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Sagenhafte Chancen und gefährliche Risiken

Es gibt einen entscheidenden Grundsatz, der zwar für alle Bereiche der Börse gilt, aber in den Emerging Markets in Gold gestanzt ist: Sie müssen wissen, was Sie tun. Wenn Sie deshalb vorher nicht Ihre Hausaufgaben machen, dann kann ich Ihnen schon jetzt sagen: Sie werden nicht zu den langfristigen Gewinnern gehören. Ich kann Ihnen aber auch sagen: Wenn Sie sich mit der Materie der Emerging Markets auseinandersetzen und sich informieren, dann werden sich potenzielle Verluste schnell in reale Gewinne umwandeln. Wissen ist der Schlüssel zum Erfolg und nirgendwo gilt das mehr, als in den Emerging Markets. Denn hier liegen einmalige Chancen und verlustreiche Risiken ganz dicht beieinander.

Die ungewöhnlichen Chancen Die besonderen Chancen für Unternehmen aus Emerging Markets, und damit für deren Aktien, resultieren aus verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Faktoren, die sich über die letzten Jahre entwickelt haben. Der heutige Mix dieser Faktoren ergibt einen Cocktail, der heißer als das schwedische Bikiniteam ist. Gehen wir die Faktoren nacheinander durch.

 

Überproportionales Wachstum der Unternehmen

Die Firmen aus Emerging Markets weisen Wachstumsraten auf, von denen die CEOs westlicher Unternehmen nachts träumen. Gewinnverdoppelungen und Umsatzanstiege jenseits der 50% sind für aufstrebende Unternehmen aus den Schwellenländern keine Seltenheit. Das sind die Wachstumsgeschichten, die Börsianer lieben und mit steigenden Kursen honorieren. Denn letztendlich dreht sich an der Börse alles nur um eines: Wie viel Gewinn wird ein Konzern machen und wie dynamisch werden die Profite in der Zukunft wachsen? Und in der Gewinndynamik stechen die Unternehmen aus den aufstrebenden Emerging Markets ihre europäischen Kontrahenten um Längen aus. Mit günstigen Produktionskosten und damit verbundenen niedrigen Preisen graben die Emerging Market-Firmen den teuren West-Produkten immer weiter die Marktanteile ab. Doch inzwischen ist das Wachstum nicht mehr nur exportabhängig. Denn das überdurchschnittliche Wirtschaftswachstum der Emerging-Markets-Länder führt nun auch zu einem steigenden inländischen Konsum.

 

Steigender Wohlstand trifft auf ungedeckte Nachfrage

Der Wirtschaftsaufschwung führt in den Emerging Markets zu steigenden Einkommen und damit zu einem höheren „Vermögen“ der Bürger – zugegeben, ein sehr fragwürdiger Begriff bei Stundenlöhnen von teilweise unter 1 USD. Erstmals haben immer mehr Bürger plötzlich mehr Geld in der Tasche als sie zum puren Überleben brauchen. Dieses Geld wandert postwendend in den Konsum. Damit steigt der inländische Konsum, was sich auf die Geschäftsentwicklungen der dortigen Firmen positiv niederschlägt. Denn jetzt erleben die Emerging Markets plötzlich ein Wachstum von 2 Seiten: dem Export und dem inländischen Konsum. Hier gibt es ein riesiges Aufholpotenzial, von dem die dortigen Unternehmen natürlich überdurchschnittlich profitieren.

 

Günstige Rahmenbedingungen für Firmen

Während das starke Nachfragewachstum für die überdurchschnittlichen Umsatzsteigerungen der Firmen aus Emerging Markets sorgt, gibt es für die massiven Gewinnzuwächse noch einen 2. Grund: Unternehmen finden nämlich in Emerging Markets extrem unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen vor. Hier können die Kosten auf Minimalwerte reduziert werden, die in Industrienationen wie Deutschland unvorstellbar sind. Dazu gehören niedrige Steuersätze, kaum existierende Umweltauflagen und natürlich in erster Linie die geringen Stundenlöhne. So bekommen chinesische Arbeiter derzeit einen durchschnittlichen Stundenlohn von 0,70 Euro. Wo sich jedem Gewerkschaftler die rote Krawatte um die Kehle schnürt, jubeln die Unternehmer und mit Ihnen die Aktionäre. Denn solch niedrige Kosten ermöglichen Kampfpreise, die kein westliches Unternehmen bieten kann.

