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Gold: Steigende Preise trotz sinkender Nachfrage

Im dritten Quartal 2016 lag die Nachfrage nach Gold auf den internationalen Märkten um zehn Prozent niedriger als im dritten Quartal des Vorjahres. Auf den ersten Blick wundert das, da die Nachfrage institutioneller Investoren stark stieg. Während die institutionellen Investoren im Vorjahresquartal noch 63 Tonnen Gold verkauften, standen sie dieses Jahr mit fast 150 Tonnen auf der Käuferseite.

Insgesamt haben Investoren 44% mehr Gold gekauft als vor einem Jahr. Das dürfte nicht zuletzt an der unveränderten Niedrigzinspolitik vieler Notenbanken liegen, die Gold verglichen mit festverzinslichen Investments attraktiver macht.

Die hohe Nachfrage von Investoren konnte die schwache Nachfrage aus der Industrie im 3. Quartal jedoch nicht kompensieren. Vor allem in den beiden größten Goldmärkten, Indien und China, war die Nachfrage gering. In beiden Märkten wird aufgrund der starken Schmuckindustrie sehr viel Gold gehandelt. Da die chinesische Wirtschaft eine Phase der Unsicherheit erlebt und das Gold in den vergangenen Monaten immer teurer wurde, sank dort die Nachfrage um 28%.

Die indische Landbevölkerung wiederrum leidet unter einer vergleichsweise hohen Inflation, die die verfügbaren Einkommen sinken lässt. In der Folge geht auch die Nachfrage nach Goldschmuck zurück. Dazu kommt eine vergleichsweise restriktive Regierungspolitik zur Eindämmung von Bargeldtransaktionen, die auch die Nachfrage nach Goldbarren dämpfte. Die Folge: 22% weniger Nachfrage in Indien!

Und trotzdem handelt es sich beim Rückgang auf dem indischen Markt um einen kurzfristigen Trend. Denn das gute Wetter in Indien in diesem Jahr dürfte das verfügbare Einkommen der Landbevölkerung wieder steigen lassen – und die goldaffinen Inder werden aller Voraussicht nach wieder verstärkt zum Goldschmuck greifen.

Sehr hohe Nachfrage durch institutionelle Investoren – da besteht noch erhebliches Nachhol-Potential

Deutlich belebt hat sich das Geschäft der gold-besicherten, börsengehandelten Fonds (ETFs). Hatten die im Jahr 2015 noch 128 Tonnen Gold auf den Markt geworfen, kauften sie allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 725 Tonnen Gold auf. Das 3. Quartal war allerdings das schwächste des ganzen Jahres – was sicherlich auch am gestiegenen Preis liegt.

Zurückgehalten haben sich hingegen die Kleinanleger, die vor allem Barren und Münzen kaufen. Die verhalten sich traditionell sehr antizyklisch. Steigen die Preise, geht die Nachfrage zurück, nur um sprunghaft anzusteigen, wenn es Preisrücksetzer gibt. Insgesamt gesehen ist die Nachfrage von Investoren im 3. Quartal 2016 zwar geringer als im 1. und 2. Quartal, aber deutlich höher als im 3. Quartal 2015.

Für die vergleichsweise niedrige Gesamtnachfrage nach Gold im 3. Quartal sind auch die Zentralbanken verantwortlich. Sie kauften im 3. Quartal 2016 um 51% weniger in Gold als im selben Zeitraum des Vorjahres.

Der Goldpreis wird steigen, weil die Minen weniger fördern!

Die Nachfrage ist das eine. Ohne Betrachtung des Angebots können wir aber keine vernünftige Prognose erstellen. Ein Hammer: Obwohl die Goldpreise im Jahresvergleich deutlich stiegen, sank das Angebot aus Goldminen um 4%. Und daran wird sich auch auf absehbare Zeit nichts ändern.

Durch den niedrigen Goldpreis der vergangenen Jahre wurde nur wenig nach weiteren Gold-Vorkommen gesucht und schon erkundete Vorkommen nicht zu produktionsfähigen Minen weiterentwickelt. Die Projektpipelines der Minengesellschaften sind leer, gleichzeitig gehen in den kommenden Jahren immer mehr Minen in den Ruhestand.

Aufgefangen wird dieser Trend sinkenden Angebots derzeit noch von wachsenden Recycling-Mengen. Das Gold-Recycling stieg binnen Jahresfrist um 30%, was dann insgesamt zu einem um 4% gestiegenen Gold-Angebot führte.

Seitwärtstrend mit Tendenz nach oben – Gold bleibt für Langfrist-Anleger attraktiv!

Ein Blick auf den Chart zeigt einen Seitwärtstrend des Goldpreises. Zog der Preis zu Jahresbeginn in 6 Wochen sehr stark von rund 1.040 auf 1.240 US-Dollar an, so stieg er seitdem bei großer Volatilität nur noch um weitere 60 US-Dollar auf inzwischen 1.300 US-Dollar. Das ist ein Seitwärtstrend mit moderat steigender Tendenz.

Für die nächsten Monate rechne ich jedoch mit einem weiteren Anstieg des Goldpreises. In der Vergangenheit zeigte sich, dass die Schmuckindustrie eine preisbedingte Nachfrage-Zurückhaltung nur kurze Zeit durchhält. Investoren kaufen schon jetzt mehr Gold als früher. Vor allem die Institutionellen, also Banken, Pensionsfonds und Versicherungen, haben großes Nachholpotential.

Im Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre verkauften die pro Quartal mehr als 5 Tonnen Gold – von Akkumulation keine Spur trotz vergleichsweise günstiger Preise. Die kaufen jetzt prozyklisch nach.

Gleichzeitig sind die Minen nicht in der Lage, auf die steigenden Preisen mit einer Ausweitung der Produktion zu reagieren. Im Gegenteil: Das Angebot der Minen schrumpft tendenziell. Wenn Sie noch nicht investiert sind, sollten Sie langsam mit der Planung für Goldkäufe beginnen. Haben Sie schon Gold, können Sie Rücksetzer für Nachkäufe nutzen. Die Entwicklung von Angebot und Nachfrage macht langfristig steigende Preise wahrscheinlich!

Gold wird in US-Dollar gehandelt. Ein schwacher US-Dollar macht Gold daher beim Kauf für Sie günstig. Sollte der US-Dollar aber nach dem Kauf weiter nachgeben, haben Sie ein Problem. Die Wechselkurs-Effekte könnten steigende Goldpreise auffressen. Steigt der Goldpreis um 10%, während der US-Dollar um 10% nachgibt, haben Sie in Euro überhaupt nichts gewonnen.

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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