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Südosteuropa, Kroatien und Serbien: Der Schatten der Flüchtlingskrise

Gestern war ich in Köln mit einigen Bekannten und Geschäftsleuten essen.

Zwei der Herren, die ich nicht kannte, machen teilweise Geschäfte in Polen und so kam eine spannende Diskussion über die Perspektiven unseres östlichen Nachbarlandes auf.

Wie Sie wissen, bin ich regelmässig in Osteuropa unterwegs – und Polen ist mein Favorit unter den Zentral- und Südosteuropäischen Staaten.

Rumänien ist aufgrund des ultra-niedrigen Niveaus auch durchaus spannend. Aber für die Balkan-Staaten bin ich nicht so bullisch. Ich war letzten Sommer in Serbien, um mich vor Ort über die dortigen Perspektiven zu informieren.

Mit einer Bevölkerung von 7 Mio. Einwohnern ist es mit Abstand das bevölkerungsreichste Land der ehemaligen Jugoslawien (Nummer 2 ist Kroatien mit rund 4 Mio. Einwohnern).

Diese Zahl alleine sagt sehr viel über die wirtschaftlichen Perspektiven aus. Damit kann sich kein großer Binnenmarkt entwickeln. Die einzige Möglichkeit für so ein kleines Land ist entweder der Aufbau einer starken Exportindustrie oder einer Outsourcing-/Dienstleistungs-Wirtschaft. Dann kann man mit wenig Manpower größeres Wachstum generieren.

Die kleinen zentralosteuropäischen Länder Slowenien und Slowakei haben dies frühzeitig erkannt und teilweise gut umgesetzt. Kroatien auch. Aber Serbien ist ein Agrarland. Selbst Belgrad, das Zentrum der serbischen Wirtschaft und Politik, sieht in Teilen heute noch so aus, als ob gestern Nato-Bomben eingeschlagen wären.

Es gibt für Serbien eine Story, die kurzfristig an der Börse spielbar ist: Nämlich dass Deutschland und die EU große Summen in die Balkanländer pumpen, damit diese die Flüchtlinge aufhalten und teilweise aufnhemen. Das wird passieren, da unsere komplett unfähige Bundesregierung nicht in der Lage ist, das eigene Land zu schützen. Aber: Diese Effekte werden nicht nachhaltig sein!

Südosteuropa: Das wird ein schwerer langfristiger Belastungsfaktor

Die südosteuropäischen Länder sind (mit Ausnahme von Rumänien) zu klein und volkswirtschaftlich nicht Perspektiven-reich genug, um als langfristiges Börseninvestment zu dienen. Kroatien ist die Ausnahme, den dort gibt es einen starken Tourismus-Zweig (falls Sie noch nicht dort waren: Die Küsten und die Inseln von Kroatien sind wunderschön).

Aber auch in Kroatien werden die Bäume mit einer Bevölkerung von gerade mal 4 Mio. Einwohnern nicht in den Himmel wachsen. In den anderen Balkan-Ländern sieht es noch unspektakulärer aus. Ja, es dürfte für Serbien einen kurzfristigen Börsen-Schub geben, wenn Deutschland und die EU große Summen in die Balkanländer pumpen, damit diese die Flüchtlinge aufhalten und teilweise aufnehmen.

Aber ich warne davor, auf diese Zug aufzuspringen, wenn diese Sau durchs Börsen-Dorf getrieben wird. Zuerst mal werden bedeutende Teile der Gelder in Korruption versinken und gar nicht in Wirtschaft und Gesellschaft ankommen.

Dann müssen sie bedenken: Wir wissen ja schon nicht, wie wir die Kosten für die Flüchtlinge bezahlen sollen (also, wir wissen es alle schon: Es werden Steuererhöhungen kommen. Aber natürlich sagt dies niemand in Berlin).

Diese Kosten werden in kleineren Dimensionen auch auf Serbien und Co. zukommen. Das bedeutet: Ja, die Balkan-Länder werden kurzfristig viel Geld aus Westeuropa bekommen, aber dafür fangen sich diese Länder einen Kosten-Rattenschwanz ein, der die Haushalte dieser Länder mittel- bis langfristig belasten wird. Dieses Problem hat Polen nicht.

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Über den Autor Daniel Wilhelmi

Daniel Wilhelmi ist Jahrgang 1972 und gehört zu der „neuen Generation“ der Finanzjournalisten, die das Erbe der großen bekannten Namen aus TV und Zeitungen antreten.

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