Gleichzeitig finden Sie aber in Emerging-Markets-Ländern eine hohe Arbeitsmoral und eine kontinuierlich steigende Ausbildungsqualität. In Emerging Markets bekommen Firmen also motivierte Arbeiter, deren Ausbildung sich dem Niveau der Industrienationen immer weiter annähert – obwohl die Abstände größtenteils noch gravierend sind – zu einem Bruchteil der westlichen Lohnkosten. Zudem besitzen die Firmen aus Emerging-Markets-Ländern noch ein riesiges Potenzial bei der Optimierung der Produktivität. So können die Abläufe, z.B. durch den Einsatz moderner Technologien, deutlich kosteneffizienter und zeitsparender gestaltet werden, was direkt zu Gewinnsteigerungen der Firmen führen wird. Das klassische Beispiel für das Nachholpotenzial bei effizienten Produktionsabläufen ist die Textilindustrie. In Asien werden viele Kleidungsstücke tatsächlich noch in großen Hallen von hunderten Angestellten per Hand und mit veralteten Nähmaschinen hergestellt. Aufgrund der steigenden Gewinne können diese Unternehmen aber jetzt endlich neue Produktionstechnologien kaufen oder bestehende Anlagen modernisieren. Das sorgt nicht nur für einen Produktivitätsanstieg sondern auch dafür, dass die Emerging-Markets-Produkte auch in ihrer Qualität immer besser werden.

 

Emerging Markets befinden sich in einem langfristige Bullenmarkt

Der unten stehende Chart zeigt Ihnen, dass sich der MSCI Emerging Markets, der Index für Emerging Markets (aufgelegt von der Investmentbank Morgan Stanley), seit 2002 in einem neuen Hausse-Markt befindet. Für charttechnisch orientierte Anleger stehen alle Ampeln auf grün.

Nachdem der MSCI Emerging Markets die großen Börsen in der schweren Baisse 1997-2001 deutlich underperformte, hat sich das Bild nun komplett gedreht. Die Krisen sind bewältigt und der MSCI Emerging Markets befinden sich seit 2003in einem langfristigen Bullenmarkt. Wie Sie in diesem Chart auch sehen, haben die Emerging Markets die etablierten Indizes wie den Euro Stoxx 50 oder den S&P 500 in den letzten Jahren massiv outperformt. Das wird sich fortsetzen, da diese Hausse sowohl auf einem charttechnischen als auch auf einem realwirtschaftlichen gesunden Fundament steht. Denn die Gewinne der Unternehmen aus diesen Ländern wachsen weiter, was wiederum die Börsenkurse steigen lässt und die Hausse weiterführt. Zudem nehmen sowohl die Portfolio- also auch die Direktinvestitionen aus den Industriestaaten in Emerging Markets seit Jahren immer weiter zu. So weisen die Emerging-Markets-Fonds stetig steigende Kapitalzuflüsse auf. Das Geld fließt halt immer dahin, wo in der Zukunft die größten Gewinne zu erwarten sind.

 

Extrem günstige Börsenbewertung der Unternehmen

Trotz der hohen Wachstumsraten und äußerst positiven Zukunftsperspektiven besitzen Emerging-Markets-Aktien günstige, teilweise sogar absurd billige Börsenbewertungen im Vergleich zu konkurrierenden Unternehmen aus Industrieländern. Ob Sie nun Bewertungsgrößen wie KGV, PEG oder Kurs-Buchwert-Verhältnis nehmen – Aktien aus Schwellenländern sind fast immer deutlich günstiger bewertet als ihre Pendants aus Europa, Japan und besonders den USA, deren Kapitalmärkte wesentlich teuerer bewertet sind.

