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Das Geschenk der Ölexporteure an die Welt: Wachstum

Erst China, jetzt das Öl: Der Markt kommt nicht zur Ruhe. Seit 2014 hat sich der Ölpreis geviertelt – und es geht weiter abwärts.

Nachdem am Wochenende der Iran offiziell auf den Weltmarkt zurückkehrte, bekam die Abwärtsdynamik noch mehr Geschwindigkeit.

Der Iran ist der sechstgrößte Ölproduzent der Erde und sitzt auf den drittgrößten Reserven. Da es ohnehin schon ein Überangebot auf dem Weltmarkt gab, setzt ein zusätzlicher großer Produzent den Preis weiter unter Druck.

Erstmals wurde Öl nahe 0 Dollar gehandelt

Heute Nacht wurde gemeldet, dass der Ölpreis einer bestimmten minderwertigen US-amerikanischen Sorte erstmals unter 0 Dollar fiel. Zwar dementierte die meldende Raffinerie den Preis von -0,50 Dollar pro Barrel (159 Liter) – es sei ein Versehen gewesen – doch der korrigierte Preis von 1,50 Dollar pro Barrel ist nicht viel besser.

Die Referenzsorten Brent und WTI kosten weiterhin nur rund 30 Dollar. Größere Preisabweichungen zwischen speziellen Sorten sind normal. Sie sind auf Qualitätsunterschiede, auf Lager- und Transportkapazitäten sowie auf Kapazitäten bei der Rohölverarbeitung zurückzuführen.

Wenn Pipelines, Raffinerien oder Lager ausgelastet sind und neu produziertes Öl in der Region nur mehr teuer per Tankwagen weitertransportiert werden kann, dann sinkt der Preis. So geschehen in North Dakota mit einem Preis von 1,50 Dollar.

Der Währungsfonds sieht niedrige Ölpreise positiv

Um die weltwirtschaftlichen Folgen des Ölpreisverfalls besser abschätzen zu können, haben mein Team und ich in der vergangenen Woche recherchiert. Dabei fiel uns eine Analyse des Internatio-nalen Währungsfonds (IWF) aus dem vergangenen Jahr in die Hände. Damals war der Ölpreis noch gut doppelt so hoch wie heute.

Der IWF geht davon aus, dass niedrigere Ölpreise grundsätzlich positiv sind für die Weltwirtschaft. Weltweit  heben sich theoretisch gesparte Ausgaben der Ölimporteure und Mindereinnahmen der Ölexporteure auf.

Doch wie wir von Saudi-Arabien, Norwegen oder auch Russland wissen, gaben die Ölexporteure ihre Öleinnahmen nie vollständig aus. Den Ölexporteuren gezahltes Geld stand also nicht mehr vollumfänglich nachfragewirksam zur Verfügung. Hohe Ölpreise bremsen daher das weltweite Wirtschaftswachstum tendenziell.

Bei sinkenden Ölpreisen ist der gegenteilige Effekt zu beobachten. Dazu kommt, dass die Ölexporteure nun ihre Geldreserven anzapfen und daher die Nachfrage der Ölexporteure nicht im gleichen Maße schrumpft wie ihre Öleinnahmen.

Es steht also insgesamt gesehen mehr Geld zur Verfügung, mit dem Produkte und Dienstleistungen nachfragt werden.

Die Finanzindustrie könnte ein Problem bekommen

Ein Problem sind jedoch die Kredite, die die Ölindustrie von den Banken bekam.

Zum Beispiel wurde in den USA das teure Fracking hauptsächlich mit Krediten finanziert, ist jetzt aber nicht mehr profitabel zu betreiben. Massenhafte Kreditausfälle wären ein Risiko für die Finanzindustrie.

Die Wachstumsprognosen des IWF für Deutschland wurden erhöht

Der Währungsfonds geht übrigens trotz der Unterstützung durch den niedrigen Ölpreis davon aus, dass das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr „nur“ 3,4% betragen wird. Bis gestern ging man von 3,6% aus. 3,4% sind immer noch ein Tempo, das sich sehen lassen kann.

Zudem erhöhte der IWF die Wachstumsprognosen für Deutschland und die Eurostaaten insgesamt auf jeweils 1,7%. Hauptursächlich für die global um 0,2% verringerte Prognose seien neben dem etwas langsameren Wachstum in China vor allem die Zinserhöhungsphase in den USA sowie die unsichere geopolitische Lage. Die Wachstumsprognose passt gut zu unserem Anlage-Szenario in diesem Jahr.

Wir werden uns darauf konzentrieren, aus dem schwachen Euro Kapital zu schlagen. Der beflügelt die Exporte der Eurozone und stärkt die Binnennachfrage. Mit europäischen Aktien können wir von dieser Entwicklung profitieren. Dass der IWF die Prognosen für Deutschland und die Eurozone erhöhte, passt uns gut in den Plan!

Der Aktienmarkt ist noch zu unentschlossen

Derzeit jedoch befindet sich der Aktienmarkt in einer „Findungsphase“. Zwischen 9.000 und 10.000 Punkten – und damit zwischen zwei wichtigen Unterstützungen bzw. Widerständen eingesperrt, pendelt der DAX ziellos umher.

Tage mit hohen Verlusten wechseln sich ab mit Tagen mit hohen Gewinnen. Wir halten uns in dieser ziellosen Phase mit Neuinvestitionen zurück und stellen unseren ursprünglichen Reinvestitionsplan erst einmal zur Disposition.

Mit hoher Cashquote können wir schnell reagieren, sollten sich im Laufe der kommenden Wochen außergewöhnliche Chancen ergeben – zum Beispiel bei einem Kursrückgang auf 9.000 DAX-Punkte.

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Über den Autor Stefan Schneider

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