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Indiens Schätze

von Chris Mayer

Es war vermutlich einer der größten Schätze, die je Piraten in die Hände gefallen sind…

Im Frühling des Jahres 1721 hat ein französischer Korsare namens Olivier Levasseur vor der Malabarküste Indiens den Rückzug angetreten und ist dann westlich nach Madagaskar gesegelt. Levasseur war bekannt als „La Buse“ oder „Der Bussard.“

Und er hat tatsächlich eine Augenklappe getragen, um ein verschandeltes Auge zu verbergen. Wie dem auch sei, er hat an der Malabar Küste Verwüstungen angerichtet, bis die British East India Company irgendwann entschieden hat, dass man genug von La Buse hat und die gesamte Bombay-Flotte losschickte, damit sie ihn zu fassen kriegt.

Die Malabar Küste ist eine meiner liebsten Gegenden in Indien. Die Western Ghats laufen entlang der gesamten Ostküste Malabars. Der Monsun kommt vom Meer herein und erreicht dann die Bergkette, wo es zu schweren Regenfälle in der Tiefebene entlang der Küste kommt. Das führt zu einem üppigen, tropischen Umfeld, welches sich sehr vom indischen Inland unterscheidet.

Während meiner Reise nach Indien habe ich einige der Küstenstädte besucht. Ich habe auch ein Hausboot gemietet und mich faul auf einem der verschlafenen Flüsse auf den Weg in das Inland gemacht. Das Essen war dort auch sehr gut – frischer Fisch, süße Bananen und Kokosnüsse.

Seit dem Mittelalter sind die Städte am Meer, die entlang der Malabarküste wuchsen, für den Handel mit Reis, Kokosnüssen, Edelsteinen, Indigo und anderen Färbemitteln bekannt. Malabar ist außerdem reich an Pfeffer, welcher einst angebaut wurde, um an das Ausland verkauft zu werden. Die dichten Wälder an den Hängen der Ghats sind das einzige Waldgebiet an den Rändern der Arabischen See. Und deswegen hat Malabar auch Teakholz exportiert. Auch die Boote wurden aus Teakholz gebaut.

Wie Sie sich sicher vorstellen können, lieferte Malabar viele gute Ziele für einen Piraten. Aber die Sache wurde für La Buse zu heiß, als die Briten ihm auf der Spur waren. Er machte sich auf den Weg nach Madagaskar. Auf seinem Weg entschloss er sich zu einem Zwischenstopp in Reunion (damals noch als Ile de Bourbon bekannt), weil sein Schiff zu wenig Wasser geladen hatte. Reunion ist eine kleine bergige Insel östlich von Madagaskar gelegen.

Dort segelte er in den Hafen in St. Paul, nur um dort den portugiesischen Kriegsherren Nostra Senhora de Cabo zu entdecken, der dort angelegt hatte. Natürlich konnte La Buse nicht widerstehen. Sein Schiff feuerte volle Breitseite auf das überraschte portugiesische Schiff. Dann haben seine Piraten geentert, fast ohne den geringsten Widerstand.

Und dann ergriff La Buse seinen großen Preis.

Das Schiff war mit Gold und Edelsteinen beladen, die dem Vizekönig von Goa, an Indiens Malabarküste gehörten. Das Schiff war auf seinem Weg nach Lissabon, als La Buse es unbemerkt zu fassen bekam. Die gesamte Fracht war über 1,5 Millionen Dollar wert, vielleicht der größte Raub, den ein Pirat je zu fassen bekommen hat.

Aber die Geschichte endete für La Buse nicht gut. Im Jahr 1730, neun Jahre nach seinem großen Fang, wurde er von einem Kopfgeldjäger eines Sklavenhändlers gefasst. Passenderweise wurde La Buse in Reunion gehängt. Aber er hat diese Welt nicht verlassen, ohne dass es am Ende zu einem kleinen Drama gekommen wäre.

Am Galgen hat der alte Pirat eine Reihe von Karten auf den Boden geworfen, die angeblich den Ort verrieten, an dem er den Schatz von Nostra Senhora de Cabo versteckt hatte. Sie waren verschlüsselt, und er sagte zu den Massen, dass ganz egal, wer den Code entschlüsselt, den Schatz finden würde.

Bis zum heutigen Tage hat niemand den Schatz von La Buse gefunden. Viele Abenteurer haben es versucht.

William Dalrymple erzählt diese Geschichte in seinem Buch “The Age of Kali”. Es ist eine Sammlung von Aufsätzen über Indien und Pakistan. Es ist eine großartige Geschichte und irgendwie passend für die heutigen Investoren in Indien. Indien ist immer noch Heimat großer Schätze unterschiedlichster Art: Es ist die Heimat der am schnellsten wachsenden Wirtschaft der Welt. Es ist auch ein extrem volatiler Markt mit vielen Fallstricken. Während ich dort gewesen bin, befand sich der Markt in einem steilen Anlauf auf die höchsten Werte aller Zeiten.

Ich fand dort einige Ideen, die mir gefielen. Es gab dort einige wenige Aktien, die ich gerne besessen hätte. Aber ich habe mich zurückgehalten, weil der Markt mir zu schnell zu weit gegangen ist. Kürzlich hat der indische Markt einen Punkt erreicht, an dem er zwischen der Spitze und der Bodenlinie mehr als 20% gefallen ist.

Ich gehe davon aus, dass jetzt die Zeit ist, sich wieder einmal umzusehen, wie man eine Position in Indien aufbauen kann.

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