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Der Altersquotient

 

Liebe Leser,

Analysten haben Jahrzehnte damit verbracht zu analysieren, warum einige Länder wachsen und andere nicht.

Man kann ewig lang über Faktoren wie Bildung, verfügbares Einkommen, Exportwachstum, Leitzinsen, Geschäftsbestimmungen und Steuervorschriften, Hafenauslastung und 50 andere Variable sprechen. Diese Faktoren addieren sich alle zu einer komplexen Gleichung.

Dabei können Sie tatsächlich einen großen Teil des Wirtschaftswachstums eines Landes auf eine Zahl zurückführen – eine Zahl, welche Sie mit großer Sicherheit über Jahrzehnte hinweg vorhersagen können. Was dazu kommt: Sie können davon sogar profitieren.

Ich zeige Ihnen im Folgenden, wie das funktioniert…

Diese einfache Zahl kann die Statistiken übertrumpfen

Vergessen Sie irrsinnige Gleichungen und den Sumpf von Regierungsstatistiken. Sie können bis zu 1/3 der Wachstumsrate eines Landes einem einzigen, einfachen Faktor zuordnen: der guten alten „Muskelkraft“.

Und hier kommt der sog. „Altersquotient“ ins Spiel: Ein Altersquotient setzt die Anzahl der Leute, welche entweder zu alt oder zu jung zum Arbeiten sind, ins Verhältnis zu denen, welche sich im arbeitsfähigen Alter befinden.

(Für die Statistiker: das Arbeitsalter ist mit 15-64 Jahren angegeben)

Schauen wir uns zuerst die Vereinigten Staaten an…

Amerika`s Altersquotient: Besser als der Durchschnitt, aber…

Der aktuelle Altersquotient der Vereinigten Staaten beträgt 49%. Das bedeutet, dass auf 10 arbeitende Erwachsene 4,9 Leute kommen, welche Unterstützung brauchen, sei es durch das soziale Sicherungssytsteme oder durch die Kinderfürsorge.

Deshalb ist ein niedrigerer Altersquotient besser für das Wirtschaftswachstum. Das bedeutet nicht nur, dass die Arbeitskräfte zur nationalen Produktivität beitragen, sondern auch, dass mehr Ressourcen in Wachstumsinitiativen gelenkt werden.

Die USA rangiert, gemessen an einem „Weltaltersquotient“ von 52%, recht weit oben. Aber man muss noch weitere Dinge beachten – zwei Faktoren beeinflussen den Altersquotienten…

  • Das Alter: Ein Weg, um einen niedrigeren Altersquotienten zu erreichen, würde darin bestehen, die Zahl der Leute über 65 Jahren „zu reduzieren“. Glücklicherweise wird wohl niemand versuchen, dies zu tun. Ansonsten käme es zu einem internationalen Aufschrei!
  • Die Geburtenrate: Über die letzten 30 Jahre hat die amerikanische „Baby-Boomer“-Generation zum Großteil die Bevölkerung, welche sich im Arbeitsalter befindet, gestellt. Das hat den Altersquotienten niedrig gehalten und trug einen Großteil zum Wachstum seit dem zweiten Weltkrieg bei.

Unglücklicherweise wird dieser Faktor sich jetzt gegen die USA wenden…

 

Warum die Vereinigten Staaten in Zukunft nicht mehr so stark wachsen werden

Da die „Baby Boomers“ jetzt das Rentenalter erreichen, wird der Altersquotient ansteigen und das Wirtschaftswachstum ersticken.

Da Geburtenraten messbar sind und sich die Bevölkerung über 70 oder 80 Jahre einigermaßen beständig entwickelt, sind die zukünftigen Altersquotienten gut zu prognostizieren. So sieht der Quotient für die Vereinigten Staaten aus…

Da der Altersquotient bis ins Jahr 2050 steigen wird, wird das zukünftige Wirtschaftswachstum ein harter Kampf werden.

Es könnte jedoch noch schlimmer aussehen. Schauen wir uns an, welches Land wir meiden sollten – und ein anderes, welches Ansätze hat, explosiv zu wachsen.

Chinas Altersquotient: Wer wird nach der alternden Bevölkerung schauen?

Stellen Sie sich vor, Sie schränken Ihre Bevölkerung soweit ein, dass es Familien nur erlaubt sei, ein Kind innerhalb von 30 Jahren zu zeugen.

Sie würden zunächst einen großen Altersquotienten mit wenig Kindern, um die Sie sich kümmern müssen, haben. Dies würde das kurzfristige Wachstum anstacheln.

Aber diese künstlich gezügelte, jüngere Generation muss letztendlich für ihre alternden Eltern sorgen.

Diese Politik ist tatsächlich Realität. In China schätzen die Behörden, dass sie ca. 250 Millionen Geburten zwischen 1980 und 2000 verhindert haben.

Und Sie sehen, dass der niedrige Altersquotient zu Chinas explosivem Wachstum beigetragen hat. Mit einem Altersquotienten von aktuell unter 40% ist China in einer perfekten Ausgangslage. Unglücklicherweise wird das Land in der Zukunft dafür bezahlen müssen.

Das bedeutet nicht, dass die chinesischen Aktien in den nächsten Monaten abtauchen werden…. aber es könnte früher passieren als Sie denken.

Welches Land wird aber von einem niedrigen Altersquotienten profitieren?

Wenn Sie hohe Profite erwarten: Schauen Sie auf Indien

Schauen Sie in den nächsten 5-10 Jahren nach Indien, welches in Sachen Wirtschaftswachstum China überholen dürfte.

Ohne die Ein-Kind-Politik ist das Land besser positioniert, um von den Vorteilen aus einem vorteilhaften Arbeitsalterverhältnis zu profitieren.

Andere Länder mit günstigen Altersquotienten sind übrigens Nicaragua, Panama und Brasilien.

 

Seien Sie dem Markt stets zwei Schritte voraus,

Matthew Weinschenk

 

 

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Alte Kommentare
  • Christer Nykopp schrieb am 10.02.2010, 18:26 Uhr

    Der Inhalt dieses Artikels wird schon seit langem diskutiert, gewöhnlich wird dann der "Untergang des Abendlandes" prognostiziert, wie auch hier. Was aber fast ausnahmslos ignoriert wird, sind die übrigen Wirkungen der Bevölkerungszunahme, die für den ökonomischen Zuwachs für unerlässlich gehalten wird. Es ist z.B. so, dass die von Menschen hervorgerufenen Klima- und Umweltwirkungen eben von Menschen verursacht werden. Also: jeder zusätzliche Mensch trägt bei, und es ist müssig, sich von der Technik eine ewig dauernde Hilfe zu erwarten. Die chinesischen Massnahmen sind also trotzdem nicht so abwegig. Christer Nykopp Esbo, Finnland