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Erdöl: der Druck auf die OPEC wächst

Das beherrschende Thema in der vergangenen Woche, der Sieg des Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl, bewirkte zunächst auch Auswirkungen auf die Ölmärkte und schob die Preise zunächst an. Zum Ende der Woche konnte die Euphorie am Ölmarkt aber nicht halten und die Preis gaben erneut deutlich ab. Im Wochenvergleich verzeichnen die Ölpreise erneut ein Minus.

Direkt nach dem Wahlsieg von Donald Trump in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in der vergangenen Woche gaben die Ölpreise in einer ersten Reaktion zunächst um bis zu 3% ab, nur um hernach deutliche Ausschläge nach oben vorzunehmen. Grund dafür waren wohl Überlegungen hinsichtlich einer möglichen energiepolitischen Wende in den USA.

So hatte Trump im Vorfeld der Wahlen mehrfach betont, er wolle die während der Obama-Regierung eingeführten Beschränkungen für die Nutzung von fossilen Brennstoffen wieder aufheben. Außerdem kritisierte er mehrfach das Atomabkommen mit dem Iran.

Zum Ende der Woche kehrte dann allerdings eine Art Besinnung in den Ölmarkt zurück, nachdem Trump eine relativ verhaltene Rede nach seinem Wahlsieg gehalten hatte. So konnten erneut die Fundamentaldaten in den Fokus der Marktteilnehmer vorrücken und diese sprechen weiterhin eher für niedrigere Ölpreise.

So bleibt der globale Ölmarkt weiterhin massiv überversorgt wie die Internationale Energieagentur noch einmal in der letzten Woche bestätigte. Grund dafür ist eine massive Überproduktion ausgehend von der OPEC, die ihre Förderung zuletzt im Oktober um weitere 230.000 Barrel auf ein neues Rekordniveau bei 33,83 Millionen Barrel pro Tag ausgeweitet hatte, und von Russland, das seine Produktion in den letzten 2 Monaten um 500.000 Barrel auf rekordhohe 11,2 Millionen Barrel pro Tag gesteigert hatte.

Sollte das aktuelle globale Produktionsniveau nicht gesenkt werden, so die IEA, dürfte der Markt bis Ende 2017 überversorgt bleiben. Entsprechend hoch ist nun der Druck auf die OPEC bei ihrer kommenden Sitzung in 3 Wochen eine Produktionskürzung vorzunehmen. Doch bis auf Saudi-Arabien und seine verbündeten Golfstaaten will sich bislang kein OPEC-Land zu einer Kürzung bekennen. Auch Russland ist im Höchstfall bereit, die Produktion einzufrieren.

Auch aus den USA gab es fundamental betrachtet weiterhin preisdrückende News. So sind, wie das US-Energieministerium bekannt gab, die Rohöllagerbestände erneut um weitere 2,4 Millionen Barrel gestiegen. Und aus China wurden zudem schwache Importdaten gemeldet. Wie die chinesischen Zollbehörden bekannt gaben, sind Chinas Rohölimporte im Oktober um 16% gegenüber dem Vormonat auf 6,79 Millionen Barrel pro Tag gesunken.

Brent zur Lieferung im Januar handelt aktuell bei 44,52 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Dezember notiert derzeit bei 43,14 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Angesichts der fundamentalen Ausgangslage im globalen Ölmarkt dürften die Ölpreise eher gedämpft bleiben. Zwischenzeitliche Reaktionen in Bezug auf die künftige politische Ausrichtung der USA dürften kurzfristiger Natur bleiben, bis sich hier eine klare Linie abzeichnet. Hoher Druck lastet aber auf der OPEC. Je näher die nächste Sitzung rückt, desto volatiler dürfte sich der Markt präsentieren.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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