MenüMenü

Die verschiedenen Anlageformen für Emerging Markets

Die Kunst einer erfolgreichen Anlage in Emerging Markets besteht in der richtigen Risikodiversifikation. Dafür müssen Sie die einzelnen Anlageinstrumente kennen, um sie dann nach Ihrer persönlichen Risikobereitschaft einzusetzen. Das Spektrum ist in den letzten Jahren so umfangreich geworden, dass Sie inzwischen für Emerging Markets schon eine ähnliche Anlagenvielfalt wie für den deutschen Markt vorfinden. Allerdings führt dieses Überangebot gerade bei Anfängern zu Irritationen. Deshalb will ich Ihnen die einzelnen Anlagekategorien im Folgenden genauer vorstellen. Denn jedes Anlageinstrument hat Vor- und Nachteile.

Anlegen mit Fonds – Das Investitionsfundament

Traditionell ist der Kauf von Fondsanteilen der klassische Weg für Ihre Anlage in der Welt der Emerging Markets. Jede größere Fondsgesellschaft bietet inzwischen Produkte auf China, Indien oder die Tigerstaaten an. Derzeit gibt es über 300 Fonds, die sich mit dem Thema Emerging Markets befassen. Diese Fonds werden von ihren Managern aktiv betreut und das Kapital wird nach individuellen Auswahlkriterien in zahlreiche Einzelwerte investiert. Dabei gibt es sowohl Fonds auf Aktien als auch auf Anleihen. Im Folgenden konzentrieren wir uns allerdings auf Aktienfonds. Tatsächlich hat die Fondsanlage viele Vorteile. Der größte Vorteil ist, dass Sie die Chance haben, mit einem geringen Kapitaleinsatz eine extrem große Diversifikation zu erreichen. Denn Sie investieren mit einem Fondsanteil gleichzeitig in eine Vielzahl an Unternehmen (meist um die 100). Deshalb bieten Fonds gerade Privatanlegern mit wenig Geld die Chance einer gut diversifizierten Emerging-Markets-Investition. Zudem gibt es herausragende Fonds, die es geschafft haben, über Jahre ihren Index zu schlagen. Das bedeutet: In Hausse-Phasen gewinnen Sie mit diesen Fonds mehr und in Baisse-Phasen verlieren Sie weniger als der Vergleichsindex, der so genannten Benchmark. Aber so hervorragend diese Fonds auch sind, so selten sind sie allerdings auch. Es ist leider ein weit verbreiteter Trugschluss, zu glauben, dass Sie sich nach dem Kauf eines Emerging-Markets-Fonds um nichts mehr kümmern und nur noch das Portmonee aufhalten müssen. Auch bei der Fondsanlage ist es unverzichtbar, dass Sie sich regelmäßig über die Entwicklungen des Emerging Markets informieren.

 

Zudem haben Fonds 3 gewichtige Nachteile.

1. Gerade für exotische Fonds wie eben Emerging-Markets-Fonds verlangen die Banken oft überdurchschnittlich hohe Gebühren. Diese Gebühren setzen sich aus dem einmaligem Ausgabeaufschlag beim Kauf und den jährlich anfallenden Verwaltungsgebühren zusammen. Manche Fonds müssen im 1 Jahr erst einmal zwischen 5,75-6,80% Wertsteigerung vollbringen, bis Sie überhaupt einen Cent Gewinn machen. Darunter verdient nur die Bank. Und diese Gebühren fallen immer an, selbst wenn der Fond in dem Jahr ein Minus produziert. Zudem haben jetzt einige Fonds angefangen, Performance-Gebühren zu erheben. Das bedeutet: Wenn der Fond Gewinne erzielt, behält die Bank einen vorher festgesetzten Anteil als Gewinnprämie ein. Aber da die Emittenten wissen, dass die meisten Anleger auf diese Fonds angewiesen sind, gibt es auf solche Fonds nur selten Rabatte. Checken Sie deshalb unbedingt die Internetseiten der Discountbroker. Diese bieten immer wieder Sonderaktionen an, bei denen der Ausgabeaufschlag teilweise oder sogar zu 100% erlassen wird. Ein Top-Angebot, bei dem keine der trägen Hausbanken mithalten. Fairerweise muss ich sagen, dass die hohen Gebühren nicht vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Denn die Anlagekosten in Emerging Markets sind für die Fondsgesellschaften teuerer als bei Fondsprodukten auf deutsche oder europäische Aktien. Das rechtfertigt jedoch nicht die teilweise dramatisch überteuerten Aufschläge.

Schauen Sie sich nur die Kosten an, die Emerging Markets-Fonds verlangen. Beim „China Qaunt“-Fonds fällt eine jährliche Verwaltungsgebühr von 1,75% an, obwohl der Fonds computergestützt gemanagt wird. Der „Eastern European Fund“ erhebt eine Performance-Beteiligung von satten 20% p.a. auf jegliche Outperformance der Vergleichs-Benchmark. Beispiel: Wenn der Fonds 20% steigt, die Benchmark aber nur 10%, dann hat der Fonds eine Outperformance von 10% geschafft. Sie erhalten davon aber nur 8%, denn 2% zweigt die Fondsgesellschaft für sich ab, obwohl Sie 100% des Risikos tragen, wenn der Fonds Verluste macht.

2. Studien haben gezeigt, dass es der Großteil der Fondsmanager nicht schafft, den jeweiligen Vergleichsindex zu schlagen. Neue Studien haben gezeigt, dass es sage und schreibe 80% der Fonds nicht schaffen, ihre Benchmark zu übertreffen. Daher sind viele Fondsmanager dazu übergegangen, sich einfach auf die großen Aktien des Landesindex zu fokussieren, da so die Chance geringer ist, schlechter als der Index abzuschneiden. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn die teuren Fonds sowieso nur den Index abbilden, dann können Sie sich auch direkt ein einfaches Indexzertifikat kaufen. Damit schlagen Sie den Großteil aller Fonds und zahlen dazu auch noch weniger Gebühren. Sehen Sie dazu auch die Tabelle 9 in Kapitel 5.3. Oder anders ausgedrückt: Da die Fonds aktiv gemanagt werden, dürfen Sie die Verlustrisiken nicht unterschätzen. Oftmals wird bei Fonds damit geworben, dass die Risiken niedrig sind, aber es zeigt sich immer wieder, dass es schlechte Manager gibt, die selbst in einem guten Börsenumfeld katastrophale Verluste produzieren. Das Risiko ist also keineswegs zu vernachlässigen.

3. Fonds unterliegen den eigenen Richtlinienkatalog der jeweiligen Banken. Diese Richtlinien sind von Institution zu Institution verschieden. Eine Richtlinie, die alle seriösen Fondsanbieter jedoch gemeinsam haben, ist, dass die Manager einen bestimmten Prozentsatz an Cash halten müssen, um so Mittelabflüsse bedienen zu können, ohne Investments liquidieren zu müssen. Normal sind Quoten zwischen 10 und 15%. Das heißt aber für Sie: Von 1 Euro werden in Wirklichkeit nur 90 bis 85 Cent investiert. Das ist nicht im Sinne des Erfinders, denn schließlich kaufen Sie ja für beispielsweise 1.000 Euro Fondsanteile, um mit 1.000 Euro in diesen Emerging Market einzusteigen. Und nicht nur mit 900 Euro.

 

Exkurs: Fondssparpläne

Eine sehr beliebte Methode bei der Fondsanlage sind so genannte „Fondssparpläne“. Dabei werden von der Hausbank des Anlegers für diesen jeden Monat automatische Fondsanteile für einen festgesetzten Betrag (z. B. 100 Euro) gekauft. Fondssparpläne sind vor allem für Privatanleger mit kleinem Geldbeutel interessant, die nicht sofort mit großen Summen in einen Fonds einsteigen können, sondern nach und nach einen Teil des monatlichen Einkommens investieren wollen. Zudem haben Sparpläne noch einen weiteren Vorteil: Durch den regelmäßigen Kauf von Fondsanteilen in der gleichen finanziellen Größenordnung können Sie die überdurchschnittlichen Schwankungen von Emerging-Markets-Fonds ausnutzen, um Ihren Kaufpreis zu verbilligen. Denn wenn der Kurs des Fonds fällt, können Sie so für den gleichen Betrag mehr Fondsanteile kaufen. Diese Entwicklung nennt man „Cost Averaging“. Bitte beachten Sie aber, dass es nicht alle Fonds auch als Sparpläne gibt. Fragen Sie diesbezüglich bei den Emittenten an.

Es gibt 3 Gattungen von Emerging-Markets-Aktienfonds: Den „Globalen Aktienfonds“, den „Regionalen Aktienfonds“ und „Länderfonds“. Dabei gilt: Je spezifischer der Fonds wird, desto höher werden die Gewinnchancen, aber auch die Risiken. Globale Aktienfonds streuen ihr Kapital auf alle Emerging Markets dieser Welt. Das bedeutet für die Anleger eine unschlagbar gute Diversifizierung, die aber natürlich auf Kosten der Performance geht. Denn diese Fonds sind immer nur mit einem Teil seines Kapitals in den aktuell heißen Emerging Markets investiert. Regionenfonds konzentrieren sich dementsprechend auf eine bestimmte Region, z. B. Asien exklusive Japan (da Japan ja kein Emerging Market ist). Die Spitze bilden Länderfonds, deren Manager exklusiv nur in ein bestimmtes Land investieren. Hier liegen Chance und Risiko klar beieinander: Ist genau dieses Land derzeit der Liebling der Börsen, dann gewinnen Sie deutlich mehr als mit den beiden anderen Fondsgattungen. Aber wenn das Land out ist, dann verdienen Sie keine leere Cola-Dose mit Ihren Anteilen. Lassen Sie sich deshalb von Ihrem Bankberater nichts erzählen.

