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Goldrausch durch Brexit-Befürchtungen

Der Goldpreis hat sich von seiner kurzen Verschnaufpause erholt und zuletzt wieder kräftig zugelegt. Das liegt vor allem an zwei Terminen, die unmittelbar bevorstehen: Am Mittwoch berät die US-Notenbank Federal Reserve über ihre weitere Zinspolitik – und am Donnerstag stimmen die Briten über Verbleib oder Austritt aus der Europäischen Union ab.

Beide Themen schlagen an den Finanzmärkten hohe Wellen und sorgen für ein gesteigertes Maß an Unsicherheit – und das wiederum treibt den Goldpreis an. Unsicherheiten, Krisen und Bedrohungslagen gab es zwar auch in den vergangenen Jahren zuhauf, doch scheinbar braucht es einen ganz konkreten Anlass, damit Anleger sich von risikobehafteten Investments trennen und zum Edelmetall greifen.

Brexit-Umfragen: Ergebnis offen

Inzwischen hat selbst Hedgefonds-Legende George Soros umgeschichtet und seine Goldpositionen aufgestockt. Er ist bei weitem nicht der einzige. Gerade in Großbritannien wächst die Sorge, dass es tatsächlich zum berüchtigten „Brexit“ kommen könnte, der wirtschaftlich wohl vor allem die Insel selbst belasten dürfte.

In Umfragen war zuletzt keine eindeutige Tendenz erkennbar, der steigende Goldpreis indes zeugt von zunehmender Verunsicherung der Bevölkerung. Und so greifen inzwischen nicht nur betagte, konservative Herren zu Münze und Barren, sondern zunehmend auch Investorenschichten, die bislang nicht unbedingt als typische Kundschaft beim Goldhändler galten.

Ob es allerdings wirklich zum Austritt kommt, ist noch längst nicht gesagt. Denn auch wenn die Umfragen hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen beider Lager nahelegen, sprechen die Wettquoten bei den in Großbritannien besonders beliebten Buchmachern eine andere, deutlichere Sprache. Hier wetten inzwischen mehr als 60 Prozent auf einen Verbleib des Königreichs in der EU. In der Vergangenheit waren diese Wettquoten häufig treffsicherer als die Hochrechnungen der Demoskopen.

Goldpreisentwicklung: Deutliche Wertsteigerung seit Jahresbeginn

Wer zu Jahresbeginn in Gold investiert hat, kann sich inzwischen jedenfalls über eine erhebliche Wertsteigerung von mehr als einem Viertel freuen: Lag der Goldpreis im Dezember noch bei unter 1.050 US-Dollar je Feinunze, eroberte der Goldpreis zuletzt die 1.300-Dollar-Marke. Damit ist der Kursknick, der Mitte Mai eingesetzt hatte, inzwischen wieder ausgeglichen.

Sollte es am Donnerstag tatsächlich zum „Brexit“ kommen, rechnen Experten mit einem weiteren Anstieg auf 1.400 Dollar. Doch das ist eben noch nicht sicher.

Der zweite Faktor, der die Märkte bewegt, ist die besagte Fed-Sitzung, die am Mittwoch auf der Agenda steht. Angesichts der zuletzt wieder schwächeren Entwicklung der US-Konjunktur rechnen die meisten mit einer Verschiebung der nächsten Zinsanhebung, frühestens Dezember halten sie für einen geeigneten Zeitpunkt. Nun liegt es an Fed-Chefin Janet Yellen, sich hierzu zu positionieren, und das am besten möglichst deutlich.

So oder so – nach Jahren der Flaute kommen Goldfans im Jahr 2016 endlich wieder in den Genuss steigender Kurse.

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Über den Autor Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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