MenüMenü

Das meiste Wolfram ist in Asien zu finden

Die heute bekannten Ressourcen und Reserven sind sehr ungleich verteilt über die Erde. Der größte Teil der identifizierten Vorkommen liegt in einem breiten Gürtel, der sich von Kamtschatka über Korea, Japan, Ost-China über Malaysia bis nach Sumatra erstreckt. Er ist Teil des zircum-pazifischen metallogenetischen Systems. Zu finden sind dort alle bekannten Arten von Wolframlagerstätten, sowohl mit Scheeliten als auch mit Wolframiten, die meist in Quarzgängen vorkommen.

Wirtschaftlich am bedeutendsten sind die riesigen Scheelit-Lagerstätten in den chinesischen Provinzen Jiangxi und Hunan. Die größte Scheelitlagerstätte der Welt in Shizhuyuan in Süd-Hunan besitzt Reserven von über einer Million Tonnen Wolfram, vergesellschaftet mit großen Mengen an Zinn, Bismut, Molybdän und Beryllium.

Die heute bekannten Lagerstätten des Wolframs bestehen zu rund 70 Prozent aus Scheelit-Mineralien, zu 30 Prozent aus den meist aufwendiger abzubauenden Wolframiten. Rund drei Millionen Tonnen Wolfram wurden bisher weltweit nachgewiesen. Ihre Verteilung über die Welt können Sie folgender Grafik entnehmen:

Wolfram-Reserven

Quelle: ITIA

Einbezogen wurden in das Schaubild der International Tungsten Industry Association (ITIA) alle bekannten Reserven sowie zusätzlich die Ressourcen anhand der Daten der USGS. Letztere sind zwar durch geologische Untersuchungen nachgewiesen. Ob aber bei aktuellen Preisen ein ökonomischer Abbau möglich ist, muss bei diesen entweder noch untersucht werden beziehungsweise ist erst bei höheren Wolframpreisen sinnvoll. Diese nachgewiesenen Vorkommen werden bei heutiger Verbrauchsrate noch 140 Jahre ausreichen. Es ist anzunehmen, dass bis dahin noch weitere Vorkommen aufgefunden werden können. Auch die Vorräte in Form der Manganknollen in der Tiefsee sind hier noch nicht berücksichtigt.

North American Tungsten besitzt eine der größten bekannten Wolframproduktionsstätten der westlichen Welt in Kanada, eine weitere befindet sich in der Entwicklung. Erst 2005 wurde diese Mine wieder eröffnet, nachdem der Preis für Wolfram immer weiter gestiegen war. Doch im Zuge der Finanzkrise kam der Rückschlag in Form stark fallender Wolframpreise – die Mine musste wieder geschlossen werden. Im Juli 2010 wurde sie erneut eröffnet und fährt inzwischen langsam die Produktion wieder hoch. Ein typisches Schicksal im Leben eines Wolframproduzenten, der unter den langfristig großen Schwankungen unterworfenen Wolframpreisen zu leiden hat.

Auch Europa hat Wolfram zu bieten

Nachdem das Wolfram in Europa zuerst entdeckt wurde, muss es natürlich auch hier Lagerstätten geben. Generell liegen diese in den Gebirgsmassiven: im Erzgebirge, den Ostalpen, den Pyrenäen, dem französischen Zentralmassiv, in Cornwall und Portugal. Doch nur wenige Vorkommen sind hier noch in Produktion, viele bereits ausgebeutet, wie etwa das Vorkommen im sächsischen Zinnwald.