Ja ist denn schon Weihnachten? Der Querschnitt durch verschiedene Branchen und Länder zeigt Ihnen, was Sie in den Emerging Markets für Bewertungsschnäppchen finden. Dabei sehen Sie, dass solche Unterbewertungen nicht nur bei kleinen Werten vorkommen, sondern auch bei milliardenschweren Konzernen zu finden sind. Nur in den aufstrebenden Emerging Markets finden Sie tatsächlich noch Perlen, die wirkliche Rohdiamanten sind und ein KGV unter 5 oder ein PEG unter 0,5 aufweisen. Also Unternehmen, die mit gigantischen Abschlägen gegenüber der Vergleichsbranche bewertet werden, obwohl das Wachstum deutlich dynamischer als bei Unternehmen aus der 1. Welt ist. Hier liegt noch großes Potenzial für steigende Aktienkurse unentdeckt brach.

 

Hohe Dividendenzahlungen

Dieser Punkt wird von vielen Privatanlegern oft übersehen. Der Grund ist nicht, dass er eine Randerscheinung ist, sondern dass viele Privatanleger einfach nicht richtig informiert sind. Denn entgegen der häufig verbreiteten Meinung, zahlen viele Unternehmen aus Emerging Markets bereits Dividenden, und zwar nicht zu knapp. Da diese Firmen an der Börse noch sehr niedrig bewertet sind, können Sie hier noch Dividendenrenditen bekommen, die jenseits der Vorstellungskraft westlicher Investoren liegen. So weisen einzelne Emerging-Markets-Aktien Dividendenrenditen von unglaublichen 8% auf. Teilweise reichen die Dividendenrenditen bei unentdeckten Werten sogar bis in den niedrigen zweistelligen Bereich hinein. Renditen von 5% sind bei Aktien aus Emerging Markets nichts Ungewöhnliches, sondern finden sich sogar recht häufig. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Dividendenrendite des DAX liegt ungefähr bei 2,63%. Bei vielen Emerging-Markets-Werten erhalten Sie also neben der Kursphantasie noch eine doppelt so hohe Dividendenrendite wie bei deutschen Standardpapieren. Für Anleger der populären Dividendenstrategien sind Emerging Markets damit ein absolutes Paradies. Gerade langfristig orientierte Anleger kommen so auf bedeutende Extra-Gewinne bis die Werte durch Kurssteigerungen ihr volles Potenzial entfalten. Allerdings müssen Sie wissen, dass diese Dividenden in der jeweiligen Landeswährung ausgeschüttet werden und damit Wechselkursrisiken unterliegen.

 

Verbesserte Aktienkultur zieht internationales Kapital an

In den meisten großen Emerging Markets hat sich in den letzten 5 Jahren eine neue Aktienkultur entwickelt. Die aktionärsfreundliche Politik der „Corporate Governance“ setzt sich immer weiter durch. Das schafft Vertrauen bei internationalen Anlegern und sorgt dafür, dass immer mehr fremdes Kapital in die Emerging Markets fließt. Diese Reformen ziehen jedoch nicht nur Börsenkapital, die so genannten „Portfolioinvestitionen“, an. Noch viel wichtiger sind für die Emerging Markets die stetig steigenden „Foreign Direct Investments“, die Direktinvestitionen von ausländischen Unternehmern oder Kapitalgebern. Bei Direktinvestitionen handelt es sich um die Beteiligung westlicher Firmen an Emerging- Markets-Unternehmen, Übernahmen, den Erwerb von Immobilien oder Gründungen von Tochtergesellschaften in den jeweiligen Ländern.

Die weltweiten Direktinvestitionen in China sind in den letzten 14 Jahren um 1.688% explodiert. Auffällig ist dabei, dass die Direktinvestitionen seit 2001 immer weiter ansteigen, obwohl die „Experten“ seit Jahren vor einem „Hard Landing“ der chinesischen Wirtschaft warnen. Offensichtlich sieht die Wirtschaft den Sachverhalt ganz anders und ist weiterhin bullisch für den chinesischen Markt.

