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Droht uns ein Engpass bei Öl?

Wir haben bei Öl ein Überangebot. Doch jetzt kommt die Internationale Energieagentur (IEA) und warnt vor einem Engpass. Nun kann man die IEA natürlich als Lobbytruppe der Energiekonzerne bezeichnen.

Wie gut Lobbyarbeit funktioniert, sehen Sie am Beispiel der Autoindustrie. Während beim Dieselskandal VW-Kunden in den USA entschädigt werden, gehen Sie in Deutschland leer aus.

Sollten wir nach Ansicht der IEA noch mal schnell tanken oder uns sogar einen Öl-Vorrat anlegen, bevor die Preise steigen?

Bis 2050 doppelt so viel Öl wie benötigt

Eine vom britischen Ölkonzern BP veröffentliche Studie gibt zunächst eine andere Antwort: Unter der Erde liegen noch 2,6 Billionen Barrel Öl. Das ist doppelt so viel, wie benötigt wird.

Wie kommt die IEA denn in ihrem gerade eben veröffentlichten Report „Oil 2017“ dazu, von einem drohenden Angebotsengpasse in den nächsten fünf Jahren zu sprechen?

Mit dem Ölpreis sinken auch die Investitionen

Was sich auf den ersten Blick grotesk anhört, passt tendenziell durchaus zusammen. Die Logik ist einfach: Bei fallenden Ölpreisen sinken auch die Investitionen in neue Ölprojekte.

Das konnten Sie in den letzten Jahren vor allem an der amerikanischen Schieferöl-Industrie sehen. Etliche Bohrvorhaben wurden eingestellt.

Dumping lohnt sich nicht

Das war ja von Seiten der Saudis auch beabsichtigt. Saudi Arabien hat den Ölhahn massiv aufgedreht, um die Amerikaner vom Markt zu verdrängen. Jetzt haben die Ölscheichs erkannt, dass sie sich mit dieser Dumping-Politik wirtschaftlich selbst schaden.

Was die IEA jetzt so dramatisch beschreibt, sind nichts weiter als die Mechanismen des Marktes. Wenn der Ölpreis aufgrund eines geringeren Angebots wieder steigt, lohnen sich auch Investitionen in neue Ölvorkommen.

Die Folge: Das Angebot steigt wieder, der Ölpreis pendelt sich ein.

Ölpreise von über 100 US$ sind Vergangenheit

Klar ist aber auch: Die Nachfrage nach Öl aus den Industrieländern hat ihren Höhepunkt überschritten.

Wachstum gibt es nur noch durch Schwellenländer wie zum Beispiel Indien. Ölpreise von über 100 US$ gehören damit der Vergangenheit an. Ölpreise unter 40 US$ aber auch.

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Über den Autor Volkmar Michler

Volkmar Michler, Jahrgang 1964, ist langjähriger Leiter der deutschen Trader-Redaktion. Er studierte Jura, Politik und Geschichte und absolvierte ein betriebs- und volkswirtschaftliche Zusatzausbildung.

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