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Alarmierende Zustände an der COMEX: Wo ist das Gold?

Ein Blick auf die Goldvorräte an der US-Terminbörse COMEX:

Schließlich ist es von großem Interesse, wie viel Gold denn überhaupt noch vorhanden ist, um die offenen Goldkontrakte bei physischem Auslieferungswunsch zu erfüllen.

Diese Zahlen waren vor einem Jahr schon verwunderlich. Inzwischen sind Sie alarmierend. Höchste Zeit, einen erneuten Blick auf die aktuellen Bestände zu werfen.

175 „Eigentümer“ teilen sich derzeit eine Unze

An der COMEX gibt es zwei verschiedene Lagertypen für Gold. „Registered Gold“ auf der einen Seite, „Eligible Gold“ auf der anderen. „Registered Gold“ sind die Vorräte, die bei der Comex eingelagert sind und tatsächlich zur Erfüllung von Terminkontrakten zur Verfügung stehen.

In der Kategorie „Eligible“ erfüllen die Vorräte zwar die Vorgaben der Börse hinsichtlich Standards (Größe, Form) und Reinheit, sowie Zertifizierung, sie sind aber nicht für die Erfüllung von Terminkontrakten vorgesehen.

Sie sind also einfach nur bei der COMEX eingelagert. Vielleicht werden Sie zu einem späteren Zeitpunkt in die „Registered“-Kategorie umgelagert, aber sicher ist das nicht.

Aktuell befinden sich in der „Registered“-Kategorie gerade einmal gut 244.000 Unzen in den Lagern der Comex. Aus derzeit offenen Future-Kontrakten besteht aber ein theoretischer Anspruch auf Auslieferung von 42,8 Mio. Unzen! Dies bedeutet, dass derzeit auf 175 beanspruchte Unzen nur eine echte Goldunze kommt…

In dem folgenden Chart (eine Woche alt, vor einer Woche war das Verhältnis noch dramatischer!) wird deutlich, dass die Lagervorräte nicht immer so knapp waren. Erst seit 2015 entsteht hier ein immer dringlicheres Kapazitätsproblem:

Comex

Knallt es bald an der Comex?

Die große Frage ist, was wir aus diesen Zahlen als Schlussfolgerung ziehen sollen. Theoretisch könnte ein Teil der geeigneten Goldunzen („Eligible“) über Nacht umgewidmet werden, um so Lieferforderungen zu bedienen. Dann wäre das Verhältnis zwar weniger dramatisch, aber auch 6,3 Mio. Unzen in der „Eligible“ Kategorie können nur einen Teil der Ansprüche befriedigen.

Das Kölsche Motte „Et hätt noch immer jot jejange“ scheint auch im Goldmarkt zu gelten, denn bisher gab es keine Auslieferungsprobleme – zumindest keine öffentlich bekannten. Doch langfristig ist ein immer geringerer Bestand an lieferfähigem Gold ein unkalkulierbares Risiko.

244.000 Unzen haben gerade einmal einen Gegenwert von knapp 300 Mio. US$. Wenn jemand der COMEX Probleme bereiten möchte, kann er aktuell den Goldmarkt zu sehr überschaubaren Kosten durcheinanderwirbeln…

Ein bald rasch ansteigender Goldpreis aufgrund von COMEX-Problemen lässt sich aus den aktuellen Lieferzahlen nicht herleiten. Der Zustand kann auch durchaus noch eine längere Zeit so anhalten, ohne dass etwas passiert.

Sie persönlich sollten aber zumindest eine Lehre aus dem heutigen Artikel gezogen haben: Papiergold – also die meisten ETFs, Goldzertifikate usw. – sind im Ernstfall nicht das Papier wert, auf dem Ihr Anspruch gedruckt wurde.

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Über den Autor André Doerk

André Doerk ist Chefanalyst des Rohstoff Investors und des Global Highflyer Investors. Der Berliner Finanz- und Börsenspezialist reist regelmäßig zwischen den verschiedenen Finanzzentren der Welt.

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