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ETFs: So finden Sie die besten

Börsengehandelte Fonds, in Kurzform ETFs (= exchange traded funds), sind äußerst beliebte Anlage-Instrumente. Doch so weit verbreitet wie sie auch sind, so verbreitet sind auch immer noch manche Fehler im Umgang mit ETFs. Und jeden Tag kommen neue ETFs hinzu. Ich möchte mit Ihnen daher im nachfolgenden Artikel einen Blick auf sechs wichtige Punkte werfen, deren Beachtung dazu führt, dass Sie am Ende bei den besten ETFs für Ihren jeweiligen Anlagezweck landen.

1. Tipp: Bestimmen Sie die richtigen Marktsegmente

Der beste ETF hat für Sie als Anleger keinen Nutzen, wenn er sich in einem Marktsegment befindet, das momentan einfach nicht läuft. Bevor Sie sich also irgendeinen einzelnen ETF gesondert ansehen, empfehle ich Ihnen, sich erst einmal einen guten Überblick über den momentanen Zustand der verschiedenen Teilbereiche des Marktes zu verschaffen.

Dies kann auf verschiedenste Weisen erfolgen. Sie können sich durch das Lesen von Finanznachrichten und Research auf dem Laufenden halten. Oder Sie gehen technischer an die Sache heran und betrachten Market Maps und andere interessante Überblicksvisualisierungen, wie sie etwa Finanzseiten wie finviz.com kostenlos bieten.

Eine weitere Möglichkeit ist es, sich anzusehen was etwa seit Jahresbeginn an Aktien besonders gut lief (etwa in einer Performance-Vergleichsliste, wie sie viele Chartprogramme bieten). Oftmals werden Sie dabei feststellen, dass sämtliche Führungsaktien Großteils nur aus wenigen Sektoren des Markts stammen.

Wie Sie es auch handhaben, letztlich wichtig ist, dass Sie am Ende wissen, welche Sektoren und Gruppen im Markt gerade sehr gut laufen und welche die Schlusslichter bilden. Dies ist die Grundlage für eine anschließende gute ETF-Auswahl.

2. Tipp: Der richtige Aufbau Ihres ETFs

Wenn Sie für sich ermittelt haben, welche Sektoren für Sie am interessantesten sind, wird es Zeit, sich um die entsprechenden ETFs in den jeweiligen Sektoren zu kümmern. Die schwächsten Sektoren könnten Sie, sofern es die Chartlage und der Gesamtmarkt zulassen, als Kandidaten für Shorts in Erwägung ziehen. In den stärksten Sektoren ist natürlich eine Long-Präsenz sinnvoll.

Doch Sie sollten dabei natürlich nicht irgendeinen ETF kaufen, sondern besonders auf dessen Aufbau achten. Dies umfasst unter anderem die folgenden Punkte:

  • Top Holdings: Hier sollten Sie besonders bei Sektor oder Branchen-ETFs, wo es um eine möglichst gleichmäßige und breite Verteilung geht, sicherstellen, dass der ETF kein Klumpenrisiko enthält. Meine persönliche Obergrenze bei den Top Positionen, die ein Branchen-ETF hält, liegt bei max. 15%. Besser sind eigentlich 12% und weniger, allerdings kann es Branchen mit wenigen wichtigen Titeln geben, wo vielleicht einmal Ausnahmen angebracht sind.
  • Technischer Aufbau des ETFs: Auch hier gibt es wichtige Unterschiede. Investiert der ETF direkt in den Basiswert (zu bevorzugen)? Oder bildet er diesen über Derivate nach? Ein klassisches Beispiel wären hier etwa Gold-ETFs. Hier haben Sie besonders in Krisenzeiten einen deutlichen Vorteil, wenn der ETF tatsächlich in physisches Gold investiert anstatt in Derivate, welche den Goldpreis abbilden.
  • Performance-Geschichte: Bevor Sie in einen ETF investieren, kann es durchaus auch ein sehr guter Schritt sein, sich einmal Basiswert des ETFs und ETF-Kurs im Verhältnischart anzeigen zu lassen. Je eher dieser Chart konstant bei 1 bleibt, desto besser folgt der ETF dem jeweiligen Basiswert. Fallen Ihnen hier starke Abweichungen auf, sollten Sie genau hinsehen, was die Ursache dafür ist und ggf. auf einen anderen ETF ausweichen, der seinen Job besser erledigt.

