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Polen: Ein neues europäisches Wirtschafts-Schwergewicht entsteht

Wir richten unseren Blick im Profit Radar nach Osten. Genauer gesagt auf unser östliches Nachbarland Polen. Ich bin gerade mal wieder in Warschau. Denn in Polen tut sich wirtschaftlich viel mehr, als die deutschen Anleger wahrnehmen. Viele Deutsche haben noch veraltete Vorstellungen von dem Land und den Menschen.

Deshalb legen Taipan-Chefanalyst Volkmar Michler und ich so viel wert darauf, immer wieder in die verschiedensten Emerging Markets reisen. Nur so erhält man wirkliche Einblick in die dortigen Gesellschaften und Entwicklungen. Wenn ich Bekannten und Kollegen in Deutschland über meine Eindrücke, Gespräche und Erfahrungen in Polen berichte, schauen sie mich verwundert an.

Natürlich ist vielen klar, dass sich in den letzten 20 Jahren viel verändert hat. Aber ein Teil der Deutschen hat auch immer noch antikquierte Vorstellungen über die polnische Arbeitsmoral etc.. Wir alle kennen die schlechten und unangebrachten Witze (die man übrigens genau so über einen soliden Prozentsatz der Deutschen machen könnte).

Die Realität sieht anders aus – und daraus leiten sich die spannenden Perspektiven für Polen ab. Wenn ich einen Blick auf die Skyline von Warschau werfen, dann sehe ich jede Menge Baukräne. Mehr als in Frankfurt. Hier entstehen zahlreiche neue Hochhäuser. Die Städte in Europa mit den meisten Hochhäusern sind Moskau (mit weitem Abstand), London, Frankfurt…und Warschau. Das weiss nur kaum jemand.

Aber die wahre Chance liegt in der jungen, auftrebenden Mittelschicht der Großstädte. Natürlich sind die ländlichen Regionen in Polen noch sehr rückständig und dort herrrscht teilweise starke Armut. Aber bei den Emerging Markets müssen Sie immer berücksichtigen, dass das Wachstum aus den Städten und den umliegenden Regionen kommt. Da liegt die Zukunft – und die sieht gut aus für Polen.

Polen: Das Geheimnis des Erfolges

Es heisst nicht umsonst: Die Kinder sind unsere Zukunft. In diesem Kontext gebe ich offen zu: Der Zustand der jungen Generationen in Deutschland (Manieren, Arbeitsmoral etc.) lässt in mir Sorgen über die langfristige Entwicklung unseres Heimatlandes aufkommen. Aber das ist ein anderes Thema.

Kommen wir zu Polen. Ich habe mich in Warschau mit zahlreichen jungen Menschen – von Studenten bis zu jungen Berufstätigen und Jungunternehmern – der neuen polnischen Mittelschicht unterhalten. Und ich sage ehrlich: Mit dem, was ich hier erlebe, hatte ich nicht gerechnet.

Diese neue Mittelschicht ist gut ausgebildet und weltoffen. Sie sprechen besseres Englisch als die meisten Deutschen im gleichen Alter. Denn viele von ihnen haben im Ausland studiert (z.B. über Erasmus) oder für einige Zeit gelebt. Sie haben nun in Polen gute Jobs (natürlich mit niedrigeren Löhnen) und arbeiten hart.

Diese Mittelschicht steht den jungen westeuropäischen Mittelschichten ausbildungsmässig in Nichts nach. Im Gegenteil: Wenn ich die jungen Mittelschichten der großen west- und osteuropäischen Länder (Einwohnerzahl von mindestens 40 Mio. Einwohnern) auflisten müsste, dann sieht meine Rangliste so aus: England, Deutschland, Frankreich (noch…) und dann schon Polen. Weit vor Italien oder Spanien.

Aber im Gegensatz zu den satten Mittelschichten in Westeuropa hat die aufstrebende polnische Mittelschicht noch großes Nachholpotential. Ein Beispiel: Ein Date, das 50,- EUR kostet, ist für viele berufstätige Mittelschichtler in Polen immer noch ein sehr, sehr großes Investment, das sie nicht jede Woche mal eben realisieren können.

Hier liegt noch gewaltiges langfristiges Konsumpotential brach, dass erst in den kommenden Jahren mit steigenden Löhnen freigesetzt wird. Dies ist einer der Hauptgründe, warum Polen in den kommenden Jahren überdurchschnittlich stark wachsen wird. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe.

Have a successful day,

Ihr

Daniel Wilhelmi

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Über den Autor Daniel Wilhelmi

Daniel Wilhelmi ist Jahrgang 1972 und gehört zu der „neuen Generation“ der Finanzjournalisten, die das Erbe der großen bekannten Namen aus TV und Zeitungen antreten.

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