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Deutsche Goldreserven: Was Sie darüber wissen müssen

Deutschland hat nach den USA die größten Goldreserven der Welt. Mehr als 270.000 Goldbarren mit einem Wert von über 100 Milliarden Euro lagern nicht nur in Frankfurt, sondern auch in London und New York. Doch wofür braucht Deutschland so viel Gold und wieso wird es nicht komplett im eigenen Land gelagert?

Entwicklung der deutschen Goldreserven

Gold gilt weltweit als anerkanntes Zahlungsmittel und ist auch während Wirtschafts- und Finanzkrisen weitgehend stabil. Einer der Gründe, warum sich im Juli 1944 zahlreiche Staaten dem Bretton-Woods-System angeschlossen haben. Dadurch sollte Europa als Wirtschaftszentrum stabiler werden. Damit einher gingen außerdem ein Golddevisenstandard mit festen Wechselkursen und die Verpflichtung der US-Notenbank FED, die Dollarreserven jedes Mitgliedsstaates in Gold zu tauschen.

1952 trat Deutschland dem Bretton-Woods-System bei. Durch die Wirtschaftswunderjahre konnte das Land bis 1958 bereits über 2.000 Tonnen Gold einlagern. In den 1970er Jahren pendelten sich die Goldreserven auf circa 3.700 Tonnen ein und haben sich mit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems nur noch geringfügig verändert. Es wird lediglich ein Teil der Deutschen Goldreserven zur Prägung von Gedenkmünzen gebraucht.

Lagerorte des Goldes im Ausland

Der Deutsche Goldbestand wird seither nicht nur im eigenen Land gelagert. Grund dafür war der Kalte Krieg. Man erhoffte sich, im Krisenfall das Gold so direkt in die entsprechende Währung umtauschen zu können. Somit wurde das Gold in den USA, England und Frankreich untergebracht. Seit der Euro-Einführung ist dieses Argument jedoch für den Standort in Frankreich hinfällig. Bei einer Währungskrise könne man in Paris aufgrund der gemeinsamen Währung keine Devisen erhalten.

Ab 2012 gab es vermehrt Debatten über die Sicherheit des deutschen Goldes im Ausland. Im Mai 2012 bildete sich sogar die Bürgerinitiative „Holt unser Gold heim!“. 15.000 Menschen haben dafür unterschrieben, dass die Goldreserven zurück nach Deutschland geholt werden sollen.

Rückholung der Goldreserven

Die Bundesbank reagiert darauf 2013 mit der Rückholung des Goldes. Bis 2020 sollen 300 Tonnen Gold aus dem Bestand der US-Notenbank FED in New York sowie die gesamten 374 Tonnen aus der Banque de France in Paris auf streng geheimen Wegen nach Frankfurt gebracht werden. Diese Rückholung wird vermutlich schon 2017 abgeschlossen.

Danach lagern dann in New York anstatt 45% nur noch 37% der Deutschen Goldreserven. Der Umfang der Goldreserven in Frankfurt steigt von 31% auf 50% an. Lediglich die bei der Bank of England in London gelagerten 13% bleiben unverändert.

Eine Sicherheitsfirma ließ einen Teil des Goldes einschmelzen, um den London Gold Delivery Standard zu erreichen. Dieser sieht vor, dass die Barren in einheitlicher Größe und Reinheit zur Verfügung stehen. Dadurch ist jedoch nicht mehr erkennbar, ob es sich bei den zurückgeholten Barren tatsächlich um die einst eingelagerten handelt.

Goldreserven anderer Länder

Deutschland ist nicht das einzige Land mit Goldreserven, jedoch mit 3.378 Tonnen Gold (Stand: Dezember 2016) an zweiter Stelle hinter den USA das Land mit den höchsten Goldreserven. Die Vereinigten Staaten lagern weltweit mit rund 8.134 Tonnen das meiste Gold ein. An dritter Stelle hinter Deutschland folgt Italien mit 2.452 Tonnen Gold. Danach kommen Frankreich und China mit 2.436 Tonnen und 1.843 Tonnen Gold.

Fazit: Gold für Krisenzeiten

Sollte es also in naher Zukunft zu einer Währungs- oder Wirtschaftskrise kommen, geht es den Deutschen Goldreserven an den Kragen. Aber dafür sind die über 3.000 Tonnen Gold schließlich da. In Krisenzeiten kann der Goldbestand verkauft oder verpfändet werden – egal, ob das Gold in New York, London oder Frankfurt liegt. Mit dieser Goldstrategie ist Deutschland nicht alleine. Auch andere Länder wie Italien, China oder Frankreich haben eingelagerte Goldreserven.

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