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Anlage in brasilianische Staatsanleihen – so geht es!

Letztens – und zwar am 7. Mai – schrieb ich hier im Trader’s Daily über südamerikanische Anleihen. Als Beispiel für das dabei mitgekaufte Währungsrisiko nannte ich den bolivianischen „Boliviano“. Die Schwankungen der jeweiligen Währung können ganz schnell die Zinserträge eines Jahres auffressen.

Anstelle eines Währungsrisikos kann es aber auch eine „Währungschance“ geben. Bedeutet: Wenn Sie Anleihen eines südamerikanischen Staates in dessen Währung kaufen, und diese Währung dann gegenüber dem Euro bzw. Franken (bzw. gegenüber Ihrer Heimatwährung) aufwertet. Denn dann können Sie neben dem Zinsertrag einen Währungsgewinn einstreichen.

Bei welcher südamerikanischen Währung ich das Potenzial für eine Aufwertung gegenüber dem Euro sehe? Da denke ich als erstes an den brasilianischen Real (Kürzel BRL), siehe Chart:

Brasilianischer Real zum Euro Chart

Quelle: Finanzen 100

Der Chart zeigt, wieviel Euro für einen brasilianischen Real gezahlt werden müssen. Aktuell sind es rund 0,384, sprich 38,4 Euro-Cents müssen für einen Real auf den Tisch gelegt werden. Ende 2012 waren es rund 36 Euro-Cents, das ist schon ein Unterschied.

Brasilien ist eine boomende Volkswirtschaft und mit Rohstoffen gesegnet. Es ist

  • der größte Eisenerz-Exporteur der Welt
  • der weltgrößte Kaffee-Lieferant
  • dasselbe gilt für Zuckerrohr
  • und bei den Tantal-Exporten (wichtig für Zukunftstechnologien) ist das Land auf Platz 2.
  • Potenzial besteht auch bei den fossilen Brennstoffen, sprich Ölvorkommen vor der Küste Brasiliens.

Brasilien: Makro-Kennzahlen stimmen

Die Finanzpolitik kann sich sehen lassen. Während in den USA die Schuldenquote auf über 100% (Verhältnis der Schulden zum BIP) explodiert ist, und in Europa kaum noch ein Staat die vom Maastricht-Vertrag genannten 60% einhält (Deutschland liegt im Bereich 80%), weist Brasilien ca. 61% vor.

Und, noch erfreulicher: Die Tendenz stimmt. Dieser Prozentsatz sinkt. Vor zehn Jahren lag die Schuldenquote bei knapp 75%, noch 2009 waren es knapp 69%. Und wenn das so weitergeht, sind vielleicht 2014 die 60% unterschritten.

Wirtschaft und Bevölkerungszahl wachsen, die Finanzpolitik solide, die Rohstoff-Vorkommen bringen das Land voran. Sieht doch gut aus soweit.

Im direkten Vergleich zum Euro überzeugt dies – sprich, aus fundamentalen Gründen halte ich eine weitere Aufwertung des Real gegenüber Euro für durchaus wahrscheinlich.

Wie sieht es denn mit dem Angebot an Anleihen aus?

Da hat man auf den ersten Blick gleich Dollar-bzw. Real-Zeichen in den Augen, beim Blick auf die Zinskupons. 8,5%, 7,375%, 10,0%….

Aber: Das sind nur die Kupons. Die Kurse sind in den letzten Jahren kräftig gestiegen. Und mit kräftig meine ich kräftig. Deshalb sind die Renditen bei den kürzer laufenden Anleihen auf ähnlich blutarme Werte gefallen wie bei Staatsanleihen besserer europäischer Schuldner.

Und dann gibt es diverse Dollar-Anleihen Brasiliens. Aber die wollen wir eh nicht bzw. davon rate ich ab. Ein Teil der Phantasie kommt im Fall Brasiliens ja gerade von der Chance auf Aufwertung der Währung. Warum das Risiko eingehen, den Dollar ins Depot zu nehmen, wo Ben Bernanke weiterhin eine sehr laxe Geldpolitik fährt?

Wenn Sie bei Brasilien Anleihen Renditen von mehr als 1-2% p.a. erzielen möchten, zudem auf Real-Anleihe (und nicht Dollar-Anleihe) bestehen, dann rate ich Ihnen, sich die längeren Laufzeiten anzusehen.

Konkretes Beispiel für eine interessante Brasilien-Anleihe

Ein Beispiel (nur ein Beispiel, keine Empfehlung, denn die darf ich an dieser Stelle nicht geben!): Die brasilianische Regierung hat eine Staatsanleihe mit Laufzeit bis 2028 aufgelegt. In der Landeswährung. Volumen 1,5 Mrd. Real.

Kupon 10,25%, Stückelung 1.000 Real. Kurs steht bei 124/125% des Nennwertes. Damit errechnet sich aber immerhin noch eine Rendite von 7,6%, was doch nicht verkehrt ist.

Schuldner ist der brasilianische Staat. Und dem würde ich lieber Geld leihen als so manchem europäischen Staat. Die ISIN der genannten Anleihe lautet: US105756BN96, WKN: A0LM2Z.

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily

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Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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Alte Kommentare
  • Axer schrieb am 16.05.2013, 15:33 Uhr

    Sehr hilfreich wäre es, wenn Sie bei Besprechungen von ausländischen Anleihen usw. auch auf die jeweilige Quellenbesteuerung eingehen würden. Vielen Dank. mfg Axer

  • Peter Fackelmann schrieb am 17.05.2013, 19:03 Uhr

    Die brasilianischen Anleihen lauten alle auf US$. Da gibt es ein brasilianisches Gesetz. Aber das Waehrungsrisiko des US$ scheint mir derzeit eines der Groessten. Gruesse Peter Fackelmann