MenüMenü

Rätselhafter Goldpreiseinbruch in der letzten Woche ohne die Chinesen

Freuen Sie sich auch über Rabatte? So 4-5% günstiger einzukaufen, ist doch wirklich etwas Schönes. Genau das denken sich auch die Chinesen und Russen. Die kaufen jetzt massiv Gold, jetzt wo es fast 5% günstiger ist als noch vor einer Woche.

Quelle: stockcharts.com

Es ist Ihnen mit Sicherheit nicht verborgen geblieben, dass der Goldpreis in der vergangenen Woche um mehr als 5% eingebrochen ist. Urplötzlich rauschte der Dollar-Preis für die Unze Gold in den Keller von 1.320 US-Dollar noch am 03. Oktober bis zum Schluss am Freitag bei 1.257 US-Dollar.

Der Preis durchschlug in rasender Eile praktisch alle Unterstützungszonen: 1.300 USD, 1.280 USD, alles egal. Erst um die 200-Tage-Linie herum war dann Schluss.

Warum beschreibe ich diesen Goldpreiseinbruch als rätselhaft?

Papiergold und physisches Gold haben sich längst voneinander entkoppelt

Es gibt natürlich eine einfache und offizielle Erklärung für den Goldpreiseinbruch. Die FED ist schuld, weil zwei FEDianer mal wieder übers „Zinsen anheben“ gesprochen haben. Und weil gleichzeitig auch der US-ISM-Einkaufsmanagerindex nach langer Zeit mal wieder ganz toll gestiegen ist, muss das ja extrem schlecht fürs Gold sein.

Ich für meinen Teil halte die obige Erklärung für massiv übertrieben. Die FED wird frühestens im Dezember und ganz sicher nicht vor den US-Wahlen die Zinsen anheben. Und wenn sie das tut, wird es ein marginaler Zinsschritt, wie schon beim letzten Mal.

Denn die Wirtschaftsdaten mögen zwar mal positive Ausschläge zeigen, aber insgesamt steht die globale Konjunktur auf wackligen Beinen, mindestens ebenso wacklig wie unser ganzes Finanzsystem.

Sind also die Handelscomputer schuld? Natürlich wissen wir alle, dass Computer zwar nützlich, aber dennoch dumm sind und weder Menschen, noch Politik oder den Markt richtig einschätzen können. Aber können wirklich eine Handvoll Handelscomputer schuld daran sein, dass innerhalb von ein paar Stunden 1.000 Tonnen Gold verkauft wurden?

Da stelle ich mir doch zwei Fragen: Erstens, wo waren die Menschen, die diese Computer bedienen? Und zweitens, 1.000 Tonnen? Mal ehrlich, das entspricht rund 1/3 der weltweiten jährlichen Goldproduktion.

Wurde wirklich 1/3 der globalen Gold-Jahresproduktion verkauft?

Nein, das ist natürlich völliger Quatsch. In keiner Weise sind letzte Woche 1.000 Tonnen Gold von Punkt A nach Punkt B geliefert worden. Niemand hat so viel Gold vorrätig, nicht einmal die Staaten, von denen die Hälfte gar nicht weiß, wo ihre physischen Goldvorräte überhaupt lagern.

Physisch ist am Goldmarkt letzte Woche fast gar nichts passiert. Zumindest was die Verkaufsseite angeht.

Nehmen wir als Beispiel nur einmal den weltweit größten Gold-ETF SPDR Gold Trust. Der verlor von Montag bis Freitag letzter Woche gerade einmal 0,3 Tonnen Gold, oder 0,03% der 1.000 Tonnen, die da angeblich letzte Woche verkauft wurden. Das entspricht etwa 10.000 Unzen Gold.

Doch der Clou kam erst am Freitag. Da nutzten clevere Investoren, das massiv günstige Preislevel um sich schön mit Gold einzudecken: Allein am Freitag 07.10. verbuchte der Gold-ETF Zuflüsse in Höhe von 360.000 Unzen Gold.

Das sind 10 Tonnen und damit auch nur ein Bruchteil dessen, was da auf dem Papiergoldmarkt verkauft wurde. Aber im Gegensatz zu den 1.000 auf dem Papier verkauften Tonnen Gold, ist der Zukauf von 10 Tonnen am Freitag real, weil physisch erfolgt.

Günstiger Goldpreis: China und Russland bedanken sich

Ich sage Ihnen ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, wer da letzte Woche im großen Stil Papiergold verkauft hat. (Mein Kollege Byron King hat eine konkrete Vermutung. Doch dazu am Donnerstag mehr.)

Aber ich weiß, dass es nicht die Chinesen waren. Die waren letzte Woche nämlich nicht im Markt (in China waren die Börsen aufgrund der „Goldene Woche“ Feierlichkeiten geschlossen).

Bis auf die chinesische Zentralbank, die zwischenzeitlich immer wieder fleißig Gold gekauft hat. Und ich bezweifle, dass es die Russen waren, denn die stocken schon seit Monaten ihre Goldbestände immer weiter auf.

Doch ich bin mir sehr sicher, zu wissen, wer diese Woche zu den Käufern im großen Stil gehören wird: China und Russland.

Für die generell preissensitiven chinesischen Käufer ist das aktuell günstige Preislevel ein gefundenes Fressen.

Und die Russen profitieren derzeit massiv vom steigenden Ölpreis. Jeder Dollar mehr pro Barrel, bedeutet für Russland einen zusätzlichen Cash Flow von 150 Millionen US-Dollar pro Monat. Statt 200.000 bis 500.000 Unzen Gold pro Monat, wie zuletzt, dürften die Russen in diesem Monat deutlich stärker zugreifen.

Fazit: Nutzen auch Sie den günstigen Goldpreis

China und Russland sind nicht dumm. Beide Länder betreiben eine effektive Diversifikation. Angesichts der vielen Unsicherheiten dieser Tage, eine notwendige Entscheidung.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

Regelmäßig Analysen über Rohstoffe erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Miriam Kraus. Über 344.000 Leser können nicht irren.