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Gold und Silber: Die Nachfrage explodiert förmlich

Das World Gold Council und das Silver Institute warten mit hoch interessanten Fakten über den physischen Edelmetallmarkt auf. Nach den neusten Daten zeichnet sich ein veritabler Nachfrage-Überhang ab. Sind die Lager erst einmal leer, geht der Preis durch die Decke.

Die kürzlich veröffentlichten Daten des World Gold Councils haben es in sich. Im 1. Quartal 2016 stieg die Nachfrage nach physischem Gold gegenüber dem Vorjahresquartal um 21%. Wir haben damit das beste 1. Quartal aller Zeiten hinter uns. Und das ganze am Korrekturtief. Seit 2011 fiel der Preis und drehte genau im 1. Quartal 2016 wieder nach oben.

Dabei waren es nicht Juweliere oder die Industrie, die für einen Nachfrageschub sorgten. Im Gegenteil. Beide großen Nachfrager kauften weniger Gold. Auch Zentralbanken fragten weniger Gold nach als vor einem Jahr.

Was allerdings in rauen Mengen nachgefragt wurde, waren physisch besicherte ETF. Also die besonders schnell und günstig handelbaren börsennotierten Goldfonds, die für jeden verkauften Fondsanteil Gold einkaufen.

Deren Absatz explodierte geradezu. Fast 340 Tonnen mehr als im 1. Quartal 2015 wurden von den ETFs nachgefragt. Bei Goldmünzen und -barren hingegen ging es nur um magere 1,7 Tonnen nach oben.

Die Nachfrage beim Gold ist wieder höher als das Angebot – damit steigen die Preise

Insgesamt ergibt sich so ein Nachfrageanstieg um volle 219,4 Tonnen. Es ist nicht nur das beste 1. Quartal aller Zeiten gewesen, sondern auch das zweitbeste Quartal überhaupt.

Während die Nachfrage um 21% in die Höhe schoss, blieb das Angebot weit zurück. Die Goldminen konnten ihren Output nur um 8% steigern. Die Recyclingbetriebe lieferten sogar 1% weniger als vor einem Jahr. Insgesamt ergibt sich trotzdem ein nahezu ausgeglichener Markt. Angebot und Nachfrage waren im Gleichgewicht.

Das sind tolle Nachrichten. Denn noch vor einem Jahr gab es einen extremen Angebotsüberschuss, der die Lagerbestände in die Höhe schnellen ließ. Im vergangenen Quartal wurden jedoch Lagerbestände abgebaut.

Bei weiter steigender Nachfrage haben wir schon im 2. Quartal wahrscheinlich eine Unterversorgung mit Gold, die die Bestände schnell abschmelzen lässt. Sind die Lager erst einmal leer, explodiert der Preis. Denn nur steigende Preise können dann noch Angebot und Nachfrage in Übereinstimmung bringen.

Gold-ETF werden so gut nachgefragt wie seit 2009 nicht mehr

Beeindruckend ist der Nachfrageanstieg bei den ETFs. ETFs standen 2013, 2014 und 2015 auf der Verkäuferseite. In nur einem Quartal wurde nun mehr Gold von ETF nachgefragt, als 2014 und 2015 zusammen von allen ETFs verkauft wurde.

ETFs werden gern von institutionellen Großanlegern gekauft. Die haben offensichtlich ihre bearish-negative Stimmung komplett abgelegt. Seit 2009 wurde nicht mehr so viel Gold in einem Quartal von ETFs gekauft wie im abgelaufenen.

Die Gold- und Silberpreise müssen steigen – das ist simple Mathematik

Das sind tolle Nachrichten für Goldinvestoren. Dass die Minen ihr Angebot steigern werden, ist nicht zu erwarten. In den mageren Jahren mit Preisrückgängen wurden die Investitionen zurückgefahren.

Es werden kaum noch neue Lagerstätten erkundet, die man in Produktion bringen könnte. Zudem wird der zeitliche Abstand zwischen Entdeckung neuer Erzadern und deren Ausbeutung immer länger. Deutlich mehr als ein Jahrzehnt liegt zwischen beiden Ereignissen.

Heute gefundene Erzadern würden also erst weit im kommenden Jahrzehnt ausgebeutet werden. Angebotszuwächse der Minen sind daher nicht zu erwarten, selbst wenn der Preis stark steigt. Steigende Preise müssen also für einen Drosselung der Nachfrage sorgen, um Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten.

Beim Silber ist der Nachfrage-Überhang noch viel größer als beim Gold

Das Silver Institute befasste sich noch mit dem Jahr 2015. In diesem Jahr wurde so viel Silber nachgefragt wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Es wurden 1,17 Milliarden Unzen Silber nachgefragt, aber nur 1,04 Milliarden produziert. Dieser Nachfrage-Überhang brachte die Trendwende beim Silber.

Ein Nachfrage-Überhang ist solange kein Problem, wie genügend Lagerbestände zur Verfügung stehen. So wurden auch 2015 mehr als 112 Millionen Unzen Lagerbestände abgebaut und damit die Nachfrage ausgeglichen. Doch klar ist, dass Lagerbestände nicht ewig halten. Schon 2014 mussten 71 Millionen Unzen aus Lagern entnommen werden, um die Nachfrage zu decken.

2015 stieg nun die Nachfrage, während das Angebot sank. Die Minen schafften es noch, eine kleine Produktionssteigerung zu erzielen. Aus dem Recyclingbereich wurde jedoch ein Einbruch des Angebots gemeldet. In Summe lieferten die Recyclingbetriebe 22,2 Millionen Unzen weniger als im Vorjahr, während die Minen 18,4 Millionen Unzen mehr produzierten.

Die Lager leeren sich – bald müssen Produktion und Nachfrage beim Silber ausgeglichen werden… durch steigende Preise

Das ist eine bedrohliche Entwicklung. Denn genauso wie die Goldminen haben die Silberminen ein Problem. Die Produktion kann nicht schnell ausgeweitet werden, sondern dauert im Schnitt deutlich länger als ein Jahrzehnt.

Die Nachfrage jedoch, die steigt weiter. Dazu kommt, dass 70-80% des geförderten Silbers gar nicht aus Silberminen stammt, sondern sozusagen als Abfallprodukt der Kupfer-, Zinn-, Zink- und Goldminen abfällt. Die steigern ihre Produktion aber nicht, nur weil der Silberpreis anzieht.

Und die Lagerbestände neigen sich dem Ende zu. Seit mehr als 30 Jahren wird ein kontinuierlich bestehendes Angebotsdefizit aus Lagerbeständen ausgeglichen. Allein zwischen 2004 und 2015 wurden den Lagern rund 1,3 Milliarden Unzen entnommen – mehr als eine komplette Jahresnachfrage. Irgendwann ist Schluss – und dieses Irgendwann könnte jetzt sein.

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Über den Autor Thomas Kallwass

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