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Gold ist wieder Gold wert

Traditionell gilt Gold als sichere Häfen in unsicheren Zeiten. So ist es kein Wunder, dass nach dem Börsenbeben der vergangenen Woche, ausgelöst durch den Schock des Pro-Brexit-Votums der Briten, die Nachfrage nach dem edelsten aller Metalle in die Höhe schnellte. Doch lohnt sich der Einstieg jetzt noch?

Seit Jahresbeginn: Gold 28 % im Plus

Noch zu Beginn dieses Jahres kostete eine Feinunze Gold rund 1.060 USD. Vergangenen Freitag, einen Tag nach dem UK-Referendum, als klar wurde, dass sich die Briten für den EU-Ausstieg ihres Landes entschieden hatten, kostete eine Feinunze Gold im Tageshoch 1.360 USD und war damit rund 28 % teurer als noch vor knapp sechs Monaten.

Besonders beachtlich: Das Kurstief am Freitag lag bei rund 1.250 USD und damit 110 USD unter dem Hoch. Das entspricht einem Kursplus von knapp 9 %. Einen steileren Kurssprung an nur einem Tag schaffte Gold bisher lediglich einmal: Am 17. September 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, schnellte der Goldpreis um 11,5 % in die Höhe.

Nach kurzer Korrektur steigt der Kurs heute wieder

Zu Beginn dieser Woche konsolidierte der Kurs dann wieder und fiel gestern auf unter 1.310 USD. Doch bereits heute legt Gold wieder an Wert zu. Das nächste Ziel für die Goldbullen ist nun klar: das Hoch vom vergangenen Freitag bei 1.360 USD.

Sollten die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit sich noch weiter hinziehen, ist auch eine Fortsetzung des Aufwärtstrends über dieses Zwischenhoch hinaus denkbar. Hier lohnt sich also der Long-Einstieg durchaus noch, auch wenn Sie die Freitags-Rally verpasst haben sollten.

Gold über die letzten Jahre: eine Achterbahnfahrt

Der Goldkurs glich in den vergangenen acht Jahren einer wahren Achterbahnfahrt. Der jüngste Aufwärtstrend in Gold, der den Kurs vergangenen Freitag auf ein neues Zwei-Jahreshoch stiegen ließ, gilt erst seit Anfang dieses Jahres, streng genommen sogar erst seit Mitte Februar, als der Kurs ein neues Zwischenhoch markierte.

Allzeithoch im Zuge der Finanzkrise

Noch Ende des vergangenen Jahres kostete eine Feinunze Gold mit rund 1.050 USD so wenig wie schon seit Beginn des Jahres 2010 nicht mehr. Der Unterschied: Damals war der Goldkurs im Aufwärtstrend begriffen.

Im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007/2008 setzte Gold zu einem spektakulären Aufwärtstrend an, der den Preis für das edelste aller Metalle innerhalb von vier Jahren um mehr als 170 % in die Höhe schnellen ließ. Am 6. September 2011 markierte der Goldpreis sein Allzeithoch von 1.920,65 US-Dollar pro Feinunze.

Doch seitdem ging es im großen Stil abwärts für den Goldpreis. BIs Ende des Jahres 2011 fiel der Preis für eine Feinunze Gold unter die wichtige Unterstützung bei 1.550 USD und musste somit vom Septemberhoch bis zum Jahresende rund 19 % an Wert abgeben.

In den folgenden 15 Monaten hielt sich der Goldpreis im Großen und Ganzen oberhalb der 1.550 USD-Marke und schaffte es im Februar und im Oktober 2012 sogar noch zweimal bis an die 1.800 USD heran.

Abwärts seit 2013

Doch kam der April 2013 und damit der große Abverkauf. An nur zwei aufeinander folgenden Handelstagen fiel der Goldpreis um mehr als 200 USD von über 1.550 USD auf unter 1.350 USD und verlor somit in 48 Stunden rund 14 % an Wert. Seitdem schaffte es der Kurs nicht mehr über die 1.550 USD-Grenze.

Der Abwärtstrend setzte sich fort bis zum vergangenen Dezember, als der Goldpreis bis knapp an die 1.000 USD-Grenze fiel. Doch dann kam es im Januar dieses Jahres zur Bodenbildung und zum Trendwechsel, der Gold vom Jahresbeginn bis zum letzten Freitag um knapp 30 % in die Höhe treiben sollte.

Trendwechsel: Es geht wieder aufwärts

Grundsätzlich gilt Gold als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten und als Garantie für Wertbeständigkeit und Sicherheit. So ist es auch kein Wunder, dass die Nachfrage nach Gold in politischen und wirtschaftlichen Krisenzeiten regelmäßig steigt.

Das war während der Weltwirtschaftskrise 1929 so, und das war im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 80 Jahre später genauso. Wie bereits erwähnt, fällt der bisher größte Tagesgewinn für Gold auf den 17. September 2008, als die American International Group im Zuge der Bankenkrise Liquiditätsprobleme bekam.

Und so ist es auch kein Wunder, dass das Votum für den Brexit am vergangenen Freitag, das die Märkte zudem völlig auf dem falschen Fuß erwischte, nicht nur politische Schockwellen rund um den Globus sendete, sondern eben auch zur Panik an den Märkten führte und Anleger scharenweise in Gold trieb.

Niedrige Zinsen sind gut für Gold

Weitere Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Goldpreises sind niedrige Zinsen und Währungseffekte. In der Regel ist ein niedriges Zinsumfeld gut für den Goldpreis, sorgt also generell für steigende Kurse. Anleger tendieren dazu, bei niedrigen Zinsen ihr Geld im sicheren Hafen Gold anzulegen.

Das liegt neben dem Sicherheitsbedürfnis auch daran, dass Anleger bei niedrigen Zinsen nicht das Gefühl haben, groß etwas an Zinserträgen zu verpassen, wenn sie ihr Geld statt beispielsweise in festverzinslichen Wertpapieren in zinsfreie Edelmetalle anzulegen.

Beachten Sie den Währungseffekt im EUR/USD!

Gold-Anleger im Euroraum sollten auch den Währungseffekt im Auge behalten. Da Gold in US-Dollar notiert ist, spielt auch der Wechselkurs im EUR/USD eine Rolle, wenn Sie in Euro bezahltes Gold kaufen und verkaufen.

Nehmen wir an, Sie kaufen bei einem EUR/USD-Kurs von 1,10 für 5.000 EUR Gold. Umgerechnet ist Ihr Gold dann also 5.500 USD wert. Steigt der Euro nun gegenüber dem US-Dollar auf 1,15 USD, ist Ihr Gold bei gleichbleibendem Kurs zwar immer noch 5.500 USD, aber nur noch 4.783 EUR wert.

Fällt der Euro hingegen auf 1,05 EUR, steigt der Wert Ihres Goldes in Euro bei gleichbleibendem Goldkurs auf 5.239 EUR. Bei Ihren Anlageentscheidungen zum Thema Gold sollten Sie daher immer auch Änderungen im EUR/USD-Wechselkurs berücksichtigen.

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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