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Zeichen für imperiale Überdehnung

von Bill Bonner

John Quincy Adams sagte 1821 in seiner Rede zum Amerikanischen Unabhängigkeitstag: „Amerika sucht im Ausland keine Monster, um sie zu zerstören. Amerika wünscht allen Frieden und Freiheit. Aber dafür setzt sich Amerika (nur) bei sich selbst ein.“

Aber am Ende des nächsten Jahrhunderts bemerkte Bill Clinton: „Es liegt eindeutig in unseren Möglichkeiten … Milliarden und Milliarden von Menschen rund um die Welt in die globale Mittelklasse zu erheben.“ Wie das der größte Schuldner der Welt schaffen würde, war nicht so eindeutig. Aber der Mob der Wähler stellte genauso wie die Masse der Kleinanleger nur wenige Fragen. Drei Jahre später war Amerika dabei, überall auf dem Globus Monster zu jagen. Die Absurdität dieses Projekts schien völlig unbemerkt zu bleiben.

Der allgemeine Glaube, dass der amerikanische Weg eine Art von historischer Endgültigkeit repräsentierte, nahm zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine nicht unerwartete Drehung. Diese Wendung wurde nach den Anschlägen vom 11. September mit dem Wort „Homeland“ – Heimatland – signalisiert. Plötzlich war Amerika über seine Grenzen hinaus gewachsen; das Imperium war dabei, sich zu überdehnen. Die Natur mag weder ein Vakuum noch ein Monopol. Sie verabscheut Spekulationsblasen aller Art. Nachdem eine Position der globalen Dominanz erreicht war – also eine Art Spekulationsblase –, begannen die amerikanischen Politiker, nach einer Nadel zu suchen.

„Wir müssen diese Sache durchziehen“, sagte ein Diskussionsteilnehmer bei einer Konferenz in Las Vegas, die von der „Foundation for Economic Education“ organisiert worden war. Dieser Mann sagte etwas, das durchaus die Mehrheitsmeinung hätte sein können: “ Die USA sollten Präventivschläge durchführen, gegen den Irak … Syrien … und sogar China!“

Die Logik war solide. Diese Länder würden den USA vielleicht Schaden zufügen wollen. Die USA hatten die Macht, sie zu stoppen. Was stand den USA im Weg? Nicht viel.

Gary North erklärt dazu: „1899 hatten die USA begonnen, Schritt für Schritt Europa im teuren, riskanten Geschäft der Imperien abzulösen. Die amerikanische Flugzeugträgerflotte patrouilliert durch die Weltmeere. Jetzt sind wir (die USA) das erste Ziel für Hassausbrüche.“

Es gab einmal eine Zeit, in der die US-Industrie robust produzierte und die Nation einen Überschuss in der Leistungsbilanz hatte. Diese Zeiten sind lange vorbei. Jetzt ist es das Ausland, das produziert, und jede amerikanische Stadt und jede Farm nimmt diese Produkte gerne an.

Die Amerikaner kaufen rund 60 % der gesamten Exporte der Welt! Die amerikanischen Konsumenten geben nicht nur weiterhin mehr aus, als sie sich leisten können … auch die Regierung begann, große Defizite zu machen, die finanziert werden mussten. Wie lange noch, so konnte man sich vernünftigerweise gefragt haben, würden die Ausländer noch dazu bereit sein, den amerikanischen Konsum zu finanzieren? Was würde passieren, wenn sie damit aufhören würden?

Ausländische Autoren – besonders Emmanuel Todd in seinem Buch „Après l’Empire“ – haben bereits damit begonnen, das Finanzieren der Lücken in den amerikanischen Bilanzen durch das Ausland als eine Form des „imperialen Tributs“ zu bezeichnen. Das Problem war laut Todd, dass dies zerbrechlich war; die Ausländer könnten jederzeit, wann sie es wollten, damit aufhören.

Das ganze System der Spekulationsblase der späten 1990er war zum Scheitern verurteilt. Die Struktur wurde immer schwächer und immer verletzlicher, je stärker sie wuchs. Die Konsumentenschulden wuchsen. Das Leistungsbilanzdefizit vergrößerte sich. Die Ersparnisse schrumpften. Die Investitionen – eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftlichen Fortschritt – schrumpften zusammen. Und je erfolgreicher Alan Greenspan damit war, das alles zu verlängern, desto größer würde der spätere strukturelle Kollaps werden.

Jede Blase findet irgendwann ihre Nadel. Egal, ob es eine Blase der politischen Macht oder eine Spekulationsblase am Baumwollmarkt ist, diese Blase wird so lange expandieren, bis früher oder später etwas passiert, dass die Luft herauslässt. Das kann mit einem Knall oder mit einem Wimmern geschehen. Oder manchmal mit beidem. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es zwei mögliche Nadeln für Amerika: Zunächst einmal den wimmernden Dollar, und dann die Kosten des Imperiums.

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