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Anleihen Grüne Anleihen – die neue Zukunftsinvestition?

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von Iris Schuler

Börsendiagramme
© Adobe Stock - NicoElNinog
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Klimaneutralität ist in aller Munde. Das weiß auch die EU und hat deshalb ihre drei Jahre alte Strategie für mehr nachhaltige Finanzanlagen überarbeitet. Die Brüsseler Behörde teilte mit, dass sogenannte „grüne Anleihen“ zum neuen „Goldstandard“ werden sollen. Fakt ist auf jeden Fall, dass grüne Aktien mehr Gewinn bringen.

Jahrzehntelang galten Anlagen in Aktien von Öl-, Gas- und Kohleunternehmen als attraktiv, aber zu Beginn der Corona-Krise bekam die Branche einen Dämpfer. Der Ölpreis rutschte sogar in den negativen Bereich ab. Das heißt: Ölhändler mussten dafür zahlen, dass Investoren ihnen das Öl abnahmen. So etwas hatte es zuvor noch nie gegeben. Seitdem hat sich der Ölpreis wieder erholt, geriet jedoch kürzlich wegen der geplatzten OPEC+ Gespräche wieder unter Druck.

Grün vs. Traditionell: Wer hat die Nase vorn?

Im Vergleich zu Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien waren Öl-, Gas- und Kohleaktien an den Finanzmärkten von 2011 bis 2020 weniger gewinnbringend. Das ergab laut tagesschau.de eine Untersuchung der Londoner Initiative Carbon Tracker, für welche 2360 Wertpapier-Transaktionen bei knapp 450 Investmentbanken ausgewertet wurden. Demnach sank der kollektive Börsenwert der traditionellen Energiekonzerne und verwandter Unternehmen in diesem Zeitraum um 123 Milliarden Dollar. Dennoch wurde im gleichen Zeitraum mit 640 Milliarden Dollar lieber in traditionelle Energien investiert. Im Bereich der erneuerbaren Energien waren es lediglich 56 Milliarden Dollar.

Jetzt zeichnet sich allerdings eine Trendwende ab. Im letzten Jahr brachten die Börsengänge im traditionellen Energiegeschäft lediglich zehn Milliarden Dollar ein und damit rund eine Milliarde Dollar weniger als im Bereich der erneuerbaren Energien.

Die neue Studie von Carbon Tracker zeigt, dass immer mehr Menschen ihr Geld nachhaltig anlegen wollen.

Neue Förderung durch die EU

Die EU-Kommission will auf diesen Zug aufspringen und ab sofort „grüne Anleihen“ fördern, mit denen Firmen Geld für klimafreundliche Investitionen einsammeln.

EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis erklärt auf tagesschau.de, dass bis zum Jahr 2030 in der EU rund 480 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen notwendig seien, um die Klimaneutralität zu erreichen und den Umweltschutz voran zu bringen. Das sei eine große Herausforderung. Die EU und die Mitgliedstaaten könnten das mit öffentlichem Geld allein nicht leisten. Deshalb müsse man dafür auch private Investoren gewinnen.

Dafür geben Unternehmen sogenannte „grüne Anleihen“ an professionelle Investoren und private Kleinanleger heraus, die von der EU gefördert werden. Um Betrug zu vermeiden, will die EU klare Standards festlegen. Wenn Unternehmen also nachhaltige und klimaschonende Investitionen versprechen, müssen diese auch umgesetzt werden. Das sogenannte „Greenwashing“ soll so verhindert werden.

Finanzstabilität in Gefahr

Standards sind laut Maired McGuiness, EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen, wichtig, weil die Finanzierung der Klimaneutralität zu einer Bedrohung für die Stabilität der internationalen Finanzmärkte werden könnte, wenn Projekte mit Milliarden finanziert würden, die eigentlich gar nicht klimafreundlich sind und deshalb zur Fehlinvestition werden.

Grundsätzlich sind „grüne Anleihen“ sicher ein richtiger und wichtiger Ansatz, aber Kritiker monieren, dass nachhaltige Investitionen nicht von allein risikoarm seien. Wenn die EU nur noch diese Anleihen fördern würde, könnte die gesamte Finanzarchitektur in eine gefährliche Schieflage geraten. Dadurch könnten mehr Banken Pleite gehen.

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