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Erdöl: Markt derzeit keineswegs in Überschuss

Die Rohölpreise konnten im Wochenvergleich zwar zulegen, bewegten sich die Woche über aber äußerst volatil. Ausschlaggebend dafür waren hauptsächlich unterschiedliche Meldungen und Prognosen zum Ölmarkt.

Zum einen prognostiziert die OPEC einen Rückgang des Nicht-OPEC-Angebots um 880.000 Barrel pro Tag für dieses Jahr und einen weiteren Rückgang um 110.000 Barrel pro Tag im kommenden Jahr. Bei gleichzeitig steigender Nachfrage auf 1,19 Millionen Barrel pro Tag in 2017 ergibt sich für das kommende Jahr eine leichte Unterversorgung, so die OPEC.

Preisunterstützend wirkten auch die hohen Rohöl-Importe Chinas (das Reich der Mitte hat im 1.Halbjahr seine Einfuhren um 14% gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum erhöht), sowie die Produktionsausfälle in Nigeria und Libyen und das knappere Angebot aus dem Irak.

Preisdrückend wurde dagegen der aktuelle Monatsbericht der Internationalen Energieagentur aufgenommen. Diese äußerte darin die Ansicht, dass die rekordhohen US-Lagerbestände einen deutlich dämpfenden Einfluss auf die Ölpreise haben dürften.

Dem US-Energieministerium zufolge sind zuletzt die Rohölbestände zwar erneut um 2,6 Millionen Barrel gesunken, doch die Vorräte an Ölprodukten zogen dagegen deutlich an (+4,1 Millionen Barrel bei den Destillaten und +1,2 Millionen Barrel beim Benzin).

Und auch die letzten Daten von Baker Hughes setzten die Ölpreise unter Druck. So ist die Zahl der aktiven Ölbohrungen in den USA erneut gestiegen, um 10 auf 351. Damit sind seit Anfang Juni bereits 10% mehr Bohrtürme aktiviert worden.

Brent zur Lieferung im September handelt aktuell bei 48,09 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im August notiert derzeit bei 46,40 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Trotz der Warnungen der Internationalen Energieagentur befindet sich der Markt derzeit keineswegs in einem Überschuss. Tatsächlich ist der Ölmarkt aktuell ausgeglichen. Zudem erwartet nicht nur die OPEC, sondern auch die IEA selber für das kommende Jahr ein Angebotsdefizit.

Somit dürften die Ölpreise zwar nicht auf große Verluste zusteuern, angesichts der steigenden Bohrungen in den USA aber auch nicht weitere sprunghafte Preisgewinne verbuchen. Der Ölmarkt dürfte damit weiterhin eher volatil bleiben.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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