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Erdölpreise im Zwiespalt

Die Rohölpreise bewegten sich in der vergangenen Woche überaus volatil und im Wochenvergleich kaum verändert. Grund dafür ist, dass sich preisunterstützende und preisbelastende Nachrichten die Waage hielten.

Preisunterstützend wirkten die News aus dem Iran, wonach das Land nun ebenfalls an dem kommenden Treffen der Ölproduzenten Ende September in Algier teilnehmen will. Beim letzten Treffen in Doha im April hatte gerade das Fehlen des Iran (der sich nicht an eine Produktionsobergrenze halten wollte) zum Scheitern dieses Treffens geführt.

Allerdings dämpfte der saudische Ölminister nur wenig später die Erwartungen wieder mit der Äußerung, dass man keine Notwendigkeit für einen starken Eingriff am Ölmarkt sähe und es generell auch keine konkreten Diskussionen über das Einfrieren der Ölproduktion innerhalb der OPEC gegeben habe.

Grundsätzlich sei man zwar bereit, sich an einer solchen Diskussion zu beteiligen, doch angesichts der Tatsache, dass Saudi-Arabien erst im Juli seine Ölproduktion auf ein Rekordniveau bei 10,67 Millionen Barrel pro Tag ausgeweitet hat und dieses Niveau auch beibehalten will, sollten Anleger überzogene Erwartungen an das Treffen in Algier wohl besser noch einmal überdenken.

Auch aus den USA gab es zwiespältige News. Zum einen sind die US-Rohölimporte seit Anfang 2015 um mittlerweile 1 Million Barrel pro Tag gestiegen und lagen in der Vorwoche zuletzt mit 6,6 Millionen Barrel pro Tag wieder auf dem Niveau vom Dezember 2014. Damit zeigt sich, dass sich die Strategie der OPEC schließlich doch auszahlt und die USA an Marktanteil wieder verlieren.

Auf der anderen Seite bedeutet dies aber noch lange keine weltweite Angebotseinengung und auch der Anstieg der US-Rohöl- und US-Ölproduktlagerbestände zeigt weiterhin, dass der Markt insgesamt gut versorgt ist.

In China dagegen sind die Rohöllagerbestände im Juli um deutliche 5,7% gegenüber dem Vormonat auf das niedrigste Niveau seit April 2013 gesunken. Allerdings weisen die Daten der chinesischen Zollbehörde für Juli auch einen deutlichen Anstieg der Netto-Exporte von Benzin und Diesel auf ein Rekordniveau von 2,5 Millionen Tonnen aus.

Brent zur Lieferung im Oktober handelt aktuell bei 49,57 US-Dollar pro Barrel an der ICE. WTI zur Lieferung im Oktober notiert aktuell bei 47,15 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Das globale Überangebot spricht eigentlich gegen eine deutliche Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Doch das anstehende Treffen der Ölproduzenten beflügelt die Fantasie der Marktteilnehmer. Dementsprechend könnten die Ölpreise durchaus zwischenzeitliche Preissprünge erwarten.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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