Gerade bei der Auswahl des richtigen Emerging-Markets-Fonds ist das „Fondspicking“, also die aufwändige Suche nach dem besten Fonds, die absolute Oberpflicht. Denn gerade im Bereich Emerging Markets gibt es sehr schlechte, ziemlich durchschnittliche, aber auch sensationelle Fonds mit hoch kompetenten Managern, die ihre Vergleichsindizes seit Jahren um Längen geschlagen haben. So gehen Sie bei der Fondauswahl vor: Jedes gute Börsenmagazin am Kiosk bietet Ihnen eine Auflistung der Fonds aller großen Anbieter. Suchen Sie sich z. B. alle Indien-Fonds heraus. Wenn Sie mit dem Internet umgehen können, geht es sogar wesentlich einfacher. Rufen Sie sich auf den Seiten verschiedener Finanzinformationsanbieter einfach einen Vergleich aller Indien-Fonds auf. Vergleichen Sie dann die Performance der letzten 3 und 5 Jahre. Hier ist die langfristige Performance entscheidender als der 1-Jahres-Vergleich. Selbst der beste Fondsmanager hat mal ein schlechtes Quartal oder Jahr. Aber langfristig setzt sich Qualität im Fondsmanagement immer durch, weshalb die 3- und 5-Jahres-Kennzahlen entscheidend sind.

Dann vergleichen Sie die Performance der Fonds gegen die Performance des jeweiligen Index (z. B. der MSCI-EMF-Index für Globale Emerging-Markets-Fonds oder der Set 50 für Thailand-Fonds). Denn es ist nicht nur wichtig, welcher Fonds die höchste Performance erzielt hat, sondern ob er auch besser als der Index war. Sonst brauchen Sie keinen teuren Fondsmanager zu bezahlen, sondern können direkt auf ein Indexzertifikat setzen. Die 3 besten Fonds aus diesen beiden Analysen kommen weiter. Der Rest wird gestrichen. Von diesen 3 Fonds vergleichen Sie dann die Gebührenstruktur. Hier können unter den verschiedenen Fonds Schwankungen von bis zu 4% auftreten. Das ist ein happiger Unterschied. Diese Kosten subtrahieren Sie von der erzielten Performance.

Danach überprüfen Sie bei den bekannten Online-Brokern, ob es auf diese Fonds einen Discount gibt (das heißt: Sie zahlen z. B. nur die Hälfte der Gebühren etc.). Auch die Discounts werden eingerechnet und dann erfolgt die Endabrechnung. Der Fonds mit der höchsten Performance ist Ihre Wahl. Eine weitere Möglichkeit für die richtige Fondsauswahl sind die so genannten Fonds-Rankings von Morningstar und Standard&Poors. Beide Ratingagenturen bewerten die Fonds und zeichnen die Besten mit einem identischen Sterne-System aus. Dabei sind 5 Sterne bei beiden Agenturen die höchste Auszeichnung und besagen, dass dieser Fonds zu den Top 10% des speziellen Fondssektors gehört. 1 Stern wäre dann im Gegenzug quasi eine wandelnde Geldvernichtungsmaschine. Es ist ganz klar, dass 4 und vor allem 5 Sterne ein herausragendes Qualitätssiegel sind, die auch nur wenigen Fonds zuteil werden. Ich weiß, dass die Fondsauswahl viel Arbeit macht. Aber dieser Mehraufwand wird sich für Sie in barer Münze auszahlen. Wenn Sie das Research im Internet durchführen, kostet Sie es vielleicht 1 Stunde Zeit. Und diese 60 Minuten werden die bestbezahlten 60 Minuten Ihres Lebens sein.

 

Anlegen mit Anleihen – Das löchrige Sicherheitsnetz

Bei den beiden Begriffen „Emerging Markets“ und „Anleihen“ erinnert sich jeder Anleger sofort an ein Land: Argentinien. Und viele, vielleicht auch Sie, werden mit der Faust in der Tasche an Ihren Bankberater denken, der Ihnen Ende der Neunziger mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit einen Satz wie den folgenden erzählt hat: „Ich sage Ihnen: argentinische Staatsanleihen. Das ist der Geheimtipp. Das sind Staatsanleihen und Sie kriegen über 10%. Da kann gar nichts schief gehen.“ Wie wenig da „schief gehen“ konnte, wissen Sie: Nachdem Argentinien im Zuge seiner schweren Krise die Zahlungsunfähigkeit erklärt hatte, waren die für 20.000 DM gekauften und von Ihrem Bankberater so hoch gepriesenen argentinischen Staatsanleihen noch so viel wert wie eine Currywurst mit Pommes (für den Ketchup reichte es schon nicht mehr).Was sind eigentlich Anleihen?

Simplifiziert sind Anleihen nichts anderes als Schuldverschreibungen von Staaten. Der Staat braucht Geld, z. B. für Infrastrukturprojekte, und leiht es sich von Investoren. Dafür zahlt der Staat natürlich Zinsen. So wie Sie es bei Ihrer Hausbank auch tun, wenn Sie sich ein neues Auto kaufen wollen. Neben Staatsanleihen gibt es noch Unternehmensanleihen, bei denen Firmen durch die Auflage einer Anleihe Geld am Kapitalmarkt einsammeln. Eine Anleihe setzt sich aus 3 Komponenten zusammen: der Laufzeit, dem Nennwert und dem Zinskupon. Die Laufzeit zeigt an, wann eine Anleihe ausläuft. Am Ende der Laufzeit zahlt der Staat oder das Unternehmen das von Ihnen geliehene Geld zu einem Nennwert von 100% an Sie zurück (zumindest sollte er das). Bis zum Ende der Laufzeit erhalten Sie regelmäßig zu einem festgelegten Datum die Zinszahlungen. Der Nennwert ist der Wert der Anleihe.

An der Börse werden die Kurse von Anleihen als Prozente vom Nennwert dargestellt. Ein Anleihekurs von 100% bedeute also, dass der aktuelle Wert der Anleihe genau dem ursprünglichen Nennwert entspricht. Da die Anleihenkurse schwanken, kommt es aber ständig zu deutlichen Verschiebungen, bei denen die Kurse z. B. nur noch bei 70% oder bei extremer Nachfrage sogar bei 105% betragen können. Gerade der ersten Punkt und die Differenz zwischen dem aktuellen Börsenkurs und dem Nennwert, in der Fachsprache „Disagio“ genannt, kann für Investoren sehr lukrativ sein, denn am Ende wird die Anleihe ja zu 100% zurückgezahlt. Zusätzlich zum Zinsgewinn fahren Sie also auch noch lukrative Kursgewinne ein. Es sei denn, dass Unternehmen oder der Staat wird zahlungsunfähig. Das bedeutet: Bei Anleihen mit Kursen von 40% oder teilweise 10% geht der Markt davon aus, dass ein großes Risiko besteht, dass diese Anleihen nach Ablauf nicht zurückgezahlt werden.

Ein wichtiger Tipp: Beachten Sie unbedingt, dass Sie bei Kursaufschlägen über 100% (dem Agio) Verluste erleiden, denn am Ende werden ja nur 100% zurückgezahlt. Der Zinskupon zeigt Ihnen, welchen Zinssatz der Schuldner jedes Jahr an die Besitzer der Anleihen ausschüttet. Bitte beachten Sie, dass die Kupons normalerweise als Nominalzins (also ohne Einbezug der Inflationsrate) angegeben werden. Gerade bei Emerging Markets kann es zu deutlichen Unterschieden zwischen Nominalzins und dem wirklich Realzins (Nominalzins – Inflationsrate) kommen. Der wichtigste Anhaltspunkt für die Überprüfung der Qualität eines Staates oder Unternehmens, das die Anleihe begibt, sind die so genannten Ratings.

Hier beurteilen zahlreiche Rating-Agenturen die Anleiheanbieter auf ihre „Seriosität“. Das ist verständlich, denn schließlich wollen Investoren wie Sie ja wissen, wem Sie Ihr sauer verdientes Geld leihen. Diese Ratings zeigen auf, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Unternehmen oder Staaten die Schulden am Ende der Laufzeit auch wirklich in vollem Umfang zurückzahlen bzw. ihren Zinsverpflichtungen pünktlich und in dem voll vereinbarten Rahmen nachkommen. Dabei gilt folgende Faustformel: Je höher das Rating, desto geringer ist ein Ausfallrisiko. Folglich sinkt der Zinssatz. Anders herum: Je geringer das Rating, desto höher ist das Risiko. Deshalb sind die Zinssätze bei Top-Schuldnern wie Deutschland auch so niedrig. Bei deutschen Staatsanleihen kriegen Sie einen Coupon, der vielleicht gerade einmal den Wert eines Snickers-Schokoriegel hat, aber dafür können Sie (äußerst) sicher sein, dass Sie am Ende der Laufzeit Ihre Kohle wiederkriegen. Bei Emerging Markets kann das niemand sagen.

