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BP Aktie: Profitieren durch den Brexit?

Der Brexit schadet der Wirtschaft, allen voran der in Großbritannien – so die gängige Lesart seit dem überraschenden Votum des britischen Wahlvolks zugunsten eines Austritts aus der Europäischen Union.

Tatsächlich haben bereits in den darauffolgenden Tagen diverse Unternehmen angekündigt, sich von der Insel zurückzuziehen oder zumindest größere Niederlassungen zu schließen und stattdessen aufs europäische Festland zu verlagern. Insbesondere der starke Bankensektor in London droht zu erodieren, größer Profiteur dieser Entwicklung könnte Frankfurt am Main werden.

Ölkonzerne profitieren durch Pfund-Absturz

Doch nicht für alle Branchen ist der EU-Austritt gleichermaßen schlecht. Der Absturz des britischen Pfunds auf den tiefsten Wert seit über 30 Jahren spielt manch einem Großkonzern auch durchaus in die Karten, so etwa den Öl fördernden Unternehmen, die ebenfalls stark in Großbritannien angesiedelt sind.

Da der globale Ölpreis in US-Dollar bemessen wird, erwirtschaften BP, Shell und Co. auch ihre Gewinne aus diesem Geschäft in US-Dollar, die dann erst wieder in britische Pfund umgerechnet werden. Auf diese Weise gab es zuletzt einen Gewinnsprung von mehr als 10 Prozent allein durch Währungseffekte, die sich neben den Gewinnen übrigens auch auf die Dividenden auswirken.

Hinzu kommt, dass laufende Ausgaben wie etwa Personalkosten weiterhin in schwachen britischen Pfund fällig werden, die Bilanz also weniger stark belasten als zuvor. Hier erweist sich der Brexit als Wettbewerbsvorteil im globalen Standortvergleich.

Zwei Risiken bleiben

Wer nun aber damit liebäugelt, im großen Stil bei britischen Ölkonzernen zu investieren, sollte zwei nicht unerhebliche Risikofaktoren bedenken: Erstens wird die Pfundschwäche wohl nicht ewig anhalten. Der Absturz der Landeswährung ist eher als Panikreaktion in Folge der bösen Überraschung des Brexit-Votums zu werten, mit dem kaum jemand wirklich gerechnet hatte. Inzwischen ist der erste Schock darüber weitgehend verdaut.

Es mag zwar noch eine Weile dauern, bis sich auch das Pfund davon erholt hat, und es ist durchaus wahrscheinlich, dass es noch längere Zeit unterhalb seines Vor-Brexit-Wertes notiert – doch wenn sich die Wogen erst einmal geglättet haben und die Verhandlungen zwischen London und Brüssel konkreter werden, wird sich wohl auch das Pfund früher oder später wieder erholen.

Zweitens jedoch, und das ist vielleicht der noch wichtigere Punkt, sollte nicht vergessen werden, dass das Hauptproblem der Ölkonzerne nach wie vor nicht gelöst ist, und das ist der niedrige Ölpreis.

Zwar hat sich das Barrel der weltweit wichtigsten Sorte Brent seit Jahresbeginn von unter 30 auf zwischenzeitlich knapp über 50 US-Dollar nach oben gekämpft, doch zuletzt schwächelte das einstige „schwarze Gold“ wieder: Das Fass war wieder für unter 45 Dollar zu haben und kostete damit nicht einmal die Hälfte dessen, was es im Frühsommer 2014 noch wert war.

Sollte hier nicht bald eine Erholung einsetzen, dürften das auch die Ölkonzerne und nicht zuletzt ihre Aktionäre wieder stärker zu spüren bekommen.

BP Aktie weiter unter Druck

Die Verunsicherung über die Großwetterlage am Ölmarkt lässt sich auch an den Aktienkursen der Branchengrößen ablesen. Während sich Royal Dutch Shell langsam aber sicher wieder nach oben kämpft und seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent zugelegt hat, zeigte sich die konkurrierende BP Aktie deutlich volatiler.

Zuletzt verzeichnete BP einen Gewinneinbruch für das zweite Quartal, das Nettoergebnis sackte um 45 Prozent ab auf 720 Millionen US-Dollar und verfehlte damit die Erwartungen der Analysten. Grund war einmal mehr vor allem der anhaltend niedrige Ölpreis. Als Konsequenz sollen nun erneut die Investitionen heruntergeschraubt werden.

Analysten schätzen das Kurspotenzial der Shell Aktie vorsichtig optimistisch ein, während bei der BP Aktie die Meinungen stärker auseinandergehen. Viel Luft nach oben scheint es dort derzeit nicht zu geben – trotz der Kostenvorteile durch den Brexit und den Absturz des britischen Pfunds.

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Über den Autor Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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