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Nischen-ETFs: Irreführende Namen und skurrile Nischen

Von Landwirtschaft bis zum mittleren Osten: Mit ETFs lässt sich in eine globalisierte Welt investieren. Wir haben die interessantesten, skurrilsten und irreführendsten Nischen-ETFs für Sie herausgesucht.

Auch 2014 geht der Siegeszug der ETFs (Exchange Traded Funds) weiter. Mit einer weltweiten Anlagesumme von bisher 2.500 Milliarden Dollar (Quelle) bietet der Markt immer mehr Indexfonds, nicht nur für Finanzmärkte, sondern auch für Rohstoffe oder Schwellenländer.

Es bricht die Zeit der Nischen-ETFs an. Von Landwirtschaft bis zum mittleren Osten: Mit ETFs lässt sich in eine globalisierte Welt investieren. Wir haben die interessantesten, skurrilsten und irreführendsten Nischen-ETFs für Sie herausgesucht.

ETF-Schriftzug auf 100 US Dollar Noten

ETF-Schriftzug auf mehreren 100 US Dollar Noten – © StockThings – Shutterstock.com

Globale Nischen-ETFs

Seit dem Launch von Standard & Poor’s Depositary Receipts 1993, dem weltweit ersten ETF, hat sich der Markt für Indizes stark diversifiziert. Neben den großen ETFs wie denen des Dax, tummeln sich auch immer mehr kleinere Indexfonds auf dem Finanzmarkt.

So stark wie auch die Anzahl der verschiedenen ETFs ansteigt, so stark wächst die Nachfrage.

Quelle: 2014 Investment Company Fact Book

Selbst Finanzguru Warren Buffet rät Anlegern, sich nicht zu sehr den Kopf über Finanzgeschäfte zu zerbrechen und einfach in ETFs zu investieren (Quelle).

Die Welt der Exchange Traded Funds bietet durch die wachsende Beliebtheit immer mehr Nischen, jedoch ist nicht jede Nische auch erfolgreich.

Interessante Idee, aber…

Unter den ausgefallenen ETFs befinden sich auch immer wieder Indexfonds, die sich nicht auf dem Markt etablieren können oder es erst gar nicht über die Planungsphase hinaus schaffen. Beste Beispiele (Quelle):

  • HealthShares Dermatology and Wound Care: Ein Auzug aus der offiziellen Beschreibung lautet: “Targeted diseases include, but are not limited to, acne, rosacea, psoriasis, genital warts and atopic dermatitis” (Quelle). Nicht verwunderlich, dass der US-amerikanische ETF kurz nach seiner Gründung 2008 vom Markt verschwand.
  • PowerShares Dynamic Brand Name Products Portfolio: zwar geplant, aber nie gelaunched.
  • PowerShares Autonomic Allocation Research Affiliates Portfolio: befand sich ebenfalls in der Planung, wurde jedoch nie umgesetzt. Sehr verwunderlich, bei so einem prägnanten Namen.

Chart im Abwärtstrend

ETF-Abwärtstrend im Chart – © Thinglass – Shutterstock.com

Nischen-ETFs, die große Gewinne versprechen

Es gibt immer mal wieder ETFs, die damit werben, den Gewinn bestimmter Indexe zu vervielfachen. Wer jedoch zu viel erwartet, wird oftmals enttäuscht.

So gibt der ProShares Ultra KBW Regional Banking ETF an, die Performance des KBW Regional Banking Index verdoppeln zu können, in der Realität wird der Index jedoch teilweise sogar vom ETF unterschritten.

Selbst wenn der PHLX Semiconducter Sector Index sich im Aufwind befindet, sinkt der Direxion Daily Semiconductor Bull 3x Shares schon mal gerne ab, obwohl er eigentlich die Performance verdreifachen sollte.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Direxion Daily Agribusiness Bear 3x Shares, der die Ticker-Abkürzung COWS trägt (Quelle).

Regionale Nischen

Weltweit existieren ETFs für verschiedene Nationen. Ein gutes Beispiel für regionale Nischen-ETFs ist der Global X NASDAQ China Technology ETF (QQQC), der den Technologiesektor Chinas verfolgt (Quelle).

Auch gibt es allgemein länderspezifische ETFs wie den Global X FTSE Argentina 20 ETF für Argentinien, den iShares MSCI Belgium Investable Market Index ETF für Belgien oder den EDEN – iShares MSCI Denmark Capped Investable Market Index ETF für Dänemark. Je größer das Land desto mehr ETFs werden auch angeboten (Quelle).

Im Kampf um Anleger werden teilweise sogar schon ETFs auf den Markt gebracht, die sich auf Mini-Regionen beschränken wie der Nashville ETF, in dem sich nur Firmen befinden, die in der Hauptstadt Tennessees angesiedelt sind (Quelle).