Wenn Ihr Bankberater etwas anderes behauptet, dann lügt er. Denn diese Länder sind ja nicht bereit, einen so hohen Zins zu zahlen, weil sie es lustig finden. Sie müssen einen so hohen Zins zahlen, weil sonst keine Investoren bereit sind, ein solch großes Risiko einzugehen. Die 3 einflussreichsten Rating-Agenturen, die über Wohl oder Wehe der Schuldennehmer entscheiden, sind Fitch, Moody s, und Standard&Poor s (S&P). Es gibt noch eine Vielzahl anderer Agenturen, aber die Auf- oder Abstufungen dieser 3 Häuser haben an den internationalen Finanzmärkten das größte Gewicht. Ihre Ratings geben Anlegern die Chance, die Qualität der Staaten oder Unternehmen einzuschätzen, die sich von ihnen Geld leihen wollen. Diese Analyse nennt man in Finanzkreisen auch „Bonitätseinschätzung“. Die Einschätzungen zu einzelnen Ländern oder Firmen finden sie auf den Internetseiten der Agenturen (die www.-Adressen stehen im Anhang).

Das Rating-Spektrum reicht von Triple-A (AAA und damit beste Bonität) bis zu C, wo von einer hohen Ausfallwahrscheinlichkeit ausgegangen werden muss. Die entscheidende Schwelle ist der so genannte „Investmentgrade“, der bei jeder Rating-Agentur unterschiedlich ist. Bei den 3 Großen liegt er bei Triple-B bzw. Baa. Anleihen, die über dieser magischen Schwelle liegen, gelten in Fachkreisen als seriös und sicher (soweit man das bei Emerging Markets sagen kann), während Anleihen, die keinen Investmentgrade besitzen, als hochgradig spekulativ eingestuft werden. Anleihen mit einem „C“ werden häufig auch „Junk-Bonds“ genannt. In Deutsch übersetzt bedeutet das „Schrott-Anleihen“, weil es sehr unsicher ist, ob man am Ende sein eingesetztes Kapital überhaupt zurückbekommt. Diese Anleihen sind aufgrund ihrer extrem hohen Zinskupons zwar sehr reizvoll, eigenen sich aber nur für Anleger mit einer sehr spekulativen Ausrichtung. Hier besteht eine reale Möglichkeit des Totalverlustes.

Zudem gibt es bei Emerging Markets noch die so genannten Brady Bonds, die nach dem ehemaligen US-Finanzminister Nicolas Brady benannt sind. Dabei handelt es Umschuldungsanleihen, bei denen internationale Investoren auf einen Teil ihres Anleihekapitals verzichten und dafür im Gegenzug US-Dollar-gesicherte Brady Bonds mit hohen Zinskupons und extrem langen Laufzeiten erhalten. Der Brady-Markt ist hoch spekulativ und fest in der Hand der professionellen Anleihe-Trader. Für Privatanleger ist dieser Sektor nur sehr schwer zugänglich und ungeeignet. Die Konsequenzen, die diese Ratings für die Schuldner haben, sind klar: Je schlechter das Rating ist, desto weniger Investoren sind bereit, ihr Geld an diesen Schuldner zu verleihen. Warum sollten Sie einem Staat Ihr Geld leihen, der nur über eine BB-Bonität verfügt und damit eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit besitzt? Dann legen Sie es doch lieber in deutschen Staatsanleihen an und können sicher sein, dass Sie am Ende Ihr Kapital zurückbekommen. Um Sie trotzdem dazu zu bewegen, dieses Risiko einzugehen, bietet Ihnen der BB-Staat einen Zinskupon an, der deutlich höher ist als z. B. bei US-Treasuries. Denn sonst ist niemand bereit, an diesem Staat Geld zu verleihen. Damit sind wir auch schon bei den Arten, wie Sie mit Anleihen Profite machen können.

Der klassische Weg basiert auf der „Buy and Hold“-Strategie. Sie kaufen eine Anleihe und freuen sich über die regelmäßigen Zinsausschüttungen. Bei dem zweiten Weg geht es Ihnen in erster Linie nicht um die Zinszahlungen, sondern um das Ausnützen der Kursschwankungen der Anleihen. Aufgrund der im Vergleich zu den Industriestaaten unsicheren politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse schwanken die Börsenkurse der Anleihen von Emerging-Markets-Ländern teilweise gewaltig. Nach Krisen liegen die Kurse von Anleihen oft im Keller, da Unsicherheit herrscht, ob diese Anleihen überhaupt zurückgezahlt werden können. Beruhigt sich dann die Lage, schießen die Anleihekurse nach oben. Hier lassen sich teilweise satte Gewinne im zweistelligen Prozentbereich erzielen, also in Größenordnungen, wie man sie sonst nur von den im Verhältnis zu Anleihen „risikoreicheren“ Aktien kennt.

 

Solche Schwankungen zeigen Ihnen aber auch, dass es ein weit verbreiteter Trugschluss ist, Anleihen aus Emerging-Markets-Ländern bzw. von Unternehmen als sichere Anlageform einzustufen, nur weil es sich um Anleihen handelt. Gewöhnt an die seriösen Rückzahlungen von Top-Schuldnerstaaten wie Deutschland lassen sich Privatanleger gerade bei Staatsanleihen immer wieder Emerging-Markets-Anleihen als angeblich „sichere“ Beimischung aufschwatzen. Machen Sie diesen Fehler auf keinen Fall. Anleihen von Emerging Markets sind nicht mit europäischen oder amerikanischen Anleihen gleichzusetzen, nur weil sie den vermeintlich sicheren Titel „Anleihen“ tragen. Emerging-Markets-Anleihen sind ganz klar als spekulativ einzustufen und müssen dementsprechend niedrig in Ihrem Depot gewichtet werden. Von Russland während der „Wodka-Krise“ 1998 bis Argentinien 2001/02 – in der Vergangenheit ist es immer wieder dazu gekommen, dass Staaten aus Emerging Markets nicht in der Lage waren, ihre Anleihen zurückzuzahlen. Viele Investoren lassen sich von den hohen Kupons von 8% oder sogar 10% blenden. Das sind natürlich Traumrenditen für eine solch konservative Anlageform, die Sie sich als Besitzer einer deutschen Staatsanleihe nie erreichen werden. Aber sie sind eben deshalb traumhaft, weil sie nicht konservativ, sondern risikoreich und spekulativ sind. Denn Sie dürfen niemals vergessen: An der Börse ist nichts umsonst!

Damit kommen wir zu den Risiken von Emerging-Markets-Anleihen. Der entscheidende Faktor ist die Bonität des Schuldners. Den Supergau bildet hier natürlich die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners. Doch Sie müssen noch weitere Risiken beachten. Da ist wie immer das Währungsrisiko. Wie bei Aktien gilt auch bei Anleihen: Wenn Sie eine ausländische Anleihe in einer Landeswährung gekauft haben, und die Währung fällt gegenüber dem Euro, dann erleiden Sie Währungsverluste, die Ihre schönen Zinsgewinne aufzehren. Diesen Risikofaktor können Sie umgehen, indem Sie nur Anleihen kaufen, die in Euro ausgegeben werden. Weitere Faktoren sind die Zinsentwicklungen in dem jeweiligen Land und, ganz wichtig, auch in den Industriestaaten. Denn wenn die Zinsen in vermeintlich „sicheren Häfen“ wie den USA oder Europa steigen, dann reduziert sich der Spread, also die Zinsdifferenz zu den hoch verzinsten, weil risikoreicheren Emerging-Markets-Anleihen.

Es kommt der Punkt, wo die Differenz so gering ist, dass es sich für Investoren nicht mehr lohnt, die höheren Risiken des jeweiligen Emerging Markets einzugehen. Die Folge: Internationales Kapital wird aus den Emerging-Markets-Anleihen abgezogen und in US-Treasuries oder deutsche Bundsanleihen umgeschichtet. Das führt zu Kursverlusten bei Emerging-Markets-Anleihen, deren Marktpreis wie alle Kapitalmarkt-Investments auf Angebot und Nachfrage basiert. Sie sehen also, dass Anleihen aus Emerging-Markets-Ländern keineswegs ein risikoloses Geschäft sind. Die Hochkupon-Anleihen einzelner Emerging-Markets-Länder bieten Ihnen natürlich einen verlockenden Extra-Kick für Ihre Performance. Wenn es zu keinen größeren Krisen kommt. Ansonsten bieten Ihnen diese Bonds ebenfalls den Extra-Kick – aber nach unten. Informieren Sie sich deshalb vor dem Kauf einer Anleihe über die politische und wirtschaftliche Situation des Landes. Auch danach gilt: Anleihen aus Emerging Markets müssen genauso konsequent beobachtet werden wie Aktien. Für Privatanleger sind deshalb Anleihe-Fonds, die sich auf Emerging Markets spezialisiert haben, das beste Anlageinstrument. Diese Fonds investieren in unterschiedliche Anleihen mit verschiedenen Restlaufzeiten aus den verschiedensten Ländern. Sie reduzieren also Ihr Risiko. Ein weiteres Plus: Die Fondsmanager versuchen, durch gezielte Käufe und Verkäufe der Anleihen die Kursschwankungen für Extra-Gewinne auszunutzen. Hier gibt es ganz hervorragende Fonds, die herausragende Performances für ihre Kunden erzielen.

