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Angeschoben durch die Notenbanken?

Es war schon eine bemerkenswerte Zäsur, die das Jahr 2016 Anfang Januar an den Finanzmärkten eingeläutet hat. Praktisch über Nacht fielen die Aktien in einen Sturzflug – und gleichzeitig berappelte sich der Goldpreis, der zuvor lange Jahre kaum einen Boden gefunden hatte.

Goldfans erinnern sich an glänzende Zeiten im Jahr 2011, als die Feinunze zeitweise rund 1.900 Dollar kostete. Auch 2012 konnte sich der Goldpreis von einem Sturz unter 1.600 Dollar noch einmal erholen und Kurs auf die 1.800 Dollar je Feinunze nehmen.

Jahreswechsel: Zäsur an den Finanzmärkten

Dann allerdings folgte ein nahezu beispielloser Absturz. In der ersten Jahreshälfte 2013 fiel der Kurs von knapp 1.700 Dollar zurück auf nur noch 1.200 Dollar. Der Abwärtstrend setzte sich seither fort – bis zum Jahreswechsel 2015/2016.

Während die Aktienmärkte abschmierten, die in den vergangenen Jahren vor allem durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken am Laufen gehalten wurden, schoss der Goldpreis um mehr als 20 Prozent in die Höhe. Mitte März kostete die Feinunze plötzlich wieder mehr als 1.275 Dollar und damit satte 200 Dollar mehr als noch zu Silvester.

Inzwischen hat wieder eine leichte Konsolidierung eingesetzt, zuletzt war die Feinunze für 1.217 Dollar zu haben. Doch wohin geht die Reise in diesem Jahr? War es das schon mit dem kurzen Kursfeuerwerk – oder wurde eine nachhaltige Trendwende gerade erst eingeläutet?

Stützen Krisen den Goldpreis?

Experten sind sich uneins darüber, wie hoch der Goldpreis in diesem Jahr noch steigen wird. Prognosen von 1.400 bis 1.600 Dollar sind jedoch keine Seltenheit mehr.

Manch einer beschwört die Wirkung des Edelmetalls als sicherer Hafen in der Krise – denn Krisen gibt es ja bekanntlich genug, von der immer noch nicht ausgestandenen Euro-Staatsschuldenkrise über humanitäre Krisen in Kriegsregionen, die gerade im Nahen und Mittleren Osten zu massenweisen Fluchtbewegungen führen bis hin zur Ölkrise, deren Folgen noch gar nicht richtig abzusehen sind.

Allerdings sind all diese Krisen nicht neu. Sie haben nicht mit Januar 2016 begonnen, sondern begleiten uns zum Großteil bereits seit mehreren Jahren. Trotzdem war Gold in dieser Zeit nicht sonderlich gefragt, gerade bei Privatanlegern ging das Interesse im vergangenen Jahr noch einmal spürbar zurück.

Goldpreisentwicklung – hat das Edelmetall seinen Ruf als Krisenwährung verspielt?

Hat Gold damit seinen Ruf als Krisenwährung verspielt? Teilweise vielleicht. Doch ein anderer Faktor hat inzwischen deutlich an Bedeutung gewonnen – da sind sich auch die Rohstoffexperten einig: Der Wert des Goldes steigt rein rechnerisch schon dadurch deutlich an, dass sich die weltweit verfügbare Goldmenge pro Jahr stabil um rund 2 Prozent vermehrt – während das Papiergeld immer schneller in immer größeren Mengen durch die Märkte gespült wird.

Die fleißigen Druckerpressen diverser Notenbanken tragen so gesehen nicht nur zu einer Rally am Aktienmarkt bei, wie wir sie in den vergangenen Jahren beobachten konnten – sondern unterstützen letztendlich auch die Entwicklung des Goldpreises.

Wird die Entwertung des Papiergeldes durch die Zentralbanken auch in den kommenden Jahren weiter vorangetrieben, dürfte Gold als weltweit akzeptierte Krisenwährung wieder an Bedeutung gewinnen.

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Über den Autor Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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