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UK nach dem Brexit-„Gau“: Wachstum zieht an!

In meinem Beitrag am vergangenen Freitag schrieb ich: Eine EU, die nicht einmal mehr ein Freihandelsabkommen auf die Reihe bekommt, hat sich selbst überflüssig gemacht. Und: Die Briten taten gut daran, die EU zu verlassen. Ohne EU sind sie sicher besser dran.

Ich bin mir natürlich bewusst, dass derartige Aussagen genau das Gegenteil dessen sind, was Sie in der gleichgeschalteten Mainstreampresse lesen müssen. Ich habe aber den Vorteil, die Wahrheit auf meiner Seite zu wissen. Ich möchte das gern mit einigen neuen Zahlen belegen:

Erst vor wenigen Tagen wurden Zahlen zum britischen Wirtschaftswachstum gemeldet. Sie erinnern sich: Kurz vor der Brexit-Entscheidung des britischen Volkes wurden Katastrophen-Szenarien herumgereicht, bei denen ein dramatischer Einbruch der Wirtschaftsleistung noch das harmloseste war.

Seltsamerweise kann Großbritannien mehrere Monate nach der Brexit-Entscheidung aber nun eine Wachstumsrate ausweisen, von der die meisten EU-Länder nur träumen können. Im dritten Quartal wuchs die Wirtschaft im Vergleich zum zweiten Quartal 2016 um 0,5 % (Erwartung: 0,3%). Im Vergleich zum Vorjahr wuchs die Wirtschaft um 2,3 %.

Vom britischen Wachstum kann die EU nur träumen

Um die Daten vergleichen zu können, muss man natürlich erst die Wachstumsraten der anderen EU-Länder abwarten, die im Lauf der nächsten Tage veröffentlicht werden (das EU-BIP heute 11:00 Uhr). Frankreich lieferte schon mal am Freitag: +0,2 % (und damit kläglich weniger als UK). Auch Italien, Belgien, Österreich, Dänemark, Finnland, Portugal, Griechenland, Litauen, Estland und Malta dürfte das Königreich locker hinter sich lassen.

Die Jahreswachstumsrate in Großbritannien zeigt hingegen schon seit Ende 2015 einen Aufwärtstrend. Auch nach der Brexit-Entscheidung blieb der befürchtete Knick aus. Und das, obwohl im Juli und August Verbraucher- und Unternehmensvertrauen auf Niveaus fielen, die sonst nur in Rezessionen erreicht werden.

Möglicherweise wurden diese Stimmungsindikatoren aber nur kurzfristig von der Propaganda gedrückt, die den Briten Angst vor den Folgen eines EU-Ausritts machen sollte. Der Weltuntergang blieb aber bekanntlich aus.

UK: Dienstleistungen und Tourismus boomen nach dem Brexit

Ein andere Faktor spielt auch eine wichtige Rolle: Der (eher binnenorientierte) Dienstleistungs-Sektor macht 80 % der britischen Wirtschaft aus. Er zeigte sich äußerst robust und wuchs auch direkt nach der Brexit-Entscheidung unbekümmert weiter, während die für die Gesamtwirtschaft eher unbedeutenden Bereiche Landwirtschaft, Industrie und Bau schrumpften. Unter dem Strich gab es dennoch ein deutliches BIP-Plus.

Hätte man nicht vor den Weltuntergangs-Prognosen wissen könne, dass der britische Dienstleistungssektor von einem Brexit kaum betroffen sein würde? Sicher. Aber wie hätte man den Briten sonst Angst vor dem Brexit machen sollen? Am effektivsten geht das immer noch mit der Drohung vor Wohlstandsverlust.

Gerade im britischen Dienstleistungs-Sektor zeigt sich aber ein Effekt, den kaum ein Ökonom vor dem Brexit auf der Rechnung hatte: Da das Britische Pfund dramatisch eingebrochen ist, boomt der Tourismus ins Vereinigte Königreich. Billigurlaub auf der Insel einmal anders! Der größte Teil des Wachstums der britischen Wirtschaft ging also auf die starke Nachfrage nach Dienstleistungen in Hotellerie und Restaurants zurück.

Effekte durch Pfund-Abwertung nicht dauerhaft, Briten müssen Hausaufgaben machen

Letztlich sehen wir den bekannte Effekt: Eine Währungsabwertung kann die Wirtschaft ankurbeln. Nur auf Dauer kann man sich auf einen solchen Effekt nicht verlassen. Die Briten täten nun gut daran, ihre eigene Freihandelszone (etwa mit Skandinavien) zu forcieren. Dann kann aus dem Brexit ein echtes Erfolgsmodell ohne EU-Bürokratie werden, das nicht mehr auf eine Währungsabwertung angewiesen ist.

Vorschusslorbeeren? Britischer Aktienindex auf Allzeithoch

Dann entsteht womöglich sogar ein neues Investment-Gebiet für unser legendäres DAX Profits Investoren-Depot, welches bislang nahezu ausschließlich auf die besten Erfolgstitel aus den USA angewiesen ist. Der britische Aktienindex nahe frischer Allzeithochs seit dem Brexit sieht schon mal sehr vielversprechend aus. Allerdings nur dann, wenn es keine Währungsabwertung gegeben hätte, die die Kursgewinne für Nichtbriten wieder komplett egalisiert hätte:

FTSE Index Tageschart

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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