 

Anlegen mit Zertifikaten – Die Spezialisten für Ihr Investment

Ich gebe es offen zu: Ich bin ein großer Fan und glühender Verfechter von Zertifikaten. Der Hauptgrund: Zertifikate sind in ihrer Gebührenstruktur deutlich billiger als Fonds.

Ich muss hier allerdings auch klar sagen, dass Geiz nicht immer geil sein muss. Es gibt gerade im Bereich der Emerging Markets absolute Star-Fonds, die jeden Cent ihrer Gebühren wert sind und den Anlegern trotz der höheren Kosten mehr Performance eingebracht haben als das günstigere Indexzertifikat. Leider sind solche Managementleistungen nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Der Grund: Fondsmanager stehen unter massivem Leistungsdruck, dass sie nicht schlechter als die Benchmark sein dürfen (sonst gibt es nämlich am Fiskaljahresende keinen Bonus). Also bilden die meisten Fondsmanager einfach den Index so gut es geht nach, denn dann ist die Chance deutlich kleiner, dass man schlechter als die Benchmark ist. Aber dann können Sie eben auch direkt auf deutlich günstigere Indexzertifikate setzen. Der zweite große Vorteil von Zertifikaten ist, dass es viele Spezialzertifikate gibt. Doch der Reihe nach. Grundsätzlich gibt es 3 verschiedene Arten von Zertifikaten:

  1. Auf Börsenindizes
  2. Auf Einzelaktien
  3. Auf einen Korb von Einzelaktien, die unter einem bestimmten Thema ausgewählt werden (z. B. chinesische Internet-Aktien). Diese künstlichen Kreationen tragen den

 

Namen „Basket-Zertifikate“. Der Klassiker in der Zertifikate-Welt ist das „Indexzertifikat“. Hier werden alle Aktien eines bestimmten Index nach ihrer Gewichtung 1:1 widergespiegelt. Mit diesen Zertifikaten decken Sie also einen Index wie z.B. den ungarischen BUX ab und profitieren vom Anstieg des Index, ohne die einzelnen Aktien alle selbst kaufen zu müssen. Allerdings auch ohne einen Hebel wie bei den Turbo-Zertifikaten, was das Risiko herausnimmt und Indexzertifikate für konservative Anleger interessant macht. Die Vorteile sind ähnlich wie bei einem Fonds: Sie können für wenig Geld eine große Anzahl an Aktien erwerben und so das Risiko durch diese Diversifizierung minimieren. Allerdings müssen Sie bei Emerging-Markets-Zertifikaten einen kleinen, aber feinen Unterschied beachten:

Sie müssen genau nachlesen, ob es sich um ein Indexzertifikat (das einen Index 1:1 widerspiegelt) oder um ein Zertifikat handelt, was sich nur an dem Index orientiert. Das Zweite bedeutet nämlich, dass der Index nicht 1:1 abgebildet wird, sondern einzelne Positionen anders gewichtet werden können. Hier kann es also durchaus sein, dass bei Index-orientierten Zertifikaten die Einzelpositionen so eine große Gewichtung haben, dass dieses Zertifikat gar nicht richtig diversifiziert ist. Denn wenn genau dieser Wert nicht läuft, dann kommt Ihr Zertifikat nicht von der Stelle, obwohl der Index als Ganzes eine Rallye aufs Parkett legt. Die nötigen Informationen über die Struktur der Zertifikate und die Gewichtungen der einzelnen Positionen erhalten Sie auf den Internetseiten der verschiedenen Emittenten.

Der Bereich der Zertifikate auf Einzelaktien aus Emerging Markets ist derzeit noch sehr begrenzt. Das interessanteste Zertifikat bei Einzelaktien ist das Discount-Zertifikat, welches vor allem interessant ist, wenn der Basiswert seitwärts läuft oder nur begrenzt steigt oder fällt. Allerdings gibt es solche Discount-Zertifikate auf Emerging-Markets-Aktien bisher kaum. Die Banken haben derzeit lediglich (erst) einige Zertifikate auf wenige, ausgesuchte Titan-Aktien im Angebot. Aber es zeigt sich, dass die Anzahl der Zertifikate auf Einzelaktien mit dem unaufhaltsamen Anstieg der Emerging Markets weiter wachsen wird. Wirklich interessant machen das Zertifikate-Segment vor allem die immer zahlreicher werdenden Spezial-Zertifikate, die so genannten Basket-Zertifikate.

Hier dient ein bestimmter Themenkorb (im englischen heißt Korb „Basket“, daher der Name), z. B. chinesische HAktien, als Auswahlkriterium. Nach diesem Thema wird der Korb dann von dem Emittenten mit den entsprechenden Aktien gefüllt und darauf dann das Zertifikat begeben. So haben Sie die Chance, nicht nur auf einzelne Märkte zu setzen, sondern auch spezifische Marktentwicklungen, wie eben die Sonderchancen bei H-Aktien (lesen Sie dazu Kapitel 4.1) zielgerichtet zu spielen und das Potenzial optimal auszunutzen. Besonders interessant sind Basket-Zertifikate, die verschiedene Aktienmärkte einer bestimmten Region abdecken.

Dadurch haben Anleger nämlich die Chance, mit den Kauf eines einzigen Zertifikates gleich mehrere, völlig unterschiedliche Börsenthemen abdecken zu können. In Tabelle 7 sehen Sie einige der ausgefallenen Emerging-Markets-Produkte, die Sie auf dem Zertifikate-Markt erwerben können. So haben Sie die Chance, mit einem geringen Kapitaleinsatz trotzdem verschiedene Märkte abzudecken. Wie Sie sehen, haben Sie durch die speziellen Basket-Zertifikate die Chance, einzelne ausgefallene Themen oder seltene Emerging Markets zu spielen. Gleichzeitig erreichen Sie mit einem geringen Kapitaleinsatz eine gute Diversifikation ihres Investments.

Sehr positiv ist eine noch relativ junge Entwicklung im Zertifikate-Sektor: die Quanto-Zertifikate. Der Zusatz „Quanto“ besagt, dass diese Zertifikate einen Währungsschutz eingebaut haben. Das Risiko der Währungsschwankungen ist also ausgeschaltet, was allerdings zu Lasten der Performance geht. Denn der Emittent muss ja einen bestimmten betrag Ihres eingezahlten Geldes für die Währungssicherung investieren. Inzwischen bieten sogar einige Emittenten für ausgewählte Zertifikate Sparpläne (wie bei Fonds) an. Eine hervorragende Entwicklung. Fragen Sie diesbezüglich bei dem jeweiligen Emittenten an. Allerdings gibt es bei Zertifikaten auch Nachteile. Vor allem bei den zu Recht beliebten Index-Zertifikaten. Denn hier können Sie nie besser als der Index sein, da dieser ja 1:1 nachgebildet wird.

Wenn die Märkte steigen, ist das kein Thema, aber wenn die Märkte fallen oder seitwärts laufen, sind Sie auch 1:1 mit dabei und eine Outperformance ist nicht möglich. Zudem gibt es auch bei Zertifikaten einige Schwächen im Kleingedruckten. So erheben immer mehr Banken inzwischen eine so genannte Managementgebühr. Diese findet sich vor allem bei Basket-Zertifikaten, wo die Aktienkörbe normalerweise 1-mal im Jahr an die Marktentwicklung angepasst werden. Außerdem erhalten Sie bei fast allen Zertifikaten keine Dividende. Die behält die Bank ein, um so die Kosten für das Zertifikat zu kompensieren. Aber wie Sie wissen, können die Dividendenzahlungen bei Emerging-Markets-Unternehmen beträchtlich sein. Ein weiterer Nachteil: Viele Zertifikate, vor allem älteren Auflegungsdatums, besitzen eine Laufzeitbegrenzung. So läuft das Discount-Zertifikat der Raiffeisen Centrobank auf den rumänischen ROTX-Index noch bis zum 30.08.2006. Aber dann ist Schluss. Einen Tag nach dem Auslaufen des Zertifikates erhalten Investoren den Wert ihrer Zertifikate ausbezahlt und das war es. Bei Zertifikaten mit einer Restlaufzeit von über 1 Jahr ist das nicht so problematisch. Aber bei Zertifikaten, die spätestens innerhalb eines Jahres auslaufen, ergeben sich 3 nicht zu vernachlässigende Probleme:

  1. Zum Laufzeitende müssen Sie das Zertifikat verkaufen, egal ob Sie im Gewinn oder Verlust liegen.
  2. Gewinne sind voll zu versteuern, da sie innerhalb der 12-monatigen Spekulationsfrist liegen.
  3. Wenn Sie langfristig von einem Markt oder einem Thema des Zertifikates überzeugt sind, stehen Sie nach dem Ablauf ohne Investment da.

 

Die Banken haben inzwischen jedoch gelernt, dass diese zeitliche Begrenzung bei Zertifikate-Anlegern, die vornehmlich aus dem konservativen Lager mit langfristigen Anlagehorizonten kommen, aufgrund der schwergewichtigen Nachteile nicht sehr beliebt ist. Daher sind die meisten neu aufgelegten Zertifikate heutzutage „Open End“, also ohne eine Laufzeitbegrenzung. Diese Zertifikate können Sie also bis zur nächsten Eiszeit halten. Damit umgehen Sie alle oben aufgelisteten Probleme. Ich rate Ihnen daher, nur „Open End“- Zertifikate zu kaufen, es sei denn die Kennziffern sind bedeutend schlechter gegenüber einem vergleichbaren Zertifikat mit Laufzeitbegrenzung.