ETF-Schriftzug aus lauter kleiner Quadrate

ETF-Schriftzug aus lauter kleiner Rechtecke – © Tyler Olson – Shutterstock.com

Ungewöhnliche Nischen-ETFs

Haben Sie schon einmal etwas von dem Global X Fishing Industry ETF oder dem Teucrium Corn Fonds gehört? Wahrscheinlich nicht, denn diese ETFs sind selbst für Nischen-ETFs ungewöhnlich. (Quelle)

  • Global X Fishing Industry ETF: Gegründet 2011, verfolgt der Indizes den Index von Unternehmen, die Fischfang, Fischfarming und die Verarbeitung von Fischprodukten betreiben.
  • Global X Fertilizers/Potash ETF: Rund 29 Unternehmen, deren Aufgabenfeld die Produktion oder der Vertrieb von Düngemitteln ist, befinden sich im Global X Fertilizers/Potash ETF.
  • Teucrium Corn Fund: Seit seiner Gründung 2010 können Investoren die Entwicklung der Maisindustrie über den Teucrium Corn Fund verfolgen.
  • First Trust NASDAQ CEA Smartphone Index: Seit 2011 verfolgt der ETF das Wachstum im Bereich der Smartphones, und zwar der Gadget- oder Software-Hersteller.
  • Market Vectors Gaming ETF: versucht den S-Network Global Gaming Index (SM) abzubilden und investiert nur in Casinos und andere Unternehmen der Glücksspiel-Branche. (Quelle)

„Whats your Name“ auf einer Tafel – © StockThings –Shutterstock.com

Top 5 der irreführenden ETF-Namen

ETFs tragen teilweise interessante Namen. Da gibt es den Market Vectors Investment Grade Floating Rate ETF oder den iShares MSCI Emerging Markets Eastern Europe Index Fund.

An sich sollen die Namen Aufschluss darüber geben, welchen Index die ETFs verfolgen. Doch das ist nicht immer der Fall, wie unsere Top 5 der irreführenden ETF-Namen beweist. (Quelle)

  1. Market Vectors Junior Gold Miners (GDXJ): Das Junior in Market Vectors Junior Gold Miners sollte eigentlich darauf hindeuten, dass sich die Holdings des ETF aus kleineren Mienen-Unternehmen zusammensetzen. Bei näherer Betrachtung der Top 10 Holdings des GDXI zeigt sich jedoch: Jedes Unternehmen hat einen Wert von über einer Milliarde Dollar – und wird damit dem Titel „Junior“ nicht wirklich gerecht.
  2. iShares MSCI Emerging Markets Eastern Europe Index Fund (ESR): Ein Indexfonds für Osteuropa, das klingt nach großer Vielfalt. Falsch gedacht. Denn der ESR deckt vor allem Russland ab, mit 76,4 Prozent an Allokation. Neben Russland enthält der Indexfonds nur noch Polen, Tschechien und Ungarn.
  3. iShares MSCI Pacific ex-Japan (EPP): Ein ETF für die Pazifik-Region? Nicht ganz. Denn 65 Prozent der Anteile des EPP liegen in Australien und ein klein wenig in Hong Kong und Singapur. Eine Namenänderung in „iShares MSCI Australia, Hong Kong and Singapore“ wäre also angebracht.
  4. The United States Oil Fund (USO): Der United States Oil Fund wurde eigentlich gebildet, um den Rohölpreisen des West Texas Intermediate (ein Rohöl aus den USA) zu folgen. Jedoch ist der ETF in der Praxis um einiges komplizierter. Statt die Investitionen in den Indexfonds ansteigen zu sehen, wenn auch der Ölpreis ansteigt, müssen Anleger sich mit Stagnation zufrieden geben. Das liegt daran, dass USO sich nach der zukünftigen Kurve des Rohölpreises richtet und darauf spekuliert. Anleger, die sich in diesem Finanzbereich gut auskennen, brauchen wohl kaum einen einfachen ETF, für alle anderen schürt der USO nur Verwirrung.
  5. PIMCO Build America Bond Strategy Fund (BABZ): Build America Bonds ist ein Programm für Anleihepapiere, das die ganzen USA abdeckt. Der BABZ hat jedoch nur in 12 Staaten investiert und verfügt über den Großteil der Indizes in Problem-Gebieten. Alleine 53,8 Prozent des Indexfonds-Anteils verfällt auf die Staaten Kalifornien und New York.

„Find a Niche“ an einer Pinnwand – © YuryZap – Shutterstock.com

 

Es gibt schon weit über tausend ETFs weltweit und immer noch werden neue börsengehandelte Fonds gegründet. Doch was bleibt da noch an Nischen übrig?

Gar nicht mal so wenig. Wie wäre es zum Beispiel mit einem ETF für Sub-Sahara Afrika Minus Südafrika: Grundlage für die Entstehung eines profitablen Indizes ist die Etablierung der afrikanischen Region als Gebiet, das multinationale Unternehmen für Produktionszwecke erschließen. Enthalten wären dann Staaten wie Nigeria, Mauritius oder Ghana, die neue afrikanische Wirtschaftssektoren bieten (Quelle).

Datenschutz wird ein immer wichtigeres Thema. Ein ETF könnte hier ansetzten und Unternehmen im Besitz haben, die sich mit Online-Datenschutz und IT-Sicherheit beschäftigen (Quelle). Auf der Suche nach neuen Nischen, die gelangweilte Anleger dazu bringen könnten weiterhin in ETFs zu investieren, entstehen zukünftig wahrscheinlich noch mehr kuriose ETFs aus Spezial-Bereichen wie Uranium oder der Holzindustrie.

Inwieweit die neuen Indizes sich jedoch etablieren können oder das Schicksal von HealthShares Dermatology and Wound Care ETF und Co. teilen, muss die Zeit zeigen.

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