Damit besteht durchaus zwischenzeitliches Korrekturpotenzial, sobald negative News den Markt überschatten könnten.

Agrarrohstoffe: Zucker

Der Zuckerpreis gab zwar im Wochenvergleich übergeordnet ab, bewegte sich aber durchaus mit stärkeren Schwankungen, nachdem die brasilianische Zuckerindustrievereinigung Unica angedeutet hatte, dass die Zuckerproduktion in Center-South möglicherweise hinter den Erwartungen zurückbleiben könnte.

Eigentlich wird für 2017/18 ein globaler Überschuss im Zuckermarkt erwartet, doch hat die Trockenheit in einigen Anbaugebieten im brasilianischen Hauptanbaugebiet Center-South zu Einbußen geführt, während andernorts starke Regenfälle die Ernte und Verarbeitung unterbrochen haben.

Außerdem führen Regenfälle zu niedrigeren Zuckergehalten in den Pflanzen.

Auch schätzt Unica, dass möglicherweise ein geringer als erwarteter Anteil der Zuckerrohrs zu Zucker verarbeitet wird, da er derzeit einen Preisvorteil für Ethanol gibt, die Verarbeitung von Zuckerrohr also zu Gunsten der Ethanolproduktion verschoben werden könnte.

Zucker zur Lieferung im Oktober handelt aktuell bei 13,77 US-Cent pro Pfund an der ICE.

Zuckerpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Noch haben Ankündigungen wie die von Unica nur kurzfristig Einfluss auf den Markt.

Doch sollte es mehr Nachrichten dieser Art geben und sich vor allem die Stimmung im Markt ändern, könnte es deutlicheren Preissprüngen kommen, da aktuell der Pessimismus extrem hoch im Zuckermarkt ist (sehr hohe Netto-Short-Position der Spekulanten).

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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