Das Fazit lautet: Zertifikate sind sozusagen die Emerging Markets in der Welt der Anlageprodukte. Ihnen gehört die Zukunft. Deshalb bringen die Emittenten auch ständig neue oder erweiterte Zertifikate auf den Markt. Jedes großes Finanzinstitut und jede Investmentbank hat heute eigene Zertifikate auf dem Markt. Es lohnt sich deshalb immer, im Internet nach neuen Produkten zu schauen, die auf den Markt gekommen sind. Hier stößt man immer wieder auf fantastische Perlen. Für das Research eignen sich neben den Homepages der Banken primär Internetseiten, die sich auf die Zertifikate-Industrie spezialisiert haben. In der Branche haben sich vor allem die ABN-Amro, die Société Générale und die Raiffeisen Centrobank einen Namen als besonders innovative Emittenten für Emerging Markets gemacht.

 

Anlegen mit Optionsscheinen & Hebelzertifikaten- Das Glücksspiel

Gerade bei Privatanlegern stehen Optionsscheine und Hebelzertifikate, auch „Turbo-Zertifikate“ genannt, sehr hoch im Kurs. Dabei können Sie diese Warrants (so der englische Name) auf Aktienindizes oder auf Einzeltitel aus Emerging Markets erwerben. Der Reiz von Warrants setzt sich aus 3 Komponenten zusammen: Durch den hohen Hebel besitzen Sie enormes Gewinnpotenzial, die ein Vielfaches über den Chancen des Basiswertes liegen. Gleichzeitig ermöglicht Ihnen der Hebel, diese Gewinne über einen deutlich kürzeren Zeitraum zu erzielen, als dies mit dem Basiswert dauern würde. Und drittens brauchen Sie aufgrund des höheren Hebels nur ein Bruchteil des Kapitals, das Sie in den Basiswert investieren müssten, um die gleichen Gewinne zu erzielen. Damit ist klar, warum gerade Privatanleger mit wenig Kapital Warrants so lieben.

Denn die Rechnungen sind immer die gleichen: Wenn Sie ein Turbo-Long-Zertifikat mit einem Hebel von 10 auf beispielsweise den chinesischen Hang Seng-Index kaufen und der Index steigt in 3 Monaten um 15%, dann haben Sie mit dem Schein in 90 Tagen satte 150% verdient. Das ist eine tolle Sache. Nicht so toll ist, dass dieser Faktor 10 eben auch in die andere Richtung wirkt. Sprich: Wenn der Hang Seng-Index in 1 Woche nur um 6% fällt, rauscht Ihr Schein in 7 Tagen mal eben um 60% in den Keller. So schnell können Sie gar nicht „Verkaufen!“ ins Telefon brüllen, wie das passiert. Dieses Risiko wird von Privatanlegern aber gerne übersehen. Dabei reden wir hier nicht von „Risiko“ wie ein Sprung ins Nichtschwimmerbecken ohne Badekappe. Wir reden hier vom „vollen Risiko“ bis zum Totalverlust.

Inzwischen gibt es Optionsscheine und Hebelzertifikate auf die Indizes fast aller großen Emerging Markets. Bei Einzelaktien ist die Auswahl aber noch nicht sehr groß. Dieser Bereich kommt erst jetzt langsam in Fahrt. Bis auf globale Titan-Aktien wie Samsung finden Sie auf die meisten Einzelwerte aus Emerging Markets häufig nur 2 oder 3 Scheine. Bei exotischeren Aktien, auf die Derivate vor allem dann aufgelegt werden, wenn sich Aktien extrem populär sind (wie chinesische Internet-Aktien), gibt es meist sogar nur 1 einzigen Schein. Das ist selbst für Optionsschein-Experten viel zu wenig. Denn gerade bei Derivaten ist es besonders wichtig, dass Sie den Schein mit den besten Kennzahlen für das Szenario finden, dass Sie prognostizieren.

Das bedeutet, dass Sie aufgrund des fehlenden Angebotes sehr häufig auf Optionsscheine zurückgreifen müssen, die nicht optimal sind (z. B. zu kurze Laufzeit oder zu hohe Knock-out-Barriere). Damit gehen Sie ein Risiko ein, das für Sie absolut nachteilig ist. Aber wie ich Ihnen bereits erklärte, muss Ihr Ziel bei Investitionen in Emerging Markets immer sein, alle kalkulierbaren Risikofaktoren so weit wie irgend möglich zu reduzieren. Unkalkulierbare Faktoren gibt es noch genug, wie beispielsweise politische Unruhen oder Korruptionsskandale. Solche Faktoren und Zufälle können Sie nicht beeinflussen. Deshalb macht es nach meiner Meinung gerade für Emerging-Markets-Einsteiger keinen Sinn, mit Optionsscheinen und Turbo-Zertifikaten auf Indizes oder sogar Einzeltitel aus Schwellenländern zu setzen. Das Risiko ist zu groß.

Die Anlage in Emerging Markets bietet so schon überdurchschnittliche Gewinnchancen. Da brauchen Sie keinen zusätzlichen Hebel über Derivate. Dazu kommt noch ein weiterer wichtiger Punkt, den Privatanleger häufig vergessen: Der zeitverschobene Handel der meisten Emerging Markets gegenüber der europäischen Zeitzone. Das gilt besonders für den asiatischen Handel. Denn die Märkte öffnen, wenn Sie in Deutschland gerade ins Bett gehen. Das heißt: Wenn Sie wirklich bereit sind, mit hoch gehebelten Derivaten maximales Risiko zu gehen, dann wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Kaffee kochen. Denn den werden Sie in Gießkannen-Größenordnungen brauchen, wenn Sie die Nächte über wach bleiben wollen, um die asiatischen Märkte zu verfolgen. Alles andere kommt sonst nämlich nur noch einem Glückspiel gleich.

Da gehen Sie abends ins Bett und wünschen sich zu Weihnachten einen neuen Rasierer und steigende Kurse in China. Wenn das eintritt, dann haben Sie Glück gehabt (ich meine China, nicht den Rasierer). Aber wenn nicht, dann sind Sie geliefert. Knicken die asiatischen Märkte über Nacht ein, dann wird Ihr Optionsschein am nächsten Morgen zur europäischen Handelseröffnung so zusammengefaltet, dass Ihnen kein Stopp-Kurs auf diesem Planeten mehr hilft.

Dieses Risiko können Sie nur umgehen, wenn Sie die asiatischen Märkte nachts genau verfolgen, um rechtzeitig reagieren zu können und über ein Depot an der jeweiligen asiatischen Börse oder eine außerbörsliche Handelsplattform verfügen, über die Sie 24 Stunden am Tag traden können. Bringen wir es auf den Punkt: Optionsscheine und Turbos sind durchaus gute und vor allem gewinnbringende Produkte, wenn Sie wissen, wie man sie richtig einsetzt. Aber angewendet auf Emerging Markets sind etwas für hoch spekulative Adrenalin-Junkies, die für enorme Gewinnchancen bereit sind, allerhöchstes Risiko zu gehen. Mit einer seriösen Anlage, sei es unter Investment- oder Trading-Gesichtspunkten, hat das nichts mehr zu tun.

Wenn Sie sich trotzdem auf der Jagd nach schnellen Gewinnen die Nächte um die Ohren schlagen wollen, dann kann ich Ihnen zumindest 2 Dinge versprechen: 1. Die Wahrscheinlichkeit steht mit einer vernichtenden Übermacht gegen Sie. Zahlreiche Statistiken zeigen, dass Sie am Ende Geld verlieren werden. Studien haben belegt, dass ca. 70% aller Trades mit Optionsscheinen am ende wertlos verfallen. Die Chancen auf die rechnerisch so großen Gewinne stehen also statistisch 3:7 gegen Sie. 2. Vielleicht verdienen Sie aber viel Geld (wahrscheinlich jedoch nicht). Doch diese Gewinne werden Sie auch brauchen. Denn nach 2 Monaten mit durchgearbeiteten Nächten werden Sie aussehen wie Quasimodos hässlicher Bruder und keine Frau wird sich mehr ohne Ihr dickes Portmonee mit Ihnen unterhalten.

 

Anlegen mit Devisen und Immobilien – El Dorado für Insider

Neben den bekannten Arten „Anleihen“, „Derivaten“ und „Aktien“ (ob über Fonds, Zertifikate oder Einzelwerte) gibt es natürlich noch weitere Möglichkeiten, um in Emerging Markets Geld zu verdienen. Dabei handelt es sich um die Bereiche Devisen und Immobilien. Um es direkt vorweg zu nehmen: Beide Anlageformen sind nur etwas für Profis. Sie eigenen sich eigentlich nicht für Privatanleger, von Anfängern ganz zu schweigen. Ich möchte hier vor allem auf die Devisenseite eingehen, da diese für Privatanleger deutlich leichter zugänglich und damit auch häufiger genutzt wird als der Immobilienhandel.