Sowohl die Portfolioinvestitionen am Kapitalmarkt als auch die Direktinvestitionen in die Landeswirtschaften verzeichnen in vielen Emerging Markets seit Jahren massive Zuwächse, was direkt zum Wirtschaftsaufschwung beiträgt.

Die ungewöhnlichen Risiken Aber wie kann es sein, dass Aktien mit solchen Zukunftsaussichten, Wachstumsraten und Dividenden zu solch niedrigen Börsenbewertungen zu haben sind? Nun, der zentrale Punkt im Börsengeschäft ist das Verhältnis zwischen Chance und Risiko. Nichts ist umsonst im Leben und an der Börse schon mal gar nicht. So aussichtsreich Emerging-Markets-Unternehmen oder ganze Länder auch sein mögen, so sind sie eben doch erst „emerging“, also aufstrebend und noch in der Wachstumsphase. Die Risiken, dass etwas schief geht sind nicht zu verachten. Das ist der Grund, warum Emerging-Markets-Werte so billig sind. Die günstige Bewertung ist die Risikoprämie für die unterschiedlichen Faktoren, welche die Entwicklung einer Firma oder eines ganzen Emerging Markets belasten können.

Dafür, dass Sie bereit sind, dieses Risiko durch einen Kauf zu übernehmen, bekommen Sie im Gegenzug vom Markt diese teilweise extrem günstigen Bewertungen. Krisen sind in Emerging Markets keine Ausnahme, sie sind an der Tagesordnung, denn es gibt die verschiedensten Arten von Krisen. Die Börsengeschichte der Emerging Markets hat gezeigt, dass es sich um ein ständiges Wechselspiel von Euphorie- und Depressionsphasen handelt. Aber wer diese Phasen richtig ausspielen kann, der hat die Chance, sehr viel Geld zu verdienen. Hier kann ich Ihnen nur dringend raten, sich mit den Krisen der Vergangenheit vertraut zu machen. Die bedeutendsten Emerging-Markets-Krisen der letzten 15 Jahre waren die „Tequila-Krise“ in Mexiko 1994, die Asien-Krise 1997, die „Wodka-Krise“ in Russland 1998 und natürlich Argentinien 2001/02. So können Sie aus den Fehlern der Historie lernen und wissen was zu tun ist, wenn eine ähnliche Situation in der Zukunft auftritt. Was sind nun die wichtigsten Risikofaktoren für Investitionen in Emerging Markets?

 

Politische Unsicherheit und Staatskrisen

Revolution, Terrorattentate, Putschversuche. Das sind einige der, zugegeben dramatischen, Faktoren der politischen Unsicherheit, die direkte Kursstürze der jeweiligen Landesbörse zur Folge haben. In Emerging Markets, vor allem in Südamerika und den Tigerstaaten passieren solche Ereignisse häufiger. Gerade in politisch instabilen Regionen entwickeln sich immer wieder Auseinandersetzungen verschiedener Volksgruppen, die sich schnell zu einem Flächenbrand entwickeln können. Dazu kommen ausgewachsene Staatskrisen. Ein Land kann nicht Pleite gehen? Da täuschen Sie sich aber gewaltig. So musste Argentinien in 2002 die Zahlungsunfähigkeit erklären. Wäre die Weltbank nicht mit Milliardenkrediten eingesprungen, dann hätte wohl ein Insolvenzverwalter den gelben Kuckuck auf jeden Baum im argentinischen Regenwald geklebt. Die wichtigsten Frühwarnsignale für sich abzeichnende Staatskrisen sind eine charttechnische Verschlechterung desLandesindex, eine massiv fallende Währung und auffällig große Kapitalabflüsse von internationalen Anlegern. Selbst wenn Sie nur auf diese 3 Faktoren achten, denn es gibt noch weitere, haben Sie sehr gute Chancen, frühzeitig eine schwere Staatskrise zu erkennen und Kasse zu machen bevor die Krise eskaliert. Denn die Ausschläge sind immer dramatisch. So verlor der russische Index RTS zu Beginn der Wodka-Krise an einem Tag -14% und in einem Jahr unglaubliche -93,3%.

