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Edward Snowden: Ein realer moderner Held

*** Ich pflege ein Word-Dokument namens „to read“: Eine Liste mit Büchern, welche ich noch lesen möchte. Vergesse ich sonst leicht.

Bis eben stand auf dieser Liste auch„Profiles in Courage“, zu Deutsch „Zivilcourage“, geschrieben 1956 von John F. Kennedy.

Laut Wikipedia beschreibt Kennedy dort Amerikaner, welche gegen ihre früheren Überzeugungen, gegen die Linie ihrer Partei oder gegen die öffentliche Meinung gehandelt haben. Am Beispiel diverser Personen vertritt Kennedy in dem Buch die These, dass dies eine der wichtigsten positiven Eigenschaften für Amerikaner sei. Kennedy bleibt in diesem Buch überparteilich, nennt Republikaner wie Demokraten als Beispiel. Mutiges Handeln aufgrund eigener Ideale, ohne Rücksicht auf persönliche Folgen…

1957 erhielt Kennedy für dieses Buch den Pulitzer-Preis.

Ich habe es eben von meiner Lese-Liste gestrichen. Ich brauche keine historischen Beispiele mehr von Personen, welche Zivilcourage gezeigt haben.

In den Nachrichten haben wir schließlich ein sehr aktuelles Beispiel für einen „American Hero“, einen amerikanischen Helden. Wenn Kennedy noch leben und heute sein Buch aktualisieren würde, könnte er diesen Amerikaner als ein leuchtendes Beispiel mit aufnehmen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass ein Mann wie Kennedy von diesem aktuellen amerikanischen Helden begeistert wäre. Jemand, der für seine Überzeugungen einsteht, aus wahrer Vaterlandsliebe Missstände aufdeckt und dafür massive negative persönliche Folgen in Kauf nimmt.

Von wem ich spreche? Keine Frage: Edward Snowden.

*** Einen interessanten Gedankenaustausch hatte ich mit Trader´s Daily-Leser Johannes L. zum Thema Staatsschulden. So ist er z.B. zum Thema US-Staatsverschuldung dieser Ansicht:

„Die USA sind da geschickter. Durch den Export ihrer Papiere sind enorme Risiken außer Landes. Wenn man betrachtet zu welchen Zeiten die USA ihre Schuldenquote hochfährt, kann man erkennen, dass insbesondere Kriegsanstrengungen über Schulden finanziert werden. Dank der Weltwährung Dollar kann die USA durch breite Streuung neben niedrigen Zinsen auch eine hohe Schuldenaufnahmefähigkeit erreichen ohne je Steuern erhöhen zu müssen. Kriegführen kommt also nicht am Geldbeutel der Bürger an (!), nur mal so am Rande bemerkt. Daneben kann durch Einsatz der FED auch noch das ´Spiel´ gezinkt werden und leere Luft zu echten Staatsausgaben gemacht werden. Um ihre Staatsdefizite zu senken, greift die USA historisch gerne auf die Entwertung des Dollar zurück, um zum einen die Unterschied zwischen Haves und nothaves zu senken und weil eben nur die Hälfte des Effekts im Land überhaupt zu spüren ist. 50% der Schuldensteuern sind vom Bürger fortgehalten (!).“

Meine Antwort:

Diese Thematik kann ich hier nur streifen, da es sich um ein recht komplexes Thema handelt. Tenor des Lesers: Deutschland bedient seine Schulden, indem es seine Bürger vergleichsweise hoch besteuert. Die USA lassen ihre Steuerquote relativ niedrig, und das Ausland finanziert die Schuldenlast mit. Denn wenn z.B. die Hälfte der US-Staatsanleihen im Ausland liegt und dann der Dollar inflationiert wird, ist es ein Problem dieser Ausländer.

Ist das wirklich „geschickter“? Hier verlassen wir den Rahmen der reinen Wirtschaftswissenschaft. Ist das, was aus rein egoistischem Interesse das Beste ist, was aber gleichzeitig Handelspartner und Verbündete schädigt, wirklich erstrebenswert? Ist es andererseits „geschickter“, der ehrliche Dumme zu sein? Die eigenen Bürger vergleichsweise stark zu besteuern, um ehrlich für die eigenen Schulden aufkommen zu können – aber dann noch die Schuldenlast anderer sich selber aufzubürden?

Fragen, auf die ich hier keine eindeutigen Antworten liefere. Eins ist für mich klar: Die gerade skizzierten beiden Fälle behagen mir beide nicht.

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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Alte Kommentare
  • Dr Peter Reichmann schrieb am 03.07.2013, 12:16 Uhr

    Lieber Herr Vaupel, ich kenne den Schreibtisch meines Vaters nur mit einen großen Bild von John F. Kennedy darauf. Und zu Snowdon habe ich die gleiche Meinung wie sie! Aber ist es nicht gerade der amerikanische Präsident der seinen Kopf sehen will. Der angeblich liberale Obama? Ganz Europa regt sich offizell über die amerikanische Bespitzelung auf und gleichzeitig wird die bolivianische Präsidentenmaschine über Europa abgefangen. Die Österreicher haben aber festgestellt er wäre nicht drin. Da ich Halb-Österreicher bin darf ich dazu nun milde lächeln... Was für eine Heuchelei. Herzliche Grüße Dr. Peter Reichmann

  • Helmut Binz schrieb am 03.07.2013, 13:33 Uhr

    Zu Ihrem Beitrag über die Person Edward Snowden möchte ich bemerken:Sie sprechen dies aus was ich in meinem Herzen trage, wie kann man einem solchen Mann,welcher Missstände auf höchster Ebene aufzeigt,als Dank die Türe zumachen. Snowden würde gut in dieses Buch von Kennedy als: Beispiel von Gerechtigkeit passen,ohne Ansehen von Parteien oder Ländern.

  • Andreas Schürholz schrieb am 03.07.2013, 16:12 Uhr

    Fürwahr, Edward Snowden gebührt unser aller Respekt und Anerkennung! Danke, dass Sie diese Ansicht offen vertreten. Hoffe, dass nun bald ein Staat "Zivilcourage" zeigt.