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Gold ist der einzige und letzte sichere Hafen

Die weltweiten Konjunkturerwartungen sind gedämpft. In Italiens Bankenwelt rumort es gewaltig, mit fast 20 % aller vergebenen Kredite, die nicht bedient werden. Der Rattenschwanz an Problemen wird immer eindeutiger und offensichtlicher.

Gewöhnlich führt dies dazu, dass Investoren in Scharen Schutz in den Anleihenmärkten suchen, die bekanntlich seit vielen Jahrzehnten kaum Ausfälle beklagen mussten. Auch in diesem Jahr wurden Anleger in Anleihen nicht enttäuscht.

US-Langläufer stiegen seit Jahresbeginn um 12 % und die Bundesanleihen immerhin um 5 %. Die Gewinne bei den Anleihen glichen somit die Minusrenditen aus. Das Spiel geht so lange weiter, wie sich noch Käufer zu höheren Kursen finden.

Schöne neue Welt: höhere Schulden, höhere Defizite

Wie lange dieser Wahnsinn noch anhält, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber ich weiß sicher, dass der Spuk eines Tages enden wird, ja sogar enden muss. Das in Anleihen investierte Geldvermögen liegt nicht bei Milliarden, sondern bei dutzenden Billionen Euro.

Es sind vor allem Versicherungen, Pensionskassen und seit einigen Jahren die Zentralbanken selbst, die immer mehr Staatsanleihen kaufen und sich nicht mehr um die erzielten Minusrenditen scheren.

So lange nur am Jahresende ein mickriger Kursgewinn von 1-5 % in den Büchern steht, kann es ihnen buchhalterisch zunächst egal sein. Zum Rückzahlungstermin fallen alle Anleihen wieder auf den Nominalwert.

Aber wer weiß, vielleicht finden sich auch dafür kreative Lösungen. Der Staat könnte die Anleihen mit Nullkupon-Zins ja gleich zum Start über Pari ausgeben. Für eine Anleihe mit 100 Nominalwert würde er einfach 110 einnehmen und bräuchte dennoch nur 100 zurückzubezahlen.

Das alles führt zu dem paradoxen Effekt, dass höhere Defizite und Staatsschuldenfinanzierungen immer höhere Gewinne in die Staatskasse schaufeln. Ist das eine schöne neue Welt?

Alle Staatsanleihen in den Ländern Deutschland, Japan und Schweiz weisen Minus-Renditen auf und dies bis mindestens zu einer Laufzeit von 10 Jahren.

Bitcoins steigen

Sie merken schon: Im Gegensatz zu den „Volkswirten“ traue ich dem ganzen Schmu längst nicht mehr. Damit bin ich längst nicht allein. Sie brauchen nur einmal einen Blick auf die Wertentwicklung bei Bitcoins zu werfen, der bekanntesten elektronischen Alternativwährung. Allein seit Juni stieg der Wert der Bitcoins um 50 %.

RSD27.07.

Für mich ist die Währung Bitcoin neben Gold und Silber der wichtigste Indikator, der anzeigt, wie groß der Wunsch nach Staatsgeld-Alternativen mittlerweile geworden ist.

Bitcoins vergleichbar mit Gold

Allen voran in Venezuela: Dort gibt es in diesem Jahr mehr als 700 % Inflation zu beklagen, vor den Supermärkten bilden sich lange Schlangen und es lohnt sich für einen Venezolaner finanziell überhaupt nicht mehr, zur Arbeit zu gehen. In Venezuela sind Bitcoins illegal und der Geheimdienst verhaftet deshalb sogar die Bürger.

Bitcoin wird von der venezolanischen Regierung als eine Möglichkeit zur Steuerhinterziehung und Geldwäsche bezeichnet, die der Wirtschaft schadet. Ebenfalls wird behauptet, dass nur Kriminelle und Terroristen die Hauptakteure von Bitcoin seien. Dieser Aussage widerspreche ich vehement. Selbst für viele Großbanken sind Bitcoins vergleichbar mit Gold.

Bitcoin = Transferwährung

Allerdings ist die Handhabung für einen Techniklaien nicht ganz so leicht. Wenn Sie nicht aufpassen, können Sie sehr schnell Ihre „elektronische Bitcoin-Börse“ verlieren. Bitcoins sehe ich darum eher als kurzfristige Transferwährung, deren Preis sich über kurz oder lang ebenfalls am Goldpreis orientieren wird.

Schon allein wegen des unterschiedlich großen Handelsvolumens. Jährlich werden Bitcoins im Umfang von 300 Mio. US-Dollar „erschaffen“, der Bestand aller 15 Mio. Bitcoins hat einen Wert von 9 Mrd. US-Dollar. Im Vergleich dazu besitzt das jährlich geförderte Gold einen Wert von 120 Mrd. US-Dollar  und alles vorhandene Gold der Welt rund 3 Billionen US-Dollar.

Bitcoin hat einige große Ähnlichkeiten mit Gold. Die wichtigste Parallelen: Bitcoin werden dezentral erzeugt, sie sind global, der Besitz ist steuerfrei, der Transfer kann nicht überwacht werden und der für mich wichtigste Punkt: Es werden immer nur so viele Bitcoin verbucht wie tatsächlich vorhanden sind.

Fazit: der letzte sichere Hafen bleibt aber Gold

Bitcoins haben gegenüber Gold den großen Nachteil, dass sie keinen Substanzwert besitzen und die Akzeptanz einzig und allein auf der gewachsenen Entwicklung der letzten fünf Jahre beruht, in der sich die Bitcoins gegenüber anderen Alternativen im Internet durchgesetzt haben.

Der sicherste und vermutlich letzte offene Hafen für das ausufernde Kreditgeld bleibt für mich Gold und Silber.

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Über den Autor André Doerk

André Doerk ist Chefanalyst des Rohstoff Investors und des Global Highflyer Investors. Der Berliner Finanz- und Börsenspezialist reist regelmäßig zwischen den verschiedenen Finanzzentren der Welt.

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