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US-Dollar schmiert ab, echte Goldpreisrally beginnt

Der Markt musste in der vergangenen Woche mehrere sehr bemerkenswerte Entwicklungen „verdauen“.

Die wohl wichtigste Erkenntnis war die, dass die USA wachstumsmäßig weiter zurückfallen und inzwischen von anderen Regionen abgehängt werden. Im Vergleich zum Vorjahr brachte es die US Wirtschaft im ersten Quartal 2016 noch auf einen Zuwachs von +1,9 %.

Die Eurozone konnte hier mit einem Wachstum von +1,6 % fast gleichziehen. Im 1. Quartal 2016 wuchs diese bereits deutlich schneller als die US Wirtschaft. Der am Freitag veröffentlichte Chicago Einkaufsmanagerindex (USA) ist zudem im April wieder deutlich eingebrochen.

Das lässt für den heute erwarteten landesweiten ISM-Index nichts Gutes erwarten und nährt die Befürchtung, dass die US-Wirtschaft weiter schwächeln wird.

Das ist es auch, was derzeit den Euro gegen viele andere Währungen, vor allem aber gegen den US-Dollar, steigen lässt. Der Devisenmarkt sieht hier offenbar bereits das Ende der US-Zinswende und kaum  och Notwendigkeiten für eine weitere geldpolitische Lockerung im Euroraum.

Ähnlich verhält es sich mit Japan: Hier schwächelt die Wirtschaft zwar saumäßig, aber die Bank of Japan hat zuletzt ihre Geldpolitik trotzdem nicht weiter gelockert. Wohl auch deshalb, weil das kaum noch positive Effekte brächte. Dadurch konnte der Yen weiter zulegen, während der Dollar verliert.

Die Schwächung des US-Dollars hat weitreichende Effekte. Zum einen konnten die Edelmetalle in der vergangenen Woche weiter zulegen. Silber löste ein vermeintliches, kurzfristiges Topp einfach nach oben auf. Gold beendete die Konsolidierung der letzten 2 Monate und stieg auf ein neues Jahreshoch. Öl ebenfalls.

Die Basismetalle und Agrarrohstoffe hinken dieser positiven Entwicklung noch hinterher. Beginnen auch diese nachhaltig zu steigen, was nur eine Frage der Zeit ist, haben die Notenbanken in Kürze ein gewaltiges Inflationsproblem.

Dann sind die seligen Zeiten einer disinflationären Entwicklung aufgrund fallender Rohstoffpreise vorüber. Und die Zinswende kommt – auch im Euroraum. Dann dürfte es nicht lange dauern, bis die deutsche Immobilienblase mit lautem Knall platzt.

Viele zu knapp auf Kante gesetzte Immobilienkredite mit eigentlich viel zu langen Laufzeiten und variablen Zinsen (im Vertrauen auf „ewig“ niedrige Zinsen) dürften dann nur noch auf dem Wege der Zwangsversteigerung eingebracht werden können. Aber das kennen wir ja bereits von der US-Hypothekenblase 2007/2008.

Zum anderen kann ein schwächerer US-Dollar der US-Wirtschaft wieder etwas auf die Beine helfen. Wohl auch deshalb belässt es die US-Notenbank bei rein verbalen Zinsschritten, die in der Praxis immer wieder auf die lange Bank geschoben werden.

Der Devisenmarkt hat das Spiel offenbar bereits durchschaut und den Dollar auf die Reise nach Süden geschickt. Den US-Aktienmarkt dürfte dies trotz des bisher mauen Wachstums stützen, da sich die künftigen Aussichten bessern. Die Frage ist nur, wie lange die Notenbanken auf Zinsnahbungen verzichten  können, wenn die Inflation drastisch steigt.

Unterdessen geht die Edelmetallrally gerade in eine neue Phase über. Bisher konnte man diese noch als technische Erholung im mehrjährigen Abwärtstrend abtun. Doch das hat sich in der vergangenen Woche grundlegend geändert.

Der erste Wochenschlusskurs über 1280 Dollar seit über einem Jahr verhilft dem gelben Metall nun zu weiterem Rallypotenzial in Richtung 1450 Dollar. Darüber wäre der Bulle dann endgültig ausgebrochen und die 1750er Marke winkt.

Goldpreis Wochenchart

Goldpreis

Fazit: Der Goldpreis nimmt eine Bodenbildung bei den Rohstoffpreisen nach 5 Jahren Flaute vorweg. Gleichzeitig werden künftige Inflation und dadurch ausgelöste Marktturbulenzen eingepreist.

Darüber hinaus scheint die Dollar-Rally der Jahre 2013/14 erst einmal vorüber, was Edelmetalle zusätzlich stützt. Wahrscheinlich steht der gesamte Rohstoffsektor vor einem gewaltigen Comeback.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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