Beim Devisenhandel spekulieren Sie darauf, dass eine Währung gegenüber einer anderen Währung (die so genannte Crossrate oder Währungspaar) steigt oder fällt. Denn wie Ihnen ja aus Kapitel 3.4 bekannt ist, geht es beim Devisenhandel kurz zusammengefasst um die Entwicklung von 2 Währungen zueinander. So setzen Sie zum Beispiel bei der Crossrate USD/ZAR (südafrikanischer Rand) darauf, dass der USD gegenüber dem ZAR steigt oder fällt. Ausschlaggebend für die Entwicklung eines Währungspaares sind die volkswirtschaftlichen und politischen Entwicklungen des jeweiligen Landes. Sie wissen wie es läuft: Boomt es am Kap der guten Hoffnung und in den USA fliegt den Cola-schlürfenden Amerikanern gerade der aufgeblasene Immobilienmarkt um die Ohren, dann wird der ZAR gegen den USD steigen.

Ein Beispiel: Es stehen morgen wichtige Wirtschaftsdaten aus Südafrika an. Aufgrund Ihrer Nachforschungen gehen Sie davon aus, dass diese gut ausfallen werden. Gleichzeitig waren die letzten Daten aus den USA schlecht und die charttechnische Situation des USD deutet auf fallende Kurse hin. Es gibt 2 Arten, wie die Mehrheit der Privatanleger Devisen handeln. Nämlich über ein Währungskonto oder über Derivate, mit denen Sie auf einen steigenden ZAR oder einen fallenden USD bzw. umgekehrt wetten. Bei einem Währungskonto handelt es sich um ein Konto, das nicht in Euro, sondern in der jeweiligen Landeswährung, z. B. polnischer Zloty, geführt wird. Für dieses Depot kaufen Sie in unserem Beispiel für Euro südafrikanische Rand. Währungskonten haben einen 3-fachen Charme:

Zum einen kaufen Sie die ausländische Währung, also ZAR, und lassen Sie auf dem Konto liegen. Steigt der ZAR im Wert, bekommen Sie später mehr Euro zurück, wenn Sie den Betrag wieder in Euro umtauschen. Zudem erhalten Sie die Landeszinsen, die meist deutlich über den deutschen Sätzen liegen. Und drittens eignen sich Fremdwährungskonten hervorragend als Absicherung gegen Währungsrisiken. Darauf gehe ich gleich noch einmal ein. Allerdings lohnen sich Währungskonten nur bei großen Beträgen, denn die Gebühren sind deutlich höher als bei deutschen Konten. Um also richtig Profit aus den schwanken Wechselkursen zu machen, müssen Sie schon mindestens 5-stellige Summen einsetzen. Zudem sind Währungskonten nicht ohne Risiko. Denn wenn der Zloty fällt, erleiden Sie hohe Verluste, die auch durch die üppigen Zinszahlungen nicht mehr ausgeglichen werden können. Gerade bei Emerging-Markets-Währungen sind solche extremen Schwankungen durchaus an der Tagesordnung.

So fiel der argentinische Peso während der Argentinien-Krise 2002 in 6 Monaten um brutale 75%. Deutlich häufiger als mit Fremdwährungskonten, die sich vor allem für die Großanleger mit den ganz dicken Geldkoffern eignen, setzen Privatanleger am Devisenmarkt auf Optionsscheine oder Hebelzertifikate. Denn hier lassen sich durch die Hebel schon mit kleinen Kapitaleinsätzen große Gewinne machen. Denn wenn Sie also Optionsscheine auf einen steigenden ZAR kaufen und die Zahlen aus Südafrika fallen besser als erwartet aus, dann wird der ZAR steigen, Ihr Optionsschein explodiert und Sie machen blitzschnell dicke Gewinne. Das klingt erst einmal toll und vor allem sehr verlockend.Aber lassen Sie die Risiken bitte nicht außer Acht.

Ja, es stimmt: In keinem Markt geht tagtäglich ein solches Umsatzvolumen über den Tisch wie im Devisenmarkt. Sie haben richtig gelesen: Auf dem Devisenmarkt wird sogar noch mehr Geld verschoben als auf dem Aktienmarkt. Und nirgendwo können Sie so schnell so große Gewinne machen. Aufgrund der exorbitanten Hebel der Devisen-Derivate ist es teilweise möglich, über 100% zu machen, wenn eine Währung nur wenige Cent steigt oder fällt. Aber nirgendwo können Sie auch so schnell so hohe Verluste machen. Ich kann Ihnen hier offen sagen: Ich beschäftige mich nun schon seit Jahren mit Emerging Markets und ich habe privat noch nicht einmal einen leeren Joghurtbecher in Devisenspekulationen mit Emerging Markets-Währungen investiert. Das ist mir viel zu risikoreich. Da haben Sie und ich keine Chance.

Bei exotischen Crossrates zwischen Euro bzw. USD und einer drittklassigen Kokosnuss-Währung ist das Risiko einfach exorbitant hoch. Denn wie Sie ja wissen reagieren Devisen hoch sensibel auf politische, wirtschaftliche und bei Emerging Markets sogar auf geologische Entwicklungen. Bis Sie erfahren haben, dass in Südostasien ein rebellierender General mit 20 geklauten Panzern zu einem Putschversuch auf die Hauptstadt zurast, ist die Währung gegenüber dem USD längst in den Keller gerauscht und Ihr Derivat mit Totalverlust vernichtet worden. Zudem schwebt vor allem bei wirtschaftlich instabilen Emerging Markets die Gefahr mit, dass die Regierung urplötzlich die eigene Währung abwertet, wie es in Indonesien oder Thailand während der „Asien-Krise“ 1997 geschah. Bei Währungsabwertungen entscheidet sich die Regierung dazu, freiwillig die Währung gegenüber anderen Währungen herunterzusetzen, um so z. B. hohe Leistungsbilanzdefizite zu bekämpfen. Dieser radikale Schritt führt dazu, dass sich der Großteil des Wertes der Landeswährung von einer Sekunde auf die andere in Luft auflöst. So brach die indonesische Rupie nach der Abwertung um unglaubliche 85% ein.

Am Devisenmarkt zählen Sekunden. Wenn Sie nicht den gesamten Tag uneingeschränkten Zugang zu Ihrem Computer, Nachrichtensendern und Ihrem Depot haben, dann lassen Sie die Finger vom Devisenmarkt. Dieses Börsensegment ist nur etwas für Vollprofis und Hyperaktive mit einem leichten Sado-Maso-Drang zur Schmerzerduldung. Neben der traditionellen direkten Spekulation auf die Entwicklung eines bestimmten Währungspaares gibt es im Devisenmarkt noch einen zweiten Bereich: das so genannte Hedging. Hedging ist einer der zentralen Bestandteile einer konservativen Emerging-Markets-Strategie. Denn beim Hedging geht es nicht um schnelle Währungsgewinne, sondern um mittel- bis langfristige Absicherungen gegen Währungsverluste, welche die Performance Ihres Depots belasten könnten. Sie wollen also durch Anlagen am Devisenmarkt so hohe Gewinne erzielen, dass dadurch die Währungsverluste in Ihren Investitionen ausgeglichen werden. Damit wird die Währungsseite zum Nullsummenspiel und die Performance Ihres Depots wird nur noch auf eine, aber dafür die entscheidende Komponente reduziert: die Entwicklung des Aktienmarktes. Sie wollen also keinen zusätzlichen Profit machen, sondern Ihre Investments lediglich gegen die Währungsrisiken absichern. Die Sache hat nur 2 Haken:

  1. Es ist für Privatanleger äußerst schwer, aufwendig und vor allem kostspielig, die Depots gegen Verluste von exotischen Währungen abzusichern.
  2. Wenn Sie eine Währungssicherung in Ihr Depot einbauen, kostet Sie das natürlich Performance. Denn Sie müssen einen Teil Ihres Kapitals in die Währungssicherung anlegen, den Sie sonst in den jeweiligen Emerging Market investiert hätten.

 

Beide Nachteile möchte ich Ihnen kurz an einem stark vereinfachten Beispiel verdeutlichen: Sie haben 20.000,- Euro zu gleichen Teilen in die 4 BRIC-Staaten verteilt. Nun wollen Sie sich gegen alle 4 Währungsrisiken (brasilianischer Real, russischer Rubel, indische Rupie, chinesischer Yuan) absichern. Dafür müssen Sie folgende Rechnung aufmachen: Als Daumenregel: Es ist üblich, eine Größenordnung von ca. 10% der einzelnen Positionen (die bei 5000 Euro pro Land liegen) in die Währungsabsicherungen zu investieren. Das wären also 500 Euro pro Land. Da sehen Sie schon den ersten Nachteil: Bei einer Ordergröße von gerade einmal 500 Euro schlagen die Gebühren selbst bei Discountbrokern richtig durch. Das wird teuer. Als Nächstes müssen Sie ein Derivat finden, dessen Hebel so hoch ist, dass der Gewinn der Währungssicherung von 500 Euro die Verluste des Depots von 4.500 Euro kompensiert. Das ist in diesem Fall leicht.