Das ist nichts für Badekappenträger. Nach einem tollen Anstieg 1996 bis Mitte 1997 brach die russische Börse mit dem Ausbruch der Wodka-Krise völlig in sich zusammen. Aber ebenso schnell wie die russische Börse eingebrochen war, erholte sie sich wieder, nachdem die Krise unter Kontrolle gebracht worden war. Sie können das Risiko reduzieren, indem Sie Ihre Investments über verschiedene Länder und, noch wichtiger, verschiedene Regionen streuen.

 

Gesellschaftliche Unsicherheiten

Der Albtraum eines jeden Investors ist dabei natürlich der Bürgerkrieg. Aber es muss nicht einmal so schlimm kommen. Um eine Landesbörse in den Keller zu schicken, reichen oft auch schon ausgedehnte Streiks in Schlüsselindustrien. Ein Sonderfaktor sind traditionell politische Wahlen. Zum einen wird in Emerging Markets im Wahlkampf mit harten Bandagen gekämpft, die jenseits der moralischen Vorstellungen westlicher Demokratien liegen. Hier werden sämtliche Leichen des politischen Gegners von der Grundschule aufwärts aus dem Keller geholt und publik gemacht. Ein solches öffentliches Waschen schmutziger Wäsche sorgt immer wieder für Unsicherheiten bei Investoren. Besondere Unruhe an den internationalen Finanzmärkten verursachen Wahlen, bei denen der Ausgang nicht prognostizierbar ist und einer der Kandidaten aus einem extremen politischen Lager kommt. Denn dann ist ungewiss, ob dieser Politiker nach einem möglichen Sieg die wirtschaftlichen Fortschritte fortführen wird oder nicht. Seien Sie deshalb in Wahljahren besonders auf der Hut. Traditionell sind die Kursrückschläge aufgrund gesellschaftlicher Unsicherheiten, mit der Ausnahme von Bürgerkriegen, aber sehr kurzfristig und bieten daher oft eine hervorragende antizyklische Einstiegsgelegenheit.

 

Naturkatastrophen

Da sich Emerging Markets in der Entwicklung zu einer Industrienation befinden, spielt die Landwirtschaft noch eine deutlich gewichtigere Rolle als bei uns. Zudem ist die Infrastruktur in fast allen Emerging Markets stark unterentwickelt. Folglich haben Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Dürre oder Regen wesentlich dramatischere Auswirkungen auf die volkswirtschaftlichen Entwicklungen als in Deutschland oder Frankreich. Die schlimmsten Auswirkungen richtet dabei das Naturphänomen „El Niño“ an, welches in wiederkehrender Regelmäßigkeit aus Klimaveränderungen entsteht. Behalten Sie dieses Naturereignis also immer im Augenwinkel. Das Risiko der Naturkatastrophen lässt sich jedoch relativ einfach minimieren. Es hilft ein guter indianischer Medizinmann mit einem Doktor-Titel in den Fächern Regentanz und Sonnenanbetung. Falls Sie aber dummerweise nicht mitten in einem Indianareservat wohnen, habe ich einen wesentlich effektiveren Tipp für Sie: Streuen Sie Ihre Anlage über verschiedene Branchen. Ein Telekomunternehmen oder einen Energieversorger interessiert es beispielsweise herzlich wenig, ob seit 2 Monaten eine Dürre herrscht.

