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Lithium: Neuer Mega-Trend im Rohstoffmarkt oder bittere Pille?

Egal welche Börsen- oder Finanzpublikation ich in diesen Tagen durchblättere, nahezu überall springt mir ein angeblich neuer Mega-Trend entgegen: Lithium!

Das Leichtmetall wird als der neue Moderohstoff in den Himmel gehoben, gelobt werden die gewaltigen Chancen, die sich nicht nur für Unternehmen der Branche, sondern auch für Investoren ergeben.

Der Lithium-Boom würde sogar die ansonsten so heißbegehrten Edelmetalle wie Gold und Silber in den Schatten stellen. Fest steht: Lithium ist so gefragt wie noch nie, aber eignet sich der “Super-Rohstoff“ auch für Anleger?

Wir meinen: Wann immer etwas derart gehypt wird, sollten Sie mit äußerster Vorsicht agieren! Die Gründe, warum aus dem Mega-Hype schnell eine bittere Pille werden kann, erfahren Sie heute.

Elektromobiliät lässt Lithium-Markt boomen

Smartphones, E-Bikes oder Elektroautos lassen den Bedarf an Lithium steigen und steigen. Noch vor wenigen Jahren wurde die Elektromobilität als verrückte Hirngespinste abgestempelt. Heute hat kaum noch einer Zweifel daran, dass die Zukunft elektrisch wird.

Die Diesel-Gate-Affäre von Volkswagen scheint das Ganze noch beschleunigt zu haben. Was wurde Elon Musk, Mitgründer und Firmenchef des Elektroauto-Pioniers Tesla Motors, nicht für seine oftmals schrägen und abgefahrenen Ziele und Visionen jahrelang belächelt.

Jetzt, wenn immer mehr auch etablierte Autobauer weltweit dazu übergehen, ihre Projekte im Rahmen der Elektromobilität umzusetzen, werden viele Bürger von der Realität eingeholt.

Erst kürzlich bezog Volkswagen mit der Aussage, als größter Autohersteller der Welt in Zukunft viel stärker auf den Elektromarkt setzten zu wollen, eindeutig Stellung. Auch andere deutsche Fahrzeughersteller gehen in die Offensive.

So plant Daimler einem Bericht der Automobilwoche zufolge von 2018 bis 2024 mehr als sechs neue Elektromodelle auf den Markt zu bringen. Experten schätzen, dass sich der Absatz von Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen von 2016 bis 2025 in etwa versiebenfachen dürfte.

Lithium – Profiteur der Elektromobilität?

Als Profiteure dieser Entwicklung gelten neben Autobauern wie Tesla oder BYD auch Batteriehersteller wie etwa Panasonic. Den Experten von Der Aktionär zufolge wird jedoch kein Markt so stark boomen wie der des Grundstoffs für den Batteriebau: Lithium.

Das Leichtmetall, welches zur Gruppe der Alkalimetalle gehört, wurde im Jahr 1817 von dem Schweden Johan August Arfwedson entdeckt. In der Natur kommt Lithium aufgrund seiner hohen Reaktivität nicht elementar vor.

Bei Raumtemperatur ist es nur in völlig trockener Luft über längere Zeit stabil, reagiert aber langsam zu Lithiumnitrid. In feuchter Luft bildet sich an der Oberfläche schnell eine mattgraue Lithiumhydroxid-Schicht aus. Wie alle Alkalimetalle reagiert elementares Lithium schon in Berührung mit der Hautfeuchtigkeit und führt so zu schweren Verätzungen und Verbrennungen.

Lithium hat an der Erdkruste einen Anteil von etwa 0,006%. Es kommt damit etwas seltener als Zink, Kupfer und Wolfram sowie etwas häufiger als Kobalt, Zinn und Blei in der Erdkruste vor.

Obwohl Lithium häufiger als beispielsweise Blei ist, ist seine Gewinnung durch die stärkere Verteilung schwierig. Das identifizierte Lithium-Vorkommen der Erde wird auf etwa 29 Mio. Tonnen geschätzt.

Der nachfolgenden Grafik können Sie entnehmen, in welchen Ländern die Lithiumreserven im Jahr 2015 am größten waren. Mit 7,5 Mio. Tonnen schlummern in Chile die größten Reserven.

Grafik: Länder mit den größten Lithiumreserven im Jahr 2015 (in Tonnen)

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(Quelle: statista.com)

Seien Sie vorsichtig – The trend is (not always) your friend!

Lithium – ein Boom ohne Ende, ein neues Zeitalter, welches erst am Anfang steht – so wird der neue Trend in den Medien derzeit gern dargestellt. Anleger wittern das große Geld und lassen sich nur allzu leicht von der beeindruckenden Entwicklung des Lithiumpreises der letzten Monate und vor allem von den jüngsten Performances der mit Lithium beschäftigten Bergbaubetriebe verführen.

In diesem Fall aber dürfte “the trend not your friend“ sein. Zwar dürfte die Nachfrage nach Lithium nach Einschätzung der Experten von Der Aktionär in den nächsten Jahren weiter steigen, und dies bei begrenztem Angebot.

Zugutekommt dies natürlich bestimmen Platzhirschen der Branche wie Albemarle oder SQM. Neue Anbieter dürften angesichts der steigenden Nachfrage in den Markt drängen – die laut Der Aktionär ebenfalls angeblich die großen Gewinner dieses Booms sein werden. Doch diesen Zahn möchte ich Ihnen heute ziehen und zur Vorsicht mahnen.

Späteinsteigern drohen Verluste

Die Experten von Miningscout.de stehen dem Lithium-Hype ebenfalls kritisch gegenüber. Sie schreiben:

“Fakt ist, dass derzeit viele Unternehmen versuchen so rasch als möglich in Produktion zu gelangen um von dem süchtig machenden Kuchen die eine oder andere Ecke zu erhaschen.

Spätestens in 2 bis 3 Jahren wird, wenn bei vielen Unternehmen alles nach Plan läuft, ein verstärktes Angebot auf den Markt drängen und sich die derzeit extremen Lithiumpreise wieder langsam auf ein normal verträgliches Niveau einpendeln.

Viele Analysten sehen bis 2020 eine Halbierung des derzeitigen Lithiumpreises auf eine Größenordnung von ca. 10.000 bis 12.000 Dollar die Tonne. Was zwar den Unternehmen nach wie vor exzellente Betriebsergebnisse bescheren kann, aber den derzeitigen Hype empfindlich dämpfen sollte.

Dies führt zwangsläufig auch zu einer Abschwächung der derzeit extremen Unternehmenswerte – und bei Späteinsteigern auf Sicht zu möglichen Verlusten.“

Aber nicht nur das. Denken wir einmal weiter… Niemand kann in die Zukunft schauen und vorhersagen, aus welchen Bestandteilen künftig Akkus und Batterien für Smartphones, Elektroaustos und so weiter bestehen werden.

Vielleicht werden in wenigen Jahren neue Technologien entdeckt, keiner weiß, ob Lithium dann auch noch einen wichtigen Bestandteil zum Bau von Batterien darstellt.

Der Hype um Lithium ist ein Boom, der für Anleger Risiken birgt, über die sich jeder Investor vorab informieren und Kenntnis darüber haben sollte, bevor man sich für ein Investment im Lithium-Markt entscheidet.

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Über den Autor Kathrin Dörfeld

Kathrin Dörfeld betreut als Redakteurin den neuen Dienst Aktien Daily.

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