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Russland: Die zweite Verzehnfacher-Chance?

Russland war dasultra-heiße Emerging Markets-Thema auf dem Fondskongress in Mannheim. Kein Schwellenland sorgte für mehr Dollarzeichen (oder in diesem Fall eher Rubel-Zeichen) in den Augen der Profis.

Hier wittert man nach den gewaltigen Verlusten in 2014 nun Schnäppchen-Chancen – und erinnert sich gerne an die Vodka-Krise 1998, wonach sich viel russische Aktien mehr als verzehnfachten.

Um es direkt vorweg zu nehmen: Auch ich sehe in Russland ultra-spannende, wenn auchrisikoreiche ultra-langfristige Chancen. Aber einer Widerholung der Russland-Booms nach der Vodka-Krise, wo sich viele russische Aktien innerhalb weniger Jahre vervielfachten, wird es nicht geben. Dieses Mal müssen kleinere Brötchen gebacken werden – was aber immer noch gewaltige Kurspotentiale bietet.

Die aktuelle Situation ist mit 1998 nicht vergleichbar. Damals notierte der Ölpreis noch um 20 USD/Barrel und ab der Jahrtausendwende startete der gewaltige Rohstoffboom. Sie können die Charts des Ölpreises und des russischen Aktienmarktes übereinander legen. Die Charts sehen fast identisch aus.

Aber wir werden von dem aktuellen Ölpreis-Niveau bestenfalls eine mittel- bis langfristige Verdoppelung sehen. Eine Mega-Hausse bei Öl wie vor 10 Jahren ist ausgeschlossen. Dazu kam damals ab 2003 der Boom des BRIC-Konzepts, was viele institutionelle Investoren aus dem angelsächischen Raum an den russischen Aktienmarkt brachte. Denn damals legten viele Banken BRIC-Fondsprodukte auf -und mussten deshalb russische Aktien kaufen.

Auch dieser positive Faktor ist jetzt nicht mehr gegeben. Putin hat so viel Erde verbrannt, dass sich die US-Investoren fast komplett von dem russischen Markt abgewendet haben. Und was ich von der Wall Street höre, sind viele Profis durch mit Russland, so lange sich dort nichts an der Spitze ändert.

 

Russland: Aktuelle Situation mit der “Jahrhundert-Rallye” nicht zu vergleichen

Viele Emerging Markets-Anleger wittern in Russland eine Chance wie nach der „Vodka-Krise“ 1998, als sich der russische Aktienmarkt in den drauf folgenden Jahren vervielfachte und viele russische Aktien sogar um 1.000% und mehr anstiegen. Doch eine solche Mega-Rallye wird es dieses Mal nicht geben.

Damals sorgten vor allem 3 Faktoren für die Kurs-Explosionen bei russischen Aktien: Der steigende Ölpreis (und die Hausse bei den Industrie-Metallen), der Boom des BRIC-Konzepts und ein politisches Umfeld, was von internationalen Investoren als stabiler und positiver eingestuft wurde, als man es aus den 90ern kannte.

Tatsächlich war Putin damals einer der Gründe, warum der historisch hohe Risikoabschlag für den russischen Aktienmarkt an den Börsen abgebaut wurde, was weitere Kurssteigerungen ermöglichte. Denn damals galt Putin als stabilisierender Faktor, der marktwirtschaftliceh Reformen voran trieb.

Lange ist es her… Heute hat sich das Bild von Putin in der westlichen Finanzwelt um 180 Grad gedreht. So lange Putin an der Macht ist, werden viele angelsächsische Investoren nicht mehr an den russischen Markt zurückkehren. Die Stimmung an der Wall Street gegenüber Russland ist auf dem negativsten Niveau, dass ich jemals erlebt habe.

Das gilt übrigens nicht nur für Fondsmanager. Auch viele westiche Beteiligungsgesellschaften, M&A-Spezialisten und auch normale Unternehmen (vor allem aus dem Öl-Sektor) haben in Russland in der Realwirtschaft soschlechte Erfahrungen gemacht (z.B. Korruption, Enteignungen etc.), dass sie ihre Russland-Geschäfte komplett eingestellt haben. Deshalb ist in den vergangenen 2 Jahren viel internationals Kapital – sowohl aus dem russischenKapitalmarkt als auch aus der Volkswirtschaft – abgezogen worden, das auf Jahre nicht wiederkommen wird. Mehr zu Russland in der nächsten Ausgabe.

 

Have a successful day,

 

Ihr

 

Daniel Wilhelmi

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Über den Autor Daniel Wilhelmi

Daniel Wilhelmi ist Jahrgang 1972 und gehört zu der „neuen Generation“ der Finanzjournalisten, die das Erbe der großen bekannten Namen aus TV und Zeitungen antreten.

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