 

Mangelnde Transparenz der Firmenentwicklung

Es ist fraglos schwierig, fundierte Informationen über Firmen aus exotischen Ländern wie Venezuela oder Malaysia zu erhalten. Selbst Experten vor Ort haben oft Probleme, den Dschungel aus Überkreuzbeteiligungen der Firmen und die Geschäftsberichte nach ländereigenen Bilanzierungsstandards, die sich teilweise gravierend von etablierten Leitlinien unterscheiden, zu durchschauen. Wie alle Risikofaktoren können Sie auch die fehlende Transparenz nicht völlig ausschalten. Aber Sie können das Risiko deutlich reduzieren, indem Sie in Aktien investieren, die als ADRs (Level 2 und 3) an den großen US-Börsen notieren. Denn dann müssen sich die Unternehmen an die Regeln der US-Aufsichtsbehörde SEC halten, die eine zeitnahe Veröffentlichung der Geschäftszahlen nach international anerkannten Bilanzierungsstandards verlangt.

 

Unzureichende Privatisierungen und Investitionsbeschränkungen

Dieses Problem zeigt sich vor allem in früheren kommunistischen und sozialistischen Staaten. Hier werden ehemalige Staatsbetriebe im Rahmen des fortschreitenden Wandels zur freien Marktwirtschaft privatisiert. Das ist natürlich erst einmal positiv. Aber was viele unwissende Aktionäre oftmals übersehen: Es wird nur ein kleiner Anteil der Unternehmen privatisiert. Die Mehrheit bleibt nach wie vor in Staatsbesitz. Damit befindet sich aber auch die Kontrolle in den Händen der alten Machteliten. Das verhindert häufig radikale Unternehmenserneuerungen, und es besteht die Gefahr, dass sich der Staat von größeren Aktienpaketen trennt, was den Kurs belastet. Was steckt dann wirklich hinter den Privatisierungen?

Nun, die wahre Motivation der Staaten ist zumeist, dass sie mit dem Verkauf die Kosten für überfällige Modernisierungen auf ausländische Firmen abwälzen. Anstatt diese Ausgaben selbst zu tätigen verkaufen die Regierungen Teile der Unternehmen. Die Käufer modernisieren dann den Konzern und erhalten im Gegenzug z.B. Garantien für zeitlich begrenzte Monopolstellungen. Sehr häufig gibt es deshalb auch staatliche Richtlinien, nach denen ausländische Investoren nur einen bestimmten Prozentsatz an den Unternehmen des Landes (z.B. 20%) erwerben dürfen. Das schreckt vor allem angelsächsische Fondsmanager ab, die immer großen Wert auf die eigene Einflussnahme in die Unternehmensentwicklung und Managemententscheidungen legen. Traditionell sind von den Beteiligungsbeschränkungen besonders die Energieversorger, Rohstoffunternehmen sowie Telekommunikations- und Medienkonzerne betroffen.

 

Unzureichende Geschäftszahlen und Corporate Governance

Dieses Risiko hat sich mit dem zunehmenden Interesse internationaler Investoren an Unternehmen aus Emerging Markets in den letzten Jahren dramatisch verbessert. Unter „Corporate Governance“ versteht man eine aktionärsfreundliche Informationspolitik. Immer mehr Unternehmen aus Emerging Markets begreifen, dass eine transparente Geschäftspolitik zu steigendem Vertrauen ausländischer Investoren und damit zu steigenden Investitionen und anziehenden Börsenkursen führt. Das war in den 90zigern noch völlig anders: unregelmäßige Geschäftszahlen, intransparente und nicht zu durchschauende Eigentümerverhältnisse, ausfallende Dividendenzahlungen und kriminelle Bereicherungen an Firmenwerten waren damals an der Tagesordnung. Heute zeigt sich Ihnen schon ein deutlich besseres Bild: So bilanzieren immer mehr große Emerging-Markets-Unternehmen nach den international anerkannten Standards US-GAAP und IAS.

Das gilt aber zumeist nur für die großen Unternehmen, die sonst den Druck der Fondsmanager zu spüren bekommen. Vor allem in der 2. und 3. Reihe bilanzieren viele Firmen ihre Geschäftszahlen noch in landeseigenen Standards. Diese Zahlen sind deshalb immer mit besonderer Vorsicht zu genießen. Dazu kommt es leider immer noch sehr häufig vor, dass die Aktionäre die Geschäftszahlen erst mit großem Zeitrückstand erhalten. Gerade bei Unternehmen, die nicht an westlichen Börsen gelistet sind, und damit nicht den dortigen strengeren Listingregeln unterworfen sind, werden die Zahlen nach bester „Hakuna Matata“-Manier (afrikanisch für: „nimm das Leben nicht so schwer“) locker mit einigen Monaten Zeitverzögerung veröffentlicht. Trotzdem: Nie befand sich die „Corporate Governance“ auf einem höheren Niveau, was das Investitionsklima für internationales Kapital in Emerging Markets immer weiter verbessert.

 

Betrug, Korruption und Vetternwirtschaft

Der Klassiker der Emerging Markets. Zugegebenermaßen ein sehr berechtigter Risikofaktor. Gerade das Problem der Vetternwirtschaft ist in den Emerging Markets fast unumgänglich. Dabei handelt es sich um eine enge Verflechtung zwischen der politischen und der wirtschaftlichen Elite. Besonders in Asien, Osteuropa und Russland ist die Vetternwirtschaft ein großes Problem. Diese Verflechtungen, in Südkorea „Crony Capitalism“ genannt, sorgen immer wieder dafür, dass einzelne Firmen bei Ausschreibungen bevorzugt werden oder besondere Vergünstigungen erhalten. Dazu kommen kriminelle Betrügereien. Bestechung und Korruption sind in vielen unterentwickelten Emerging Markets alltäglich. Wesentlich problematischer sind für Anleger die gezielte Manipulation von Pressemitteilungen oder Geschäftsbilanzen und das geheime Ausschlachten von Aktiengesellschaften.

Nirgendwo nahm dies dramatischere Ausmaße an, als in der Privatisierungsphase in Russland während der wilden 90ziger Jahre. Dort verkauften die Oligarchen die besten Beteiligungen von ehemaligen Staatskonzernen unter der Hand an Unternehmen, die ihnen natürlich selbst gehörten. Als alles vorbei war, saßen die verdutzten internationalen Anleger auf Aktien von einem quasi wertlosen Unternehmen, dessen Sahnestücke plötzlich nicht mehr zum Konzern gehörten. Allerdings muss ich hier auch ganz klar sagen: Kriminelle Machenschaften sind nicht nur ein Problem der Emerging Markets, wie die Fälle Comroad oder Enron zeigen. Immerhin können Sie das Risiko reduzieren, indem Sie auf große Blue Chips setzen, die nach anerkannten Standards bilanzieren und eine offene „Corporate Governance“ betreiben.

 

Spekulationsblasen und Überbewertungen

Dieser Risikofaktor ist so alt wie die Emerging Markets selbst. Aber er wird in den kommenden Jahren einer der größten Risikofaktoren werden. Denn mit dem zunehmenden Interesse des internationalen Kapitals werden in den nächsten Jahren immer mehr Gelder in die Emerging Markets fließen. Doch viele dieser Kapitalmärkte sind noch gar nicht groß genug, um solche Summen aufzunehmen. Das führt teilweise schon heute zu stark steigenden Kursen und übertriebenen Spekulationsblasen, bei denen Einzelwerte oder selbst ganze Länder hohe, teilweise sogar überteuerte Bewertungen aufweisen. Da ich für die kommenden Jahre einen massiven Anstieg der Portfolioinvestitionen in den Emerging Markets erwarte, werden die überteuerten Spekulationsblasen zunehmen. Das internationale Kapital wird in Euphorie die Märkte nach oben treiben, bis den ersten Investoren klar wird, dass die dann erreichten Bewertungen für einen risikoreichen Emerging Market viel zu hoch sind. Es kommt zum Platzen der Blase. Schon heute sind viele Emerging Markets und einzelne Blue Chip-Aktien nicht mehr billig. Kaufen Sie sich deshalb in Emerging Markets vorrangig in Korrekturphasen ein.

 

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