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China-Konjunktur: Der chinesische Yuan bleibt unterbewertet

Kreditklemme, überbordendes Schattenbankensystem, einbrechender Export, Korruption – die Liste der Wirtschaftsprobleme in China ist lang. Dennoch wächst die chinesische Wirtschaft weiter mit Traum-Wachstumsraten. Das stärkt langfristig auch den unterbewerteten Yuan, dessen Wert die chinesische Zentralbank nicht ewig wird kontrollieren können.

 

Die Wirtschaft wächst weiter mit mehr als 7% pro Jahr

Verglichen mit meiner Analyse des Yuan und der chinesischen Wirtschaft im Januar dieses Jahres gibt es mit Ausnahme des gesunkenen Leistungsbilanzüberschusses keine nennenswerten Änderungen. Bemerkenswert ist, dass das Tempo des Wirtschaftswachstums sogar noch anzog und weiter komfortabel bei mehr als 7% pro Jahr liegt.

 

Die Inflation ist moderat

Offiziell ist die Inflation im Griff, wozu auch der relativ hohe Leitzins von 6% beiträgt. Dabei ist der Leitzins in China nicht einmal das entscheidenste Steuerungsinstrument der Zentralbank. Neben dem Leitzins legt die Zentralbank nämlich auch noch das Kreditvolumen fest, das die chinesischen Banken vergeben sollen. Dieses Kreditvolumen wird ergänzt durch die Kredite des Schattenbankensystems.

Als Schattenbanken werden Kreditgeber bezeichnet, die nicht der strengen Aufsicht der chinesischen Behörden unterliegen. Sie sammeln Geld von zum Beispiel Versicherungen ein und leihen es an Kreditnehmer, die bei den offiziellen Banken keine, zu wenig oder zu teuren Kredit erhalten. Dieses System möchten die Behörden am liebsten aushebeln, um wieder mehr Kontrolle über das Wirtschaftssystem zu erhalten.

 

Chinas offizielle Schuldenkennziffern sind ausgezeichnet

Das Budgetdefizit Chinas wuchs seit Januar auf niedrigem Niveau und liegt weniger als halb so hoch wie in der Eurozone. Auch die Schuldenquote kann sich sehen lassen und beträgt nur 23% des Bruttoinlandsprodukts (BIP), mit sinkender Tendenz. Da die Wirtschaft ein höheres Wachstumsniveau hat als die Schulden, ist mit weiter abnehmender Schuldenquote zu rechnen.

Kritiker geben jedoch zu bedenken, dass es parallel zum Schattenbankensystem auch ein Schattenschuldensystem geben könnte. Die echte Schuldenquote soll angeblich schon bei mehr als 50% des BIP liegen. Damit wäre sie aber immer noch weniger als halb so hoch wie die Schuldenquote der USA und nur wenig mehr als halb so hoch wie die der Eurozone.

 

Die Leistungsbilanz kommt der schwarzen Null näher

Bemerkenswert ist eine annähernde Halbierung des Leistungsbilanzüberschusses auf nur noch 2,3% des BIP. Offensichtlich kommt die Akkumulation von Kapital über den Exportsektor langsam zum Erliegen. Für die Welt ist das ein gutes Signal.

Fehlallokationen, wie sie der gigantischeDevisenberg Chinas darstellt, bergen immer ein Risiko. Gleicht sich die Handelsbilanz aus, kehrt sich vielleicht sogar in ein Defizit zum Abbau des Devisenberges um, kann das auch den kriselnden Staaten Europas helfen. Denn eine Umkehr hieße, dass China mehr Waren, Dienstleistungen und Kapital importiert als exportiert.

 

Weitere Aufwertung des Yuan ist wahrscheinlich

Unabhängig davon gehe ich weiter von einer allmählichen Aufwertung des unterbewerteten und von der Zentralbank weitgehend kontrollierten Yuan ein. Ein Abbau des Außenhandelsüberschusses gelingt am besten mit einer allmählichen Angleichung des Marktwerts des Yuan an den fairen Wert. Denn dann hätten die chinesischen Exporteure zumindest keinen Wechselkursvorteil mehr gegenüber ihrer ausländischen Konkurrenz.

Die OECD gibt den fairen Wechselkurs des Yuan zum Euro mit 5,22 Yuan an. Derzeit kostet ein Euro rund 8 Yuan.

 

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Über den Autor Thomas Kallwass

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