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Ein schwacher Ölpreis war und ist ein Fluch

Ich weiß noch als wäre es gestern gewesen, als ich Ihnen vor etwas mehr als einem Jahr schrieb, dass uns die nächste Schuldenkrise bevorstehen könnte, wenn der Ölpreis weiter sinkt.

Viele Analysten hatten damals noch geschrieben, wie toll sich doch ein tiefer Ölpreis auf die Weltwirtschaft auswirken würde. Ich war anderer Meinung und habe Recht behalten (leider).

Ölpreis: Einbruch um über 70% in nur 18 Monaten

Ölpreis

Quelle: stockcharts.com

Es gibt nie nur schwarz oder weiß an der Börse

Noch vor einem Jahr wurde der damals schon deutlich gesunkene Ölpreis noch regelrecht bejubelt. Tiefe Energiepreise seien doch fantastisch, hieß es allerorten, denn die würden wie ein Gratis-Konjunkturpaket wirken.

Also nichts wie rein in die Aktienmärkte für alle die noch nicht investiert waren. Denn der niedrige Ölpreis sollte ja Konjunktur und Aktienkurse beschleunigen.

Ich fand das schon damals wahnsinnig blauäugig und viel zu kurz gedacht. Denn so einfach ist es eben nicht.

Wer glaubt er müsste nur mal eben einen Ölpreis senken um die Konjunktur anzukurbeln, der ist ein Idiot…oder eine Notenbank. Die denken ja auch, sie müssten einfach nur mal schnell den Wert des Geldes senken und schon sprudelt die Konjunktur über. Falsch gedacht, in beiden Fällen.

Denn das Zusammenspiel zwischen Finanzmärkten und dem was wir Realwirtschaft nennen ist hochkomplex und von viel mehr Faktoren abhängig als es nur einem derart vereinfachten Kausalzusammenhang. Es ist wie im wahren Leben, im Zusammenspiel der Menschen untereinander.

Hier gibt es auch nicht nur alles oder nichts, sondern viele tausend unterschiedliche Facetten, die schließlich ein Gesamtbild produzieren. Ich schweife ab…

Die Entwicklung der Weltwirtschaft kann niemals nur abhängig sein von einem einzigen Faktor, wie den Ölpreisen.

Zwar sehen wir tatsächlich durch die tiefen Ölpreise einen leichten unterstützenden Effekt beim Konsum in den Industrieländern, doch der wird durch einen viel schmerzlicheren Prozess unterdrückt: stark gesunkene Investitionsausgaben.

Schwache Ölpreise bringen nicht nur Unternehmen sondern auch Staaten zu Fall

Was sich durchaus noch jeder Hinterhof-Analyst auch schon vor einem Jahr denken konnte: schwache Ölpreise sorgen für Verluste bei den Ölfirmen.

BP wies für 2015 einen Verlust aus, der höher war als jener im Jahr 2010, als BP die größte Ölkatastrophe im Golf von Mexiko auslöste. Die sonst so erfolgsverwöhnte Conoco Phillips musste jüngst ihre Dividende um zwei Drittel kürzen. Und von den US-Frackern haben bereits 41 letztes Jahr Konkurs angemeldet.

In den USA springt damit bereits ein ganzer Industriezweig über die Klinge und damit sind nicht nur die Fracker an sich, sondern vor allem die Zulieferer und der restliche Pulk an abhängigen Unternehmen gemeint.

Tausende Jobs sind schon längst verloren und einstige Boom-Towns haben sich schneller als erwartet wieder zurück in das verschlafene Nest verwandelt, das sie vor ein paar Jahren schon gewesen sind.

Was aber nur die wenigsten Bank-Analysten schon vor einem Jahr wahr haben wollten, ist der negative Vermögenseffekt.Unternehmensverluste, Job-Verluste, Pleite-Firmen, das drückt auch auf die Anlegerstimmung. Und dann beginnt die Kettenreaktion.

Hoch-Risiko-Anleihen werden zum Pulverfass, entsprechend steigen die Renditen, was immer mehr Firmen unter Druck bringt und die Risikobereitschaft immer weiter abschwächt. Schließlich leiden auch die Aktienkurse unter dem Kapitalabzug.

Und dann sind da noch die Staatsfonds. Fast jedes ölexportierende Land parkt seine Überschüsse in Staatsfonds. Die investieren querbeet durch Unternehmen und Aktien in der ganzen Welt. Und die sollte man nicht unterschätzen.

Denn nach Schätzungen von JP Morgan haben alleine diese Staatsfonds im vergangenen Jahr Anleihen im Wert 100 Milliarden US-Dollar und Aktien im Wert von 50 Milliarden US-Dollar abgestoßen. Diese Notverkäufe könnten aber bei einem weiterhin derart niedrigen Ölpreis nur der Anfang gewesen sein!

Fazit: Das aktuelle Ölpreisniveau ist ein Fluch für die Weltwirtschaft

Die niedrigen Ölpreise lösen Firmenpleiten, Arbeitsplatzverluste und Aktienmarkt-Crashs aus. Sie sorgen für Haushaltsdefizite in für die geopolitische Stabilität wichtigen Ländern und haben auf die großen Industrienationen einen deflationären Effekt.

Nein, ich kann genauso wenig wie vor einem Jahr viel Gutes an niedrigen Ölpreisen erkennen. Zumal diese auf aktuellen Niveaus künstlich nach unten verzerrt sind…und das geht niemals lange gut.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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