3. Tipp: Möglichst optimale Kosten

Nicht selten gibt es Fälle, in denen zwei oder mehrere fast identisch aufgebaute ETFs zur Auswahl stehen. Doch diese unterscheiden sich in den jeweiligen Kosten spürbar. Auf den ersten Blick mag es nicht groß relevant sein, ob ein ETF 0.8% Gebühren oder 1.3% Gebühren hat.

Aber wenn Sie dies einmal rein rechnerisch bei einer Haltezeit von ein paar Jahren vergleichen, werden Sie erstaunt sein.

Nehmen wir an, wir legen in einen ETF, nennen wir ihn ETF-A, 30.000 EUR an und ebenfalls in einen anderen, den wir hier ETF-B nennen. Der erste ETF hat 0.8% Gebühren pro Jahr, der zweite 1.3% Gebühren.

Damit ergibt sich als reiner Verlustfaktor durch die Gebühren nach zehn Jahren:

  • ETF-A: 0.992^10=0,9228, Verlust von etwa 7,7%
  • ETF-B: 0.987^10=0,8773, Verlust von etwa 12,27%

Wenn wir jetzt einmal Performance außer Acht lassen, dann würde dies folgende absoluten Gebührenverluste bedeuten:

  • ETF-A: 2310 EUR
  • ETF-B: 3813 EUR

Sie sehen hier bereits, dass der zweite ETF Sie mehr als 1500 EUR mehr kosten würde. Rechnen Sie nun noch die erwirtschaftete Performance mit ein, welche ja, wenn nicht alles schiefläuft, das Anlagevermögen erhöht, so fällt der absolute Unterschied noch größer aus. Gleiches gilt für eine längere Haltezeit als 10 Jahre. Es lohnt sich bei ETFs als Investments, die Sie etwas länger halten möchten, somit wirklich genau auf die Kosten zu schauen und hier nichts zu verschenken, auch wenn diese auf den ersten Blick minimal erscheinen mögen.

4. Tipp: Achten Sie auf genug Volumen

Die Punkte 1 bis 3 reichen jedoch noch nicht aus, um alle Fallen am Markt bei der Auswahl von ETFs zu umgehen. Es gibt einige ETFs, die am Markt nicht mit sehr viel Volumen gehandelt werden. Wenn Sie hier die Möglichkeit haben, stattdessen auf einen ETF mit mehr Liquidität auszuweichen, sparen Sie ebenfalls Geld, was Sie sonst verlieren würden durch den großen Spread beim Kauf.

5. Tipp: Alter des ETFs

Abschließend kann ich Ihnen noch empfehlen auf das Alter des ETFs zu achten, in den Sie investieren möchten. Manche ETFs sind schon lange und bewährt am Markt und haben ein entsprechendes Anlagevolumen aufgebaut. Es gibt jedoch auch immer wieder ETFs, die sich am Markt gegen die Konkurrenz einfach nicht dauerhaft durchsetzen können. Hier im Vorfeld einen Blick drauf zu werfen kann helfen, später davon überrascht zu werden, dass ein ETF eingestellt wird. Absolute Sicherheit gibt es hier zwar nicht, aber Ihr Risiko reduzieren können Sie durchaus.

6. Tipp: Achten Sie auf Abwechslung

Das Problem mit der Diversifizierung besteht oft. Nehmen Sie beispielsweise den ETF auf US-Halbleiter mit dem Kürzel SMH. Intel und Texas Instruments machen dabei fast die Hälfte des ETF aus. Hier kaufen Sie keinen Korb von Halbleiteraktien. Sie kaufen fast nur Intel und Texas Instruments. Und deren Entwicklung macht dann fast die gesamte Performance des ETF aus. Sie bekommen hier also keine Diversifikation.

So sollten ETFs eben nicht sein. Besser wäre ein aktives Management, bei dem die Nieten aus dem Portfolio fliegen und die Aktien, die viel zu teuer sind. Ich als Anleger möchte nicht, dass der Fund immer mehr von einer Aktie kauft, nur, weil sie immer teurer wird oder gar schon extrem teuer ist. Es sollten stattdessen wirklich nur die attraktiven Aktien drinbleiben, die vernünftig bewertet sind und noch Chancen bieten.

Durch gezieltes Über- und Untergewichten von Branchen und Einzeltiteln ist dann vor allem bei stagnierenden Märkten eine bessere Performance möglich. Außerdem sollte es wirklich eine breite Streuung geben mit 20 oder 30 Aktien aus einem Sektor. Und keine Aktie im Portfolio sollte ein Gewicht von mehr als 5% haben. Schließlich möchte ich in einem ETF nicht die zwei Riesen Amgen und Genentech haