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US-Arbeitsmarkt: Überraschender Einbruch – ein Fake?

Das Überraschungs-Karussell bei den US-Wirtschaftsdaten dreht sich weiter. Kam der ADP Employment Report für Mai kurz zuvor noch mit 173.000 etwas über Konsens herein (für gewöhnlich ein positives Vorzeichen), so enttäuschen die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten der US-Regierung auf ganzer Linie und „völlig überraschend“.

Die neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft beliefen sich im Mai auf nur 38.000. Eine massive Verfehlung der Markt-Erwartet von 160.000 und ein drastischer Rückgang vom Vormonatswert (revidiert 123.000 von 160.000).

Wir sehe hier den geringsten Stellenzuwachs der letzten sechs Jahre! Noch dazu in einem völligen Bruch zu den bisherigen Daten, die nur eine leicht abnehmende Dynamik bei Stellenaufbau andeuteten. Aber es kommt  noch dicker: Gleichzeitig fiel die Arbeitslosenquote deutlich von 5,0% auf 4,7%.

Das geht bei nahezu unveränderten neuen Stellen eigentlich nur, wenn die Gesamtbevölkerung merklich schrumpft (Kriege, Seuchen, Massenselbstmorde, schlagartige Überalterung, was auch immer). Demnach haben wir hier einen weiteren Datenbruch, der nicht mit Verstand zu erklären ist.

Ich versuche es dennoch. In den vergangen vier Wochen gab es intensive Bemühungen der US-Notenbank, den US-Dollar stark zu reden, was auch gelang. Die Wirtschaftsdaten unterstützten weder einen starken Dollar noch eine baldige Zinsanhebung, von der US-Notenbankmitglieder immer wieder redeten.

Doch es gab immer wieder merkwürdige Daten-Ausreißer nach oben (zuletzt beim ISM-Index in völligem Bruch zu den Einbrüchen bei fast allen Fed-Regionalindizes), mit denen man einen möglichen Zinserhöhungskurs dennoch rechtfertigen konnte.

Jetzt, wo der mögliche Zinserhöhungstermin näher rückt (15. Juni) kommen die ersten Daten rein, die genau in die gegenteilige Richtung deuten. Hat die Fed kalte Füße bekommen und passt die Daten nachträglich der neuen Strategie an, die Zinsen doch nicht anzuheben?

Fakt ist: Das Datengehopse der letzten Monate wird bei weiterer Fortführung dazu führen, dass US-Daten vollends unglaubwürdig und künftig vom Markt ignoriert werden. Die US-Notenbank dürfte dieses Schicksal über kurz oder lang teilen. Sie kommt dem totalen Glaubwürdigkeitsverlust inzwischen schon ziemlich nahe.

Für den Moment stehen die Zeichen wieder auf „unveränderte Zinsen“ Mitte Juni. Zumindest bis zum nächsten Datenbruch, bei dem spannend wird, ob ihn der Markt noch für voll nimmt. Am Freitag wurden die Daten sehr wohl von den Märkten registriert.

Der US-Dollar brach regelrecht ein. Hier muss ein gerade erst eingepreister Zinsschritt wieder ausgepreist werden. Edelmetalle stiegen kräftig. Gold macht fast die Hälfte der Korrektur der letzten Wochen an einem einzigen Tag wieder wett. Aktien fielen wegen neu aufkommender Konjunktursorgen.

Hier stützt aber tendenzielle die Aussicht auf eine Verschiebung des nächsten Zinsschrittes.

Gold Tageschart

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In dieser Situation wilder Datenbrüche, die auf mögliche Manipulationen oder zumindest auf eine fragwürdige US-Datenqualität zurückzuführen sind, bleiben Prognosen extrem schwierig. Der Markt wird jetzt wieder eine Weile brauchen, um die jüngsten Ereignisse richtig einzuordnen und eine Richtung zu finden.

Ohne Kompass wird das schwer. Zudem ist das Umsatzvolumen im gerade begonnen Sommer dünn. Für Aktien erwarte ich zunächst volatile Seitwärtsmärkte mit besseren Aussichten ab Herbst. Edelmetalle dürften deutlich früher wieder durchstarten. Womöglich liegt die jüngste Korrektur bereits hinter uns.

Schlimmstenfalls zieht sich der Bodenbildungsprozess bis Monatsende hin, da noch zwei wichtige Ereignisse (US-Zinssitzung und Brexit-Entscheidung) verdaut werden müssen. Ab Juli dürften Gold und Silber spätestens wieder glänzen.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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