MenüMenü

Brexit-Schock: Was machen die Rohstoffpreise?

Die Ölpreise bewegten sich in der vergangenen Woche hauptsächlich im Zeichen der Abstimmung über das Verlassen der EU in Großbritannien.

So konnten die Ölpreise noch im Vorfeld der Brexit-Abstimmung Zugewinne verbuchen, gerieten aber am Freitag nach Bekanntgabe des Ergebnisses massiv unter Druck. Dass die Briten mehrheitlich für einen Ausstieg aus der EU gestimmt haben führt zu großer Verunsicherung an den Märkten und dementsprechenden Verlusten.

Fundamental dagegen spricht die aktuelle Lage aber eher für eine Unterstützung der Preise. So sind die aktiven Ölbohrungen in den USA in der letzten Woche zum ersten Mal seit 4 Wochen wieder zurückgegangen. Und auch die US-Rohölproduktion sank in der vorvergangenen Woche weiter. Wie das US-Energieministerium berichtete sank diese um weitere 39.000 Barrel auf 8,677 Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht dem 14.Rückgang in den vergangenen 15 Wochen und dem niedrigsten Produktionsniveau seit September 2014.

Allerdings berichtete das US-Energieministerium auch von einem Aufbau der Benzin- und Destillatsbestände in der vorvergangenen Woche. Und auch der Rückgang der US-Rohölbestände fiel mit 917.000 Barrel geringer aus als erwartet. Doch der wichtigste Grund dafür dürften die deutlich höheren Rohölimporte sein.

In Nigeria ist die Ölproduktion aufgrund der fortdauernden Anschläge auf Pipelines mittlerweile auf das niedrigste Niveau seit 20 Jahren gesunken. Die Produktionsausfälle erreichten im Mai bereits ein Rekordniveau von 3,6 Millionen Barrel pro Tag. Und von einer Einigung der Rebellen auf einen Waffenstillstand mit der Regierung ist man in Nigeria weit entfernt.

Und auch in Norwegen drohen im Juni Produktionsausfälle aufgrund von Instandhaltungsmaßnahmen. Außerdem besteht die Gefahr von Streiks.

Brent zur Lieferung im August handelt aktuell bei 47,08 US-Dollar pro Barrel an der ICE. WTI zur Lieferung im August notiert derzeit bei 46,21 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

1RSD28.06.

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

So lange der Brexit-Schock anhält dürften die Rohölpreise, auch trotz gegenwärtiger Unterversorgung, eher auf der Stelle treten. Abhängig davon, welche Nachwehen das Brexit-Votum der Briten auf Europa und den Rest der Welt haben wird, werden sich auch die mittel- bis längerfristigen Aussichten der Ölpreise gestalten.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis ging natürlich als strahlender Sieger aus der Brexit-Krise in der vergangenen Woche hervor und stieg in der Spitze bis auf 1.340 US-Dollar pro Feinunze. In Euro legte der Goldpreis mit +13% sogar noch stärker zu auf ein Hoch bei 1.245 Euro pro Feinunze. In britischen Pfund sprang der Goldpreis am Freitag sogar um fast 19% auf 1.000 GBP nach oben und damit auf den höchsten Stand seit über 3 Jahren.

Hier drückt sich die massive Verunsicherung an den Märkten aus, welche zu einer regelrechten Flucht in Sichere Häfen wie Gold führt.

Erwartungsgemäß verbuchten auch die Gold-ETFs deutliche Zuflüsse. Die von Bloomberg beobachtetet ETFs verbuchten alleine am Freitag Zuflüsse in Höhe von 17,5 Tonnen. Das entspricht dem stärksten Zufluss seit Anfang Mai.

Gold handelt aktuell bei 1.321,80 US-Dollar pro Feinunze.

Goldpreis in USD/Feinunze in der letzten Woche

2RSD28.06.

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Goldpreis dürfte angesichts der fortdauernden Unsicherheit auch weiterhin Unterstützung erhalten.

Industriemetalle: Kupfer

Auch die Industriemetalle blieben vor dem Brexit nicht verschont. Allerdings erwiesen sich die Auswirkungen in den meisten Fällen als kurzlebig. Viele Metallpreise begannen schon am späten Freitag wieder damit, ihre Verluste aufzuholen. Offenbar spekulieren einige Marktteilnehmer schon darauf, dass in China bald weitere geldpolitische Maßnahmen ergriffen werden, um den Auswirkungen des Brexit entgegen zu wirken.

Kupfer erhält aber auch Unterstützung von fundamentaler Seite. Wie die International Copper Study Group in der vergangenen Woche bekannt gab, lag der globale Kupfermarkt im 1.Quartal mit 43.000 Tonnen im Defizit. Zum gleichen Zeitraum des Vorjahres wies der Markt noch einen Überschuss von 75.000 Tonnen auf.

Es zeigt sich, dass die Produktionsrückgänge und Projektschließungen welche noch im vergangenen Jahr an vielen Standorten der globalen Kupferminenindustrie aus Kostengründen beschlossen wurden, nun erste Resultate im Markt nach sich ziehen.

Kupfer handelt aktuell bei 2,12 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.

Kupferpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

3RSD28.06.

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Kupferpreis dürfte vorerst weiterhin Unterstützung finden, angesichts der fundamentalen Ausgangslage.

Agrarrohstoffe: Zucker

Auch die Agrarrohstoffpreise reagierten auf den Brexit. Während die meisten Preise aufgrund des starken US-Dollar abgeben musste, legte dagegen in London gehandelter Kakao deutlich zu. aufgrund der Pfund-Schwäche.

Dort wo die fundamentale Ausgangslage generell für höhere Preise spricht, wurden die Brexit-Verluste vom Freitag inzwischen allerdings fast vollständig wieder aufgeholt.

Der Zuckerpreis profitiert dabei nach wie vor von den Erwartungen an eine weitere schwache Ernte. Dazu passen auch die neusten Meldungen aus Brasilien. Wie der Bundesstaat Parana bekannt gab, erwartet man für die Zuckerrohrernte einen Einbruch von 800.000 Tonnen aufgrund von Frostschäden. Parana ist der fünftgrößte Zuckerrohrproduzent Brasiliens.

Zucker zur Lieferung im Oktober handelt aktuell bei 19,76 US-Cent pro Pfund an der ICE.

Zuckerpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

4RSD28.06.

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Zuckerpreis dürfte weiterhin gut unterstützt bleiben.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

Regelmäßig Analysen über Rohstoffe erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Miriam Kraus. Über 344.000 Leser können nicht irren.