Im Felbertal bei Salzburg wird die größte Scheelitlagerstätte Europas von der Wolfram Bergbau- und Hüttengesellschaft AG (WBH) betrieben. Entdeckt 1967, wurde sie von 1967 bis 1976 übertägig abgebaut, bevor 1986 die Erschließung der tiefen Stockwerke begann. Wie bei vielen Wolframproduktionen kam es in den 1990er-Jahren zu einer Produktionsunterbrechung, weil die Weltmarktpreise zu tief gefallen waren. Neben dem Abbau wird hier auch direkt die Verarbeitung zu hochwertigen Wolframprodukten betrieben. Zusätzlich gibt es seit 1983 Kapazitäten zum Recycling von Wolfram aus Industrieschrott, der mit weltweit zugekauften Scheelitkonzentraten zu Wolframmetall-, -oxid- und -carbidpulver verarbeitet wird. Seit 2009 ist die WBH nicht mehr selbstständig, sondern wurde von der schwedischen Sandvik übernommen, einem der größten Konzerne weltweit für Werkzeugbau, Bergwerkstechnik und Spezialmetalle. Er sichert sich damit direkten Zugang zu einem von ihm verarbeiteten, strategisch wichtigen Metall.

Wolframexplorer fallen häufig Übernahmen zum Opfer

Generell sind Wolfram-Explorations- oder -entwicklungsunternehmen wie auch kleinere Produzenten stark von Übernahmegelüsten gefährdet. Denn eine Lagerstätte aufzuspüren ist nicht so schwierig. Gerade der Scheelit lässt sich relativ leicht mit tragbaren UV-Lampen identifizieren, weil er in spezifischen Farben (je nach beteiligten Sekundärmetallen) fluoresziert. Teuer wird es jedoch, eine Produktion samt benötigter Verarbeitung aufzubauen. Hier treten meist bereits große Unternehmen als Partner oder gleich als Übernehmer auf den Plan, bei denen dafür die erforderliche Finanzstärke vorhanden ist. So wurde auch die große portugiesische Produktionsanlage Panasqueira erst vor wenigen Jahren vom japanischen Bergbaukonzern Sojitz Corporation übernommen.

Wolframerze können in Quarzgängen ab einem Anteil von 0,7 Prozent WO3 abgebaut werden, bei kompakten Erzkörpern untertage ab 0,3 Prozent, im Tagebau sogar ab 0,1 Prozent. Zu beachten ist jedoch, dass aufgrund der starken Schwankungen der Wolframpreise in den vergangenen Jahrzehnten die Abbauwürdigkeit einzelner Lagerstätten stark vom herrschenden Preisgefüge abhängig ist. In Zeiten niedriger Nachfrage mussten Lagerstätten mit geringen Gewinnspannen daher auch immer wieder für einige Zeit stillgelegt werden, bis sich der Weltmarktpreis für die Wolframprodukte wieder erholte.“

So profitieren Sie von Strategischen Metallen

Der obige Text ist meinem Kapitel über das strategische Metall Wolfram entnommen. Den vollständigen Text finden Sie in dem Buch „Strategische Metalle für Investoren“ von Gunther Maassen und Michael Vaupel mit mir als Gastautorin (ISBN 978-3-942888-84-4). Sollte Ihnen noch ein Weihnachtsgeschenk fehlen, erhalten Sie hier ein umfassendes Kompendium über die wichtigsten Rohstoffe der Zukunft, deren Vorkommen, Angebot und Nachfrage sowie die physische Handelbarkeit. Eine spannende Empfehlung zur Investition in physische Metalle hat vor kurzer Zeit zudem Michael Vaupel in seinem Rohstoff Performer abgegeben. Sollten Sie sich dafür interessieren, finden Sie hier detaillierte Informationen.

Sehr gefreut habe ich mich gestern über eine gelungene Rezension des Buches durch die geschätzte Kollegin Miriam Kraus im Rohstoff Daily. Sie können den Artikel im Archiv nachlesen, falls Sie diesen Newsletter nicht abonniert haben. Auch Frau Kraus empfiehlt die „Strategischen Metalle für Investoren“ als nutzbringendes und lesenswertes Weihnachtsgeschenk.

Herzliche Grüße, ein besinnliches Adventswochenende mit Zeit für ein interessantes Buch wünscht Ihnen

Ihre Daniela Knauer

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Daniela Knauer

Daniela Knauer, Jahrgang 1962 aus Stuttgart, studierte Medienberatung und Wissenschaftsjournalismus in Berlin. Ab Mitte der 1990er Jahre ist sie freie Traderin.

Regelmäßig Analysen über Global Anlegen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Daniela Knauer. Über 344.000 Leser können nicht irren.