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Werden die US-Konjunkturdaten geschönt?

Nirgends zeigt sich das Scheitern der Geldpolitik der Zentralbanken deutlicher als derzeit in den USA. Im Herbst 2014 wurde „die Zinswende“ groß angekündigt. Jedoch konnte man sich erst im Dezember 2015 zu einem Mini-Zinsschritt durchringen, weil das schwache US-Wachstum einfach nicht mehr hergab.

Kaum gingen die Märkte in den letzten Monaten jedoch (völlig zu Recht) davon aus, dass weitere Zinserhöhungen auf die lange Bank geschoben werden müssen, setzte ein verbales Trommelfeuer der US-Notenbank ein.

Grundtenor: man werde „wahrscheinlich“ an zwei bis drei Zinsschritten in diesem Jahr festhalten. Trotz stetig rückläufiger Wachstumsraten (Q2/2015 noch fast 4%, nun gerade noch 0,8%) und in der Summe sehr enttäuschender Wirtschaftsdaten. Sehr irritierend.

Die US-Wirtschaftsdaten haben sich nicht im Geringsten gebessert. Sie zeigen höchstens merkwürdige „Ausreißer“ nach oben, die in den Folgemonaten wieder verschwinden. Wie, um den Markt auf eine falsche Fährte zu locken.

So etwa der Philly Fed Index im März, der Richmond Fed Index im März oder die jüngsten Daten des Absatzes neuer Wohnimmobilien für April, die völlig unerwartet im Monatsvergleich um nahezu unfassbare 16,6 % nach oben schossen.

Bleiben wir beim Richmond Fed Index. Im März sprang dieser noch auf völlig unerklärliche Weise mit einem Riesensatz nach obenauf den höchsten Stand seit 6 Jahren auf ein Niveau deutlich über 20 Punkte.

Bereits im Mai landet er jedoch wieder im negativen Bereich, von wo aus der Sprung einsetzte (Einbruch von zuvor 14 auf -1 Punkt, Prognose +8 Punkte). Hier könnte man die Datenqualität bemängeln oder auf eine geänderte Erfassungsweise schließen (die es nicht gab).

Doch warum gibt es dann solche Ausreißer nur nach oben, nie nach unten? Der Verdacht einer gezielten Datenmanipulation gerade in kritischen Marktphasen drängt sich auf.

Im März ging es darum, ob der S&P 500 nach einer zunächst schwachen Erholung wieder abstürzt oder ob er seine Erholung womöglich bis an die Jahreshochs fortsetzen kann.

Die letztgenannte Marke war vermutlich das Ziel einflussreicher Kreise in den USA, denen freie Märkte offenbar „scheißegal“ sind und die sich als über dem Gesetz stehend betrachten.

Trickst auch Japan bei den Daten?

Doch nicht nur die US-Daten sind fragwürdig. Auch in Japan wird offenbar getrickst, dass sich die Balken biegen. Zuletzt hatte sich die japanischen Exportzahlen ebenso wie die Industrieproduktion monatelang deutlich verschlechtert, was einen Rückfall in die Rezession befürchten ließ.

Letzte Woche kamen die japanischen Wachstumsdaten dann aber völlig überraschend im völligen Bruch mit der davorliegenden Entwicklung und trotz enorm starkem Yen mit „himmlischen“ +1,7% vs. +0,3% (Konsensprognose).

Hier scheint es, als wären die Daten nachträglich der Strategie der japanischen Notenbank angepasst worden zu sein. Die nämlich nur verbal gegen den starken Yen vorging, letztlich aber untätig blieb. Ein starkes BIP-Wachstum macht ja keine Eingriffe in den Devisenmarkt nötig.

Aber die Merkwürdigkeiten gehen noch weiter. Trotz der plötzlichen Kehrtwende der Daten samt „überraschend guter“ Entwicklung aus dem Nichts soll nun doch plötzlich ein Konjunkturprogramm aufgelegt werden: http://www.bloomberg.com/news/articles/2016-05-28/japan-s-abe-plans-up-to-90-7-billion-in-stimulus-nikkei-says.

Offenbar traut man den eigenen Daten nicht, weil man weiß, wie diese plötzliche Wende zustande kam?

Merkwürdige Daten vor wichtigen Wahlen – alles Zufall?

Zu den beiden oben genannten Merkwürdigkeiten sollten Sie noch Folgendes wissen. In den USA finden im November 2016 Präsidentschaftswahlen statt. Der einzige Kandidat, der nicht vom Geld des herrschenden Establishments abhängig ist (weil er selbst Milliardär ist) heißt Donald Trump.

Er gilt derzeit als Favorit, obwohl (oder sogar weil?) er regelmäßig von der Mainstreampresse niedergemacht wird. Die Wahl könnte als Denkzettelwahl gegen die herrschenden Eliten enden und deren Machtverlust bedeuten.

Auch in Japan wird in diesem Jahr auf nationaler Ebene gewählt. Hier steht ein Scheitern der lockeren Geld- und Wirtschaftspolitik des Regierungschefs („Abenomics“) im Raum, was ebenfalls zu einer Protestwahl führen könnte.

Ist hier die Ursache für die merkwürdigen Daten Ausreißer zu finden, die ein rosarotes Bild der Wirklichkeit zeigen, welches nicht mit anderen Daten in Einklang steht?

Wird notfalls das Fieberthermometer manipuliert, damit der Wähler vor der Wahl nicht mitbekommt, dass der Patient (die Wirtschaft) schwer erkrankt ist? Schönwetter trotz bedecktem Himmel, das geht.

Was sagt das über den Zustand der jeweiligen Demokratie aus? Und wie verlässlich sind die Daten aus Europa noch? Welchen Marktbewegungen ist noch zu trauen, wenn der Kompass gezielt manipuliert wird? Wie verzweifelt müssen die Machteliten sein, um zu solchen Mitteln zu greifen?

Vielleicht ist jetzt nicht der schlechtestes Zeitpunkt, sich mit physischem Gold gegen alles abzusichern, was da kommen möge.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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