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Warum hängen die Aktienbörsen derzeit so stark am Ölpreis?

Die gestern wieder einbrechenden Öl-Preise haben die Wall Street deutlich ins Minus gedrückt.

In etwa seit dem vergangenen Dezember besteht zwischen Aktien und Öl eine vergleichsweise hohe, gleichlaufende Korrelation im Preisverlauf.

Davor war diese Korrelation höchstens phasenweise vorhanden (Öl agierte eher als Vorläufer für die Aktienbörsen).

S&P 500 mit Ölpreis WTI im Tageschart

S&P500_Ölpreis

Offenbar fürchten die Aktienmärkte derzeit eine neue Welle von Kreditausfällen aus der Ölindustrie, falls die Ölpreise weiter sinken. Was gerade die Finanzbranche hart treffen und möglicherweise eine neue Finanzkrise auslösen würde.

Die US Großbank JP Morgan etwa hat in Erwartung solcher Zahlungsausfälle bereits zusätzlich 500 Millionen Dollar an Rückstellungen gebildet. Banken-Aktien kamen in den vergangenen Wochen besonders stark unter Druck.

Der Leitindex S&P-500 gab gestern 1,3 Prozent ab. Er scheiterte damit zum dritten Mal in Folge am wichtigen Widerstand bei 1950 Punkten, der eine weitergehende Kurserholung ermöglicht hätte.

Der Dax fiel um 1,6 Prozent. Hier dürfte die Kurserholung nur dann weitergehen, falls die US-Leitbörse weiter mitspielt. Anlass für den gestrigen Kursverfall bei Öl und Aktien waren Aussagen des saudi-arabischen Ölministers Ali Al-Naimi, der eine baldige Kürzung der Öl-Fördermengen ausschloss.

Er gehe zwar davon aus, dass sich weitere Staaten dem jüngsten Plan Russlands, Saudi-Arabiens, Venezuelas und Katars zur Deckelung der Ölförderung anschließen werden. „Aber wir setzen nicht auf Kürzungen, weil das Vertrauen dafür fehlt.“

Das Abkommen der vier Förderländer greift aber nur dann, wenn auch andere große Öl-Förderländer mitmachen. Das bejahte Naimi zwar.

Aber die „wild card“ bleibt der Iran, der den Plan bereits als „lächerlich“ bezeichnet hat, weil er sich damit nach dem Wegfall der Atom-Sanktionen in seinem Vorhaben behindert sieht, seine eigenen Förderkapazitäten wieder voll auszuschöpfen.

Dadurch dürfte es schwierig werden, die tägliche Überproduktion von derzeit 1 bis 2 Millionen Barrel in den Griff zu bekommen. Daher werden auch die Aktienmärkte weiterhin nervös bleiben.

Ein wenig Hoffnung bleibt aber. Möglicherweise dürfte es auf dem G20-Gipfel zum Wochenende in Shanghai positive Überraschungen geben, falls die führenden Wirtschafts-Nationen sich dort auf abgestimmte Maßnahmen zur Belebung der schwachen Welt-Konjunktur einigen können.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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