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Sinophilie oder Sinophobie?

Wenn man sich ein wenig umhört, dann fällt einem auf, dass die kuriose „Sinophilie“ (oder ist es in Wirklichkeit Sinophobie?), die die meisten Kommentatoren in Bezug auf China aufgebaut haben, analog geht zu der Ehrfurcht, die man zu Beginn der 1990er vor den scheinbar grenzenlosen Aussichten Japans und – zu einem geringerem Maße – dem wiedervereinigten Deutschland hatte.

In beiden Fällen allerdings bewiesen sich entsprechende Befürchtungen als fehl platziert. Die Japaner kauften nicht die ganze Welt auf. Ihre aggressive Übernahmestrategie der späten 1980er erwies sich im Endeffekt als Kapitalflucht aus Tokio – ein frühes Zeichen dafür, dass dem japanischen Bank- und Wirtschaftssystem misstraut wurde.

Deutschland, dessen Wiedervereinigung von den Nachbarn gefürchtet wurde, entwickelte sich nicht zum Zentrum des europäischen Wachstums. Stattdessen – aus einer Perspektive der Cash Flows – erinnert Deutschland nun an eine Kolonie des Ostens. Frankfurt, das einst als atemberaubendes „Mainhattan“ bekannt war, ist jetzt finanziell Hinterland, wie meine Investmentbanker-Kollegen, die nach London ins Exil gegangen sind, mir versichert haben.

 

Sinophilie: Wirtschaftliches Debakel

Ich habe das Gefühl, dass wir China mit einem wirtschaftlichen Debakel kämpfen sehen werden, bevor dieses Jahrzehnt vorüber ist. Der erste Test des chinesischen Systems wird im stattfinden, wenn China für seine privaten Sparer seine Bankwelt dem internationalen Wettbewerb öffnen wird.

Wird der durchschnittliche Chinese weiterhin seine hart verdienten Renminbi den vier großen staatlichen Banken (die in Wirklichkeit fast unerschöpfliche Kreditlinien für Peking sind) anvertrauen? Oder wird er ein oranges Sparbuch eröffnen, bei der freundlichen niederländischen Bank, die versucht, sich ein Stück vom Käse des internationalen Bankings abzuschneiden? Es bleibt spannend.

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Über den Autor Investor Verlag

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