MenüMenü

Gold: Politische Krisen stützen den Goldpreis

Kaum eine Kapitalanlage ist so sehr emotional behaftet wie das Gold.

Das Edelmetall spaltet die Gemüter der Anleger. Die einen halten es für überflüssig und nutzlos, als Wertanlage zudem völlig ungeeignet. Immerhin verursacht die Goldlagerung Kosten, doch Barren und Münzen werfen weder Gewinne ab noch Dividenden. Eine Rendite lässt sich allein durch die Kursentwicklung und klug gewählte Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkte erzielen. Zur Wertsteigerung scheint Gold also eher weniger geeignet zu sein.

Vertrauen in Währungen schwindet

Goldfans hingegen sehen die Sache naturgemäß ganz anders. Ihnen geht es weniger um schnelle Gewinne, sondern vielmehr um langfristige Absicherung, um den Schutz vor allzu heftigem Wertverlust. Mit Blick auf die Geschichte der Menschheit und des Goldes liegen sie damit goldrichtig, denn was auch immer geschah, für Gold konnte man sich immer etwas kaufen, einen kompletten Wertverlust hat es nicht gegeben.

Umso attraktiver erscheint das Goldinvestment, wenn das Vertrauen in die Papierwährungen schwindet. Das ist nicht erst seit der globalen Finanzkrise zu beobachten, die zunächst den US-Immobilienmarkt, dann etliche Großbanken und schließlich auch den Euro insgesamt ins Wanken brachte.

Die expansive Geldpolitik der Notenbanken, die die faktische Entwertung des Geldes zusätzlich vorantreibt, ist ein weiteres Argument auf Seiten der Goldfans. Da hilft auch der Hinweis der Pessimisten wenig, dass die US-Notenbank Federal Reserve zuletzt mehrmals den Leitzins angehoben hat. Theoretisch belasten steigende Zinsen den Goldpreis, weil andere Anlageformen im Vergleich dadurch attraktiver werden.

Verunsicherung stützt Goldpreis

Doch das ist zu kurz gedacht. Vielmehr scheinen die geopolitischen Krisen gerade die Flucht ins Gold als sicherem Hafen wieder deutlich besser erscheinen zu lassen. An den Aktienmärkten ist die anfängliche Euphorie über den überraschenden Wahlsieg Donald Trumps im November jedenfalls weitgehend verflogen. Stattdessen ist der Gegenwind zu spüren, da es mit den Wirtschaftsreformen nicht so schnell vorangeht wie erhofft und Trump zudem außenpolitisch manch eine Eskalation riskiert.

Zuletzt sorgte der Militärschlag der USA in Syrien für Aufsehen. Auch der Ausgang des türkischen Verfassungsreferendums, die überraschend angekündigten Neuwahlen in Großbritannien sowie die anstehende Präsidentschaftswahl in Frankreich dürften in den kommenden Wochen an den Märkten eine wesentliche Rolle spielen.

Und weil all diese politischen Faktoren eher für Verunsicherung sorgen, flüchten sich viele Anleger eben doch wieder ins Gold. Das verdeutlicht auch der Blick auf die Kursentwicklung: Von knapp unter 1.130 US-Dollar Mitte Dezember hat sich die Feinunze inzwischen auf 1.285 Dollar vorgekämpft. Tendenz: steigend.

Inzwischen haben selbst einige Analysten ihre Einschätzungen geändert. So gingen beispielsweise die Experten von Julius Bär bis vor kurzem noch von einem Absturz des Goldpreises aus. Inzwischen haben sie ihren Ausblick auf neutral angepasst und den erwarteten Kursrückgang auf 1.200 Dollar je Feinunze begrenzt.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

Regelmäßig Analysen über Rohstoffe erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Felix Reinecke. Über 344.000 Leser können nicht irren.