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Der weltweite Kampf ums Wasser wird sich verschärfen

Frau Wen Li ist sehr stolz. Sie ist die Leiterin der Investmentabteilung der Stadtverwaltung von Shenzhen. Vor 30 Jahren war Shenzhen noch ein kleines Fischerstädchen mit gerade einmal 20.000 Einwohnern.

Daraus ist eine Hightech-Metropole mit über 13 Millionen Einwohnern geworden. Vier Jahre nach Maos Tod entstand hier die erste Sonderwirtschaftszone Chinas. „Shenzhen ist weiterhin ein Testfeld für China, immer gut für Überraschungen und Innovationen“, erklärt mir Wen Li im Gespräch.

Zähneputzen mit Leitungswasser auch im Luxushotel zu gefährlich

Vorsichtig stelle ich die Frage, ob sie denn heute noch alles so umsetzen und entscheiden würde wie vor 10 Jahren. Damit wollte ich ihr eigentlich die Chance geben, mögliche Fehlentwicklungen bzw. Probleme von selbst anzusprechen.

Doch von Wen Li erhalte ich ein klares „Ja“ als Antwort. Sie verweist wiederholt auf die Pilotfunktion der Millionen-Stadt und die unglaublich dynamische Entwicklung.

Dann möchte ich aber doch wissen, ob diese dynamische Entwicklung nicht auch ihren Preis hat. In dem 5-Sterne-Luxus-Hotel, in dem ich in Shenzhen untergebracht bin, ist mir zum Beispiel aufgefallen: Zum Zähneputzen wird mir jeden Tag extra Mineralwasser bereitgestellt.

Wer zahlt den Preis für „unglaubliche“ Entwicklung?

Ich erkundige mich bei meiner chinesischen Dolmetscherin, die mich zu den Gesprächsterminen begleitet (Englisch ist selbst bei Führungskräften eher die Ausnahme).

Natürlich nehme sie für sich und ihre Familie das Leitungswasser der Millionen-Metropole Shenzhen auch zum Trinken und Zähneputzen, versichert mir die junge Chinesin selbstbewusst.

Auch in Chinas Vorzeige-Metropole muss das Wasser abgekocht werden

Aber warum dann die Vorsichtsmaßnahme im Hotel? Ich frage noch einmal nach, und siehe da: Auf einmal gibt sie zu, dass sie das Wasser für sich und ihre Familie doch abkocht, weil es eben zu gefährlich ist.

Das ist eine bittere Erkenntnis: Eine der wohlhabendsten Provinzen Chinas, die noch immer stolz darauf ist, Vorzeigeprovinz mit Pilotfunktion zu sein, leistet sich offensichtlich eine miese Trinkwasser-Qualität.

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Über den Autor
Volkmar Michler

Volkmar Michler, Jahrgang 1964, ist langjähriger Leiter der deutschen Trader-Redaktion. Er studierte Jura, Politik und Geschichte und absolvierte ein betriebs- und volkswirtschaftliche Zusatzausbildung.

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