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Indien: Staatliches Papiergold dämpft physische Nachfrage

Indien ist der zweitgrößte Goldmarkt der Welt. 22% der weltweiten Jahresnachfrage stammt aus diesem Land. 2010 waren es sogar noch 33%. Praktisch das gesamte Gold muss importiert werden, 2016 musste Indien dafür 26,5 Milliarden US-Dollar Devisen aufwenden.

Gold ist von jeher Machthabern ein Dorn im Auge. Stellt es doch ein hervorragendes Wertaufbewahrungsmittel dar, das sich der Besteuerung und Enteignung weitgehend entziehen kann und schnelle, grenzüberschreitende Kapitalverlagerungen ermöglicht.

Wenn dann aber auch noch enorme Mengen Devisen abfließen, um dieses ungeliebte Material zu importieren, werden Staaten erfinderisch. Die Hälfte aller Kapitalimporte Indiens wird für Gold ausgegeben.

Mit Zinsen und Steuerfreiheit ködert der Staat Anleger

Im November 2015 wurde daher der erste Sovereign Gold Bonds aufgelegt. Ziel dieser Staatsanleihen ist es, die Nachfrage nach physischem Gold zu dämpfen.

Die indischen Anleger sollen ihr Geld lieber in Staatsanleihen als echtes, physisches Gold stecken.

Um den Anlegern das ganze schmackhaft zu machen, nennt die indische Zentralbank das ganze Gold Bonds und verkauft die Anleihen in Stückelungen von 1g Gold.

Der Rückzahlungspreis der Anleihen orientiert sich am Börsenpreis für Gold.

Die Argumente, mit denen die Zentralbank das Papiergold anpreist, sind die gleichen, mit denen auch alle anderen Anbieter Anlegern den Besitz von echtem, physischem Gold madig zu machen versuchen. Das Papiergold sei sicherer, da es nicht gestohlen werden könne.

Die Lagerung sei billiger als bei physischen Goldbarren und –münzen und die Transaktionskosten seien geringer. Anleger bekommen außerdem auf den Gold Bonds 2,75% Zinsen gutgeschrieben.

Zudem nimmt der indische Staat die Goldbonds von der Steuer aus. Risiken sieht die Zentralbank nur insofern, als dass der Goldpreis sinken könnte.

Dass das Papiergold auch mit einem Federstrich wertlos gemacht werden könnte, sieht die Zentralbank naturgemäß nicht als Risiko an.

Mit 2,75% Zinsen pro Jahr und Steuerfreiheit fährt der Staat schwere Geschütze auf, um das Papiergold unter die Menschen zu bringen. Der Erwerb wird zudem denkbar einfach gemacht.

Bei diversen Banken und sogar Postämtern können die Inder ihr Geld in Papiergold anlegen.

Derzeit ist die Nachfrage noch verhalten

Sonderlich erfolgreich waren die bislang 3 Emissionen jedoch nicht. Lediglich 5,1 Tonnen „Gold“ wurden auf dem Papierwege verkauft.

Im gleichen Zeitraum gingen mehr als 700 Tonnen physischen Goldes über die indischen Ladentheken. Nun steht die vierte Emission an.

Von einer physischen Besicherung der Bonds ist keine Rede. Sie würde auch keinen Sinn ergeben, schließlich will Indien sich mit dem Papiergold den teuren Import von Gold sparen.

Wenn es aber keine Absicherung gibt, dann hat der indische Staat fortan ein veritables Interesse an einem möglichst niedrigen Goldpreis. Schließlich hängt der Rückzahlungsanspruch der Anleger direkt am Goldpreis.

Das Angebot könnte das empfindliche Marktgleichgewicht stören

Der Zinssatz für 8-jährige indische Staatsanleihen beträgt derzeit übrigens volle 7,2%.

Wenn Indien den Anlegern für Goldbonds, die auch nichts anderes als Staatsanleihen sind, lediglich 2,75% pro Jahr zahlt, spart sich der Staat eine Menge Geld.

Bei 8 Jahren Laufzeit der Gold Bonds summiert sich die Ersparnis für die bislang verkauften „5,1 Tonnen Gold Bonds“ auf 73 Millionen US-Dollar – oder ein gutes Drittel der investierten Summe.

Sofern der Goldpreis in 8 Jahren um weniger als 36% steigt, war die Angelegenheit für den indischen Staat also ein lohnendes Geschäft.

Für Sie als Goldanleger ist die Initiative des indischen Staates natürlich negativ. Sollte das Beispiel Schule machen und noch mehr Staaten solche Angebote machen oder auch nur der indische Staat deutlich mehr Anleger begeistern, könnte das signifikant negativen Einfluss auf den Goldpreis haben.

Bekanntlich bestimmt immer die letzte verkaufte Unze den Preis für alle Unzen. Nimmt Indien 1% der Goldnachfrage vom Markt, wird aus einem ausgeglichenen Markt plötzlich ein Angebotsüberschuss mit entsprechend nachgebenden Preisen.

Ich kann Ihnen daher nur empfehlen, die Entwicklung in Indien im Auge zu behalten.

Sollten sich die dort als Papiergold abgesetzten Mengen merklich erhöhen und dafür die gekaufte Menge physischen Goldes sinken, dürfte das langfristig auch Auswirkungen auf die Wertentwicklung Ihres Gold-Investments haben.

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Über den Autor
Jim Rickards

Jim Rickards hat sich als weltweiter Gold Experte längst einen Namen gemacht. Jetzt informiert der ehemalige Berater der CIA unsere Leser über alles Wichtige zum Thema Gold.

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