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Ölpreis: Neue Studie warnt vor dauerhaftem Preistief

Wer die Entwicklung des Ölpreises vorhersagen will, muss momentan mehr denn je einen Blick in die sprichwörtliche Glaskugel werfen.

Seit dem massiven Preisverfall, der im Sommer 2014 eingesetzt hat und den Ölpreis von über 110 Dollar je Barrel auf zeitweise unter 30 Dollar je Barrel Anfang 2016 abstürzen ließ, scheinen die Karten am Ölmarkt neu gemischt.

Jahrzehntelang galt die Faustformel: Die Opec-Staaten haben die Macht über den Ölpreis. Verknappen die Öl exportierenden Staaten das Angebot auf dem Weltmarkt, steigt der Ölpreis. Wird in den Opec-Ländern mehr gefördert, fällt der Ölpreis.

Alte Regeln gelten nicht mehr

Doch die alten Regeln scheinen nicht mehr zu gelten, denn inzwischen gibt es neue Technologien und damit neue Player am Ölmarkt, Stichwort US-Frackingindustrie. Die Fördermethode ist ökologisch umstritten und war zumindest anfangs mit immensen Kosten verbunden, doch das war es den USA allemal wert, um sich unabhängiger zu machen von den vorwiegend arabischen Öllieferanten.

Während der Phase des Ölpreisverfalls verschwanden zahlreiche Frackingfirmen wieder, weil sich das Geschäft nicht rentierte. Inzwischen jedoch hat sich einerseits die Kosteneffizienz der Technologie verbessert – und andererseits hat sich der Ölpreis stabilisiert, wenn auch auf mittlerem Niveau bei etwa 45 bis 50 Dollar je Barrel.

Eine neue Studie der deutschen Beratungsgesellschaft Roland Berger geht nun davon aus, dass der Ölpreis auch in den kommenden Jahren – in der Studie ist die Rede vom Jahr 2021 – auf dem aktuellen Niveau verharren wird.

Ihre Argumentation: Durch die wachsende Frackingindustrie verliert die Opec an Preismacht, steuernde Effekte durch abgesprochene Förderquoten werden durch ausgleichende Angebote neuer Akteure aufgefangen, sodass größere Preiseffekte ausbleiben.

Zwei Sichtweisen auf den Ölpreis

Mit dieser Einschätzung stellen sich die Experten von Roland Berger gegen die Meinung anderer Beobachter, die einen steigenden Ölpreis in den kommenden Jahren vorausgesagt hatten. Dies wurde stets begründet mit den fehlenden Investitionen, die die in der Ölbranche aktiven Firmen in den vergangenen Jahren entweder verschoben oder komplett auf Eis gelegt hatten. Demnach würden die Einsparungen perspektivisch zu einer Verknappung des Angebots und somit zu steigenden Ölpreisen führen.

Die Frage ist, wer Recht behält – beide Argumentationsketten haben etwas für sich, beide Effekte sind nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Entscheidend wird sein, welche Auswirkungen am Ende stärker ins Gewicht fallen: der Machtverlust der Opec oder der Mangel an Förderprojekten?

Die Studie von Roland Berger jedenfalls empfiehlt sowohl den Ölkonzernen als auch deren Anlegern, sich auch in den kommenden Jahren auf einen Ölpreis von plus-minus 50 Dollar je Barrel einzustellen und auch die Geschäfte entsprechend auszurichten. Schaden kann das nicht.

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Über den Autor Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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