Wir brauchen einen Hebel von 10, was für den Devisenbereich schon als „konservativ“ gilt. Denn wenn z. B. die indische Rupie um 10% fällt (bei unveränderten Aktienkursen), schrumpft der Wert Ihres Depots um 450 Euro (10% von 4.500 Euro) auf 4.050 Euro. Gleichzeitig verdoppelt sich aber Ihr Hedge-Optionsschein (10% Währungsgewinn x Hebel von 10 =100%). Hier sind also aus 500 Euro jetzt 1.000 Euro geworden, womit Sie die Währungsverluste von 450 Euro komplett ausgeglichen haben. Hier sehen Sie dann auch den zweiten Haken: Anstatt 5.000 Euro in Indien zu investieren, können Sie nur 4.500 Euro anlegen. Wie setzen Sie Hedging also effizient um?

Setzen Sie bei der Auswahl Ihrer Fonds und Zertifikate für die 60% sichere Anlage auf währungsgesicherte Produkte. Viele Fonds bieten inzwischen eingebaute Währungssicherungen an. Das heißt: Sie brauchen sich hier um nichts zu kümmern. Zudem gibt es immer mehr währungsgesicherte Zertifikate (der Fachterminus lautet „Quanto-Zertifikate“). Lesen Sie dazu den Emissionsprospekt oder rufen Sie bei dem jeweiligen Emittenten an. Wie Sie wissen kostet Sie diese Sicherung natürlich Performance, aber dann haben Sie von dieser Seite aus kein Risiko mehr zu befürchten. Bei den spekulativen 30%, insbesondere bei einem Kauf von Einzelaktien, macht eine eigene Währungssicherung nur Sinn, wenn Sie große Positionen halten (also ab 5.000 €pro Position aufwärts). Stattdessen können Sie das Risiko abfedern, indem Sie Ihr Kapital für die spekulativen 30% über verschiedene Emerging Markets verteilen.

So fallen die Währungsschwankungen nicht so ins Gewicht. Wie bereits erwähnt, sind Fremdwährungskonten eine weitere Hedging-Möglichkeit. Dabei kaufen Sie aus dem Konto mit der jeweiligen Landeswährung, z. B. Rand, dann südafrikanische Aktien. Da Sie direkt in Rand handeln, gibt es kein Währungsrisiko bei Anund Verkauf. Die Wechselkurse sind für Sie erst wieder relevant, wenn Sie das Konto schließen und der Betrag in Euro umgerechnet wird. Die Vorteile sind klar: Die Wechselkurse spielen erst eine Rolle, wenn Sie einen Teil Ihres Kapitals in Euro zurücktauschen oder das Konto schließen. Das bedeutet sogar, dass Sie zusätzlich schöne Währungsgewinne erzielen können, wenn Sie die Kontoschließung geschickt auf einen steigenden Rand-Kurs gegenüber dem Euro abstimmen. Die Nachteile liegen auf der Hand:

  1. Um die Währungsgewinne auszuspielen, muss das Kapital auf dem Konto bleiben und kann nicht flexibel von Ihnen eingesetzt werden. Deshalb machen Fremdwährungskonten wenn überhaupt nur für Emerging Markets Sinn, in die Sie konstant investiert sein wollen. Dabei handelt es sich meist um die BRIC-Staaten.
  2. Ansonsten brauchen Sie ja für jeden popeligen Emerging Market ein eigenes Fremdwährungskonto, und das macht bei den überdurchschnittlich hohen Gebühren nur bei großen Beträgen Sinn.

 

Home sweet home – Immobilien in Emerging Markets

Bei den Immobilien sieht die Sache etwas anders aus als bei Devisenspekulationen. Hier sind die unmittelbaren Risiken deutlich kleiner, aber keineswegs gering. Die größten Chancen haben Sie natürlich in den Schwellenländern der Level 1 und 2 sowie in den Entwicklungsländern. Da sich diese Länder von dem Sprung zur Industrienation noch weiter weg befinden als NIC-Staaten, sind die Immobilienpreise günstiger und der Gewinnhebel dementsprechend hoch. Das hat jedoch dazu geführt, dass es in der Vergangenheit mit jedem Börsenboom in kleineren Emerging Markets auf deren Immobilienmärkten zu wüsten Spekulationsblasen gekommen ist, die immer wieder in massiven Einbrüchen endeten. Denn mit dem Aufstieg eines Landes stiegen auch die Direktinvestitionen, was immer in einem massiven Anstieg der Immobilienpreise resultierte.

Was folgte, war eine zum Platzen aufgepumpte Immobilienblase, die dann mit der ersten schweren Krise an den Kapitalmärkten in einem Knall zersprang, den man bis nach Travemünde hören konnte. Dazu kommt noch eine weitere Frage: Wie wollen Sie seriöse Immobilien-Investments in Ländern tätigen und dann auch noch verwalten, die 8 bis10 Flugstunden weit weg sind? Es kann durchaus sein, dass es 10-20 Jahre dauert, bis ein Level-2-Schwellenland auf NICStandard aufrückt. Und Sie kennen die Weisheit: „Eigentum verpflichtet.“ Eventuell haben Sie also 10-20 Jahre lag mit der Instandhaltung, Vermietung und Verwaltung zu kämpfen. Von den örtlichen Behörden und deren Bürokratien ganz zu schweigen. Wenn Sie sich über die deutsche Bürokratie schon aufregen, was meinen Sie, wie es in Ländern ist, wo Gesetze und Verwaltungsauflagen montags je nachdem verändert werden, ob der lokale Fußball-Club am Samstag sein Heimspiel gewonnen hat?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Prinzipiell halte ich Immobilien in Emerging Markets für eine hervorragende Geldanlage, denn die Wertsteigerungen sind enorm. Jeder der sich mit der Geschichte der superreichen Familien in Europa beschäftigt hat, weiß, dass der Großteil ihrer Vermögen immer auf Immobilienspekulationen gegründet wurde. Aber in diesem Fall sollten Sie das Feld den Immobilienprofis überlassen. Eine von mir bevorzugte Alternative sind – statt einem Direktinvestment (Hauskauf) – Aktien von Immobilienfirmen aus den jeweiligen Emerging-Markets-Ländern. Auch Aktien von Versicherungen oder Banken eignen sich, um von steigenden Immobilienpreisen zu profitieren. Denn diese Großkonzerne besitzen meist weit reichende Immobilienbeteiligungen und wissen natürlich genau, in welchen Stadtteilen und Regionen die Sahnestücke liegen.

So bin ich beim Immobilienboom dabei, habe aber nicht den ganzen Rattenschwanz eines direkten Häuserkaufes am Hals. Abschließend lässt sich also sagen, dass es ein weites Spektrum an unterschiedlichen Möglichkeiten gibt, um mit dem Boom der Emerging Markets Geld zu verdienen. Aber nicht jede Möglichkeit ist für Privatanleger praktikabel. Devisenspekulationen sind nur etwas für Vollprofis, die einen Dauerpuls von 180 brauchen. Immobilen sind hoch interessant, aber für Privatanleger, die in Deutschland leben, kaum realisierbar. Dieser Sektor eignet sich nur für Fachleute mit exzellenten Kontakten in die jeweilige Region. Dann bieten sich allerdings unter Berücksichtigung der Risiken die Möglichkeiten auf sehr große Gewinne.

 

Anlegen mit Aktien – Die Königsdisziplin

Keine Anlageform (mit Ausnahme von Warrants, lesen Sie dazu bitte auch Kapitel 5.4) bietet Ihnen bei Ihren Investments in Emerging Markets so explosive Gewinnchancen wie die direkte Anlage in einzelne Aktien. Mit der richtigen Aktienauswahl können Sie den Index locker um den Faktor 2,3 oder sogar noch mehr schlagen.

Aber, und hier kommt das dicke „aber“: Keine Aktienanlage, vielleicht mit Ausnahme der schwer verständlichen, aber äußerst zukunftsträchtigen Nanotechnologie, ist so komplex wie die in Emerging-Markets-Unternehmen. Dabei hilft es, sich noch einmal zu erinnern, was eine Aktienanlage eigentlich bedeutet: Sie werden durch den Kauf Teilhaber eines Unternehmens. Ihnen gehört dann ein Teil dieser Firma. Das bedeutet, dass Sie sich natürlich im Vorfeld so gut wie irgend möglich über diese Firma informieren müssen. Schließlich wollen Sie sich mit Ihrem teuren Geld ja an keinem Luftschloss beteiligen. Dank dem Internet ist es jedoch auch Privatanlegern möglich, sich recht einfach ausgiebig über einzelne Unternehmen von Argentinien bis Zaire (1997 umbenannt in „Demokratische Republik Kongo“) zu informieren.

Das ist auch dringend nötig, denn die Risiken sind natürlich bei einem Investment in eine Einzelaktie deutlich höher als bei einem Fonds. Zudem eignet sich nicht jede Emerging-Markets-Aktie für ein seriöses Investment. Einige Grundvoraussetzungen müssen gegeben sein, damit eine Aktie als Anlageform überhaupt infrage kommt. Die wichtigste Voraussetzung ist die ausreichende Liquidität einer Aktie an den Börsen. Es müssen genügend Aktien gehandelt werden, damit ein solcher Wert ernsthaft in Betracht genommen werden kann. Aktien, bei denen es über Wochen gar keine Umsätze gibt oder die täglichen Handelvolumina (das setzt sich zusammen aus Aktienkurs multipliziert mit den gehandelten Aktien) unter 10.000 Euro liegen, eignen sich wenn überhaupt nur für spekulative Stufel-4-Engagements.

