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Vorsicht vor Hedgefonds!

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Sie wollen richtig viel Geld verdienen, liebe(r) Leser(in)?

Dann starten Sie einen Hedgefonds.

Warren Buffett sagt, dass das riskante Dinger sind. Ich sage, dass das riskante Flim-Flams sind. Ich verneine nicht, dass sich mit Hedgefonds Geld verdienen lässt, – wenn man selbst einen aufgelegt hat.

George Soros hat sein Vermögen im letzten Jahr um 750 Millionen Dollar vergrößert, – dank seiner Hedgefonds-Gewinne. David Tepper, Gründer von Appaloosa Management, verdiente mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Zusammen haben die Top-5-Hedgefonds im letzten Jahr 2,5 Milliarden Dollar verdient (laut dem Magazin Institutional Investor).

Diese Gewinne sind so attraktiv, dass sowohl die Wall Street als auch ihr Äquivalent in London – "The City" – ihre hellsten und besten Stars verlieren. So verlassen sie z.B. Dinakar Singh und Eric Mindich Goldman Sachs, um ihre eigenen Hedgefonds zu gründen.

Der Schlüssel zum Geldverdienen mit einem eigenen Hedgefonds – und hier gebe ich Ihnen ein Geheimnis der Hedgefondsindustrie weiter – ist es, den Investoren eine Menge Gebühren zu berechnen. Nur dafür, dass sie den Thrill und das Prestige haben, in einen Top-Hedgefonds investieren zu können, -und ihr Geld riskieren. Wenn der Hedgefonds das Glück hat, wirklich Geld zu verdienen – dann kann man sich als Manager dieses Fonds einen großen Teil dieses Gewinns nehmen. Und wenn der Hedgefonds Geld verliert, dann muss man als Manager sicherstellen, dass man die Verluste den leichtgläubigen Investoren überlässt.

Das war Steven Cohens Erfolgsformel. Er verdiente im letzten Jahr 350 Millionen Dollar, so die Londoner Times, weil er die Investoren irgendwie davon überzeugte, ihm 50 % ihrer Gewinne zu geben.

Ich sage immer wieder: Das ist alles zu wunderbar. Hedgefonds sollten eigentlich eine Art sein, um Ihr Geld zu schützen. Jetzt sind sie – wie der amerikanische Kapitalismus und die amerikanische Demokratie – korrumpiert und unterminiert worden; jetzt sind sie Instrumente, mit denen man für "nichts" etwas erhalten soll.

Derzeit beschwert sich allerdings niemand. Jeder scheint reich zu werden, -nicht durch Schweiß, sondern durch Nachdenken. Nicht durch das Herstellen und Verkaufen von Dingen, sondern durch das Transferieren von Geld. Mal sehen, wie funktioniert das, was muss man sagen? Hmm … Wir gehen beim Yen long und hedgen das dann mit einem Öl-Put. (Wenn man so zu Investoren spricht, dann lieben die das … Sie denken, dass man so intelligent sei). Dann werden wir beim S&P long gehen, um auf eine Erholung zu setzen, während wir die kurz laufenden deutschen Euro-Anleihen shorten werden, aus keinem besonderen Grund.

Hey, das macht Spaß -genau wie Las Vegas.

Aber es könnte weniger wundervoll sein, als es aussieht, zumindest für die Kunden. Was diese wirklich tun: Sie bezahlen eine Menge Geld an jemand anderen (die Manager der Hedgefonds), damit diese à là Las Vegas für sie spielen. Die Manager gehen riskante Positionen ein, weil sie wissen, dass sie im Gewinnfall einen großen Anteil dieser Gewinne erhalten. Und wenn sie verlieren … Nun, dann ist es das Problem der Kunden.

Wo kommt all das Geld her?

Natürlich von den Kunden. Aber sie sind von dem Glanz der Hedgefonds-Industrie so geblendet, dass sie nicht sehen, wie ihre Taschen ausgeplündert werden.

Schließlich ist das Wetten auf Währungen, Anleihen und Indizes ein Nullsummenspiel. Alle "Investoren" zusammen genommen können nicht gewinnen. Denn bei jedem Trade, den ein Hedgefonds eingeht, muss eine Finanzinstitution – vielleicht ein anderer Hedgefonds – auf der anderen Seite stehen. Jedes Mal, wenn einer gewinnt, muss ein anderer verlieren.

Das ist anders als beim realen Investieren. Wenn man Geld investiert, um z.B. eine Billardhalle zu eröffnen, dann kann man von den Gewinnen dieser Anlage profitieren. Niemand muss verlieren, damit Sie gewinnen können. Jeder kann davon profitieren.

Es gibt natürlich auch Zeiten, in denen mit Hedgefonds jeder zu gewinnen scheint. Die Fondsmanager können z.B. Zinsdifferenzen ausnutzen. Sie können sich in einer bestimmten Währung verschulden, und in einer anderen Währung Geld verleihen. Ein solcher "Carry Trade" kann jahrelang laufen. Jeder kann damit Geld verdienen. Eine große Veränderung am Devisenmarkt würde das schlagartig beenden. Aber man soll doch seine Chancen nutzen …

Derzeit hat die Hedgefonds-Industrie eine schöne Zeit: Die Kunden sind glücklich, wenn sie hohe Gebühren zahlen dürfen, um dabei sein zu können.

Meine Prognose: Langfristig wird der durchschnittliche Hedgefonds-Investor nichts verdienen, abzüglich der Kosten für den Hedgefonds.

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Über den Autor Investor Verlag

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