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Wofür wir Rohöl benötigen

Erdöl ist nicht gleich Erdöl. Je nach der chemischen Zusammensetzung aus unterschiedlich langen Kohlenwasserstoffketten und Anteilen von zum Beispiel Schwefel und Nitraten entsteht eine andere Qualität von Rohöl. Die verschiedenen Sorten besitzen andere Eigenschaften und unterscheiden sich durch ihre Anforderungen an die Raffinerien. Diese braucht man um die gewünschten Produkte durch Destillations-, Konvertierungs-, und andere chemische Prozesse herzustellen.

 

Erdöl zur Stromerzeugung

Seit den 1950er Jahren setzt man Erdöl als Brennstoff in Kraftwerken ein. Das steigende Umwelt- und Energiebewusstsein seit der ersten Ölkrise im Jahr 1973 führte zu einem Umdenken bei der Stromversorgung. Durch ihren geringen Wirkungsgrad, steigende Ölpreise und die geringen Erdöl-Vorräte erscheinen Öl-Kraftwerke unwirtschaftlich und umweltschädlich. Vorhandene Anlagen werden vielfach nur zur Abdeckung von Spitzenlastzeiten eingesetzt.

 

Treibstoffe aus Rohöl

In erster Linie denkt man bei Erdölprodukten an Brennstoffe, wie Benzin, Diesel, Kerosin und Flugbenzin. Darüber hinaus die verschiedenen Heizöle.

Überdies ist das Flüssiggas oder LPG (liquefied petroleum gas) ein Erdölprodukt. Unter LPG versteht man die verflüssigten Gase Propan und Butan, welche unter geringem Druck in flüssigem Aggregatzustand bleiben. LPG ist nicht zu verwechseln mit dem verflüssigten Erdgas LNG.

Flüssiggas, welches in Feuerzeugen, Klimaanlagen oder in der Campinggasflasche zum Einsatz kommt, nennt man Autogas. Das Propan/Butangasgemisch gebrauchen Ottomotoren als Kraftstoff. PKWs kann man unkompliziert auf die Verbrennung von Flüssiggas umrüsten. Es gibt in Deutschland circa 5.570 Tankstellen an welchen man Flüssiggas tanken kann.

Es handelt sich bei Autogas nicht um das herkömmliche Erdgas, sondern um ein Erdölprodukt. Erdgas wird in Erdöllagerstätten gefördert und als CNG oder LNG, in Deutschland unter der Bezeichnung H-Gas oder L-Gas, als Fahrzeugtreibstoff genutzt. In Deutschland gibt es etwa 852 Erdgastankstellen.

 

Erdöl in der chemischen Industrie

In der chemischen Industrie bildet Erdöl die Grundlage zahlreicher moderner Materialien. Rund 90 Prozent aller Molekülverbindungen in der chemischen Industrie gewinnt man aus Erdöl und Erdgas. Alkene, die man in der Raffinerie aus dem Erdöl gewinnt, sind wichtige Grundstoffe für die Kunststofferzeugung, Waschmittelzusätze, Polypropylen, Gummi, pharmazeutische Erzeugnisse und Epoxidharze.

Paraffin-Wachs ist ein Erdölprodukt, welches mit vielen Verwendungsmöglichkeiten aufwartet: Kerzen, in der Medizin und Körperpflege, in der Lebensmittelindustrie und der Textilindustrie.

Weiterhin gewinnt man aus Erdöl Petrochemikalien, wie Aromaten (Benzol). Diese chemischen Stoffe verwendet man in der Petrochemie als wichtige Verbindungsstoffe für die Herstellung von Industrieprodukte wie synthetisches Gummi, Medikamente und Plastik.

In Erdöl-Raffinerien fallen im Zuge von Entschwefelungsprozessen, Schwefel und Schwefelsäure an. Schwefelsäure ist eine der wichtigsten Chemikalien in der chemischen Industrie und ein Hauptbestandteil für die Produktion von Phosphat-Düngemitteln.

 

Andere Rohölprodukte

In der Lebensmittelindustrie nutzt man Schwefelsäure, ebenso wie in der Eisen- und Stahlherstellung. Mithilfe der Schwefelsäure schließt man Erze auf und beseitigt Oxidationsprozesse an Metallen. Schwefelsäure verwendet man zur Herstellung von Titandioxid.

Bitumen nennt sich eines der bekanntesten Erdölprodukte. Aus Bitumen stellt man den Baustoff Asphalt her, der heute der wichtigste Rohstoff für den Straßenbau ist. In Deutschland sind etwa 95% der Straßen mit einer Asphaltdecke ausgestattet.

Neben zähflüssigen Erdölsorten, wie ein in Venezuela gefördertes Rohöl, gibt es natürliche Bitumenvorkommen auf der Welt. Das bekannteste ist Pitch Lake auf der Insel Trinidad. Auch in der russischen Republik Tatarstan entdeckte man eine bedeutende Bitumenlagerstätte.

Nicht zu verwechseln ist Bitumen mit Teer. Man setzt es aufgrund seiner die Gesundheit schädigenden Eigenschaften nicht mehr im Straßenbau ein. Teer gewinnt man aus Kohle. Man kann es auch aus Erdöl herstellen. Heute findet Teer fast nur als spezielles Präparat in der Dermatologie, zum Beispiel in der Psoriasis-Therapie, Verwendung.

 

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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