Gerade bei Emerging-Markets-Aktien stoßen Sie häufig auf atemberaubende Charts von kleinen Werten aus der 2. Reihe, die eine Performance von mehreren 100% oder sogar Verzehnfachungen aufweisen. Aber diese Anstiege waren für Anleger so überhaupt nicht nachzuvollziehen, weil zu den tiefen Kaufkursen und den unglaublichen Höchstkursen nie genügend Aktien gehandelt wurden, und in der Realität kaufen und verkaufen zu können. Grundsätzlich muss für Sie gelten: Sie kaufen an dem Börsenplatz, wo Sie mindestens eine ausreichende Liquidität finden, um problemlos Aktienpositionen eröffnen und schließen zu können. Dafür brauchen Sie aber nicht zwangsläufig den Handelsplatz mit den größten Umsätzen, denn das ist normalerweise die jeweilige Heimatbörse. Es müssen nur genügend Umsätze vorhanden sein.

Neben den Heimatbörsen gibt es 3 große internationale Handelsplätze, die sich für einen seriösen Handel mit Emerging- Markets-Aktien eignen. An erster Stelle steht natürlich die Wall Street. Am größten Finanzplatz der Welt finden Sie auch die größten Umsätze für Emerging-Markets-Aktien. Scheuen Sie sich nicht davor, an der NYSE zu kaufen, wenn bei einem Wertpapier an den deutschen Börsenplätzen nicht genügend Stückzahlen umgehen. Inzwischen bieten Onlinebroker wie z. B. CortalConsors äußerst niedrige Gebühren für den direkten Handel in den USA an, die schon fast so billig sind wie Orders für deutsche Aktien. Als weiterer Börsenplatz für Emerging Markets hat sich auch die London Stock Exchange (LSE) etabliert.

Es lohnt sich immer, auf deren Internetseite die Kurse und die Handelsvolumina zu vergleichen (www.londonstockexchange.com). Die meisten Aktien können Sie inzwischen aber auch in Deutschland kaufen. Bei den großen und bekannten Werten wie dem koreanischen Hightech-Giganten Samsung, dem russischen Erdgasproduzenten Gazprom oder dem brasilianischen Ölförderer Petrobras gehen am Börsenplatz Frankfurt genügend Stücke für einen ausreichenden Handel um. Wenn Sie nicht gerade mal eben eine 20%-Beteiligung an China Mobile kaufen wollen, reichen die Volumina für Privatanleger für einen geregelten Handel aus. Wenn Sie jedoch unbedingt einen Wert kaufen möchten, dessen Aktie an den deutschen Börsen, in London oder an der Wall Street nicht in ausreichender Liquidität gehandelt wird oder der nur in dem jeweiligen Land gelistet ist, müssen Sie wohl oder übel an der Heimatbörse kaufen. Das ist zwar mit deutlich höheren Kosten verbunden, aber bei Emerging-Markets-Aktien gilt immer: „Handelbarkeit geht vor Orderkosten“.

Denn ansonsten holen Sie sich neben dem ohnehin vorhandenen Risiko eines kleinen Emerging-Markets-Unternehmens noch einen zweiten Risikofaktor ins Depot: Wenn dieser illiquide und daher schwer zu handelnde Wert fällt, haben Sie keine Chance, diese Position an den deutschen Börsen zu vernünftigen Kursen zu schließen, da es einfach nicht genügend Umsätze gibt. Hier gehen Sie also ein völlig unnötiges Verlustrisiko ein. Zahlen Sie daher lieber im Zweifelsfall mehr Ordergebühren für eine Order an der jeweiligen Heimatbörse. Aber dafür besitzen Sie die Chance, die Aktie jederzeit verkaufen zu können. Prinzipiell ist gegen einen Kauf oder einen Verkauf an einer Heimatbörse nichts einzuwenden. Heutzutage muss jeder halbwegs gute Bankberater in der Lage sein, für Sie Aktien an den für Ausländer zugängigen Börsen rund um die Welt zu handeln. Er muss nicht jede Dschungelbörse im tropischen Regenwald kennen. Aber wenn er nicht in der Lage ist, für Sie eine Order an den Börsen der bekannten Emerging Markets (z. B. Börse Istanbul) zu platzieren, feuern Sie ihn. Dann taugt er nichts.

Die Vorteile von Käufen an den Heimatbörsen sind klar: Neben der bereits besprochenen höheren Liquidität eines Wertes, die häufig zu besseren Kauf- und Verkaufskursen führt, können Sie dort Aktien erwerben, die Sie sonst nirgendwo auf der Welt bekommen. Hier finden Sie noch die absolut unentdeckten Rohdiamanten, da internationale Anleger (mit der Ausnahme der Manager von Emerging-Markets-Fonds) primär auf Emerging-Markets-Werte setzen, die in New York, London oder an einer deutschen Börse notieren. Der Nachteil sind halt die deutlich höheren Gebühren.

Sehr häufig müssen internationale Anleger erst vor Ort ein Depot eröffnen, um an den Börsen überhaupt handeln zu dürfen. Es fallen also Gebühren für die Eröffnung eines ausländischen Depots an. Dazu kommen Gebühren für die Auslandsüberweisungen des Geldes und bei vielen Emerging-Markets-Börsen noch spezielle Maklergebühren für die Orderausführungen, welche die Kosten weiter in die Höhe treiben. Dies führt zu deutlich höheren Gebühren, die die deutschen Banken für Auslandsorders nehmen. Daher lohnt sich ein Kauf an einer Heimatbörse also nur, wenn Sie große Summen ab fünfstelligen Beträgen investieren oder die Yahoo! von morgen gefunden haben. Ansonsten sind die Gebühren so hoch, dass sie einen Großteil der Performance einfach verschlingen. Dann hat am Ende nur einer daran verdient: die Bank. Aber noch nervenaufreibender: In einigen Ländern müssen Sie als Ausländer erst bestimmte Zulassungsdokumente der Aufsichtsbehörden besitzen, um überhaupt die Erlaubnis für den Handel vor Ort zu erhalten.

Und wer schon mal mit Behörden in Emerging Markets zu tun hatte, der weiß: Einem Kaktus mit den Lippen jeden Stachel einzeln herauszuziehen macht mehr Spaß, als sich mit diesen Beamten herumzuschlagen. Deshalb kaufen die meisten Anleger Emerging-Markets-Aktien lieber an den westlichen Börsen. Hier kommt es bei Privatanlegern zu einem häufigen Missverständnis: Denn bei den Papieren, die Sie in Deutschland oder den USA handeln können, handelt es sich nicht um die wirkliche Aktien, sondern um einen so genannten ADR auf die eigentliche Aktien. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht. In „Simplified“-Stil wissen Sie in 2 Minuten Bescheid: Da in den USA viele institutionelle Investoren, vor allem staatliche Pensionsfonds, nicht im Ausland investieren dürfen, entwickelten die Investmentbanken ein System, um ausländische Aktien an die Wall Street zu bringen.

Die Lösung hieß: „Depository Receipts“ (kurz DR genannt). Es gibt sowohl die „American Depository Receipts“ (die bekannten ADRs) als auch die europäische Variante namens „Global Depository Receipts“ (die unbekannteren GDRs, die sich von den ADRs jedoch kaum unterscheiden). Das Konzept der ADRs ist Folgendes: Ein ADR ist ein Hinterlegungsschein auf eine bestimmte Anzahl an Aktien eines ausländischen Unternehmens. Und diesen Hinterlegungsschein können die amerikanischen Fonds nun kaufen, da er ja in den USA gelistet sind. Sie können sich ein ADR wie einen Gutschein für ein Buch vorstellen. Sie haben nicht das eigentliche Buch, sondern nur den Gutschein in den Händen, aber der Gutschein garantiert Ihnen den Besitz des Buches. Nichts anderes ist ein ADR.

Mit einem ADR-Hinterlegungsschein auf die mexikanische Cemex erwerben Sie das Recht auf eine Aktie von Cemex, nicht aber die eigentliche Aktie. Die Aktie ist hingegen bei einer Investmentbank gelagert. Sie können den ADR natürlich theoretisch jederzeit ausüben und sich die realen Aktien liefern lassen. Aber das machen nur Besserwisser, denn es ist mit unnötigen Gebühren verbunden. Da die ADRs also keine Aktien sind, sondern nur Hinterlegungsscheine, unterscheidet sich auch die Anzahl der Aktien, für die ein einzelner ADR gilt: So kann 1 ADR z. B. für 10, 50 oder 100 Aktien des jeweiligen Unternehmens gelten. Genau wie ein Gutschein für 1 Buch, der auch für 5 Bücher ausgeschrieben werden kann. Die ADRs werden an den Börsen jedoch ganz normal wie Aktien gehandelt. Beachten Sie aber, das ADR natürlich den Währungsrisiken unterliegen. Die Hinterlegungsscheine notieren in Deutschland zwar in Euro, aber der Kurs einer ADR setzt sich wie folgt zusammen: (Originalkurs an der Heimatbörse) x (Wechselkurs zum Euro) x (Anzahl der hinterlegten Aktien). ADRs werden vor allem von Privatanlegern und Fonds genutzt, deren Regularien Käufe im Ausland verbieten.

 

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

Regelmäßig Analysen über Global Anlegen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Tom Firley. Über 344.000 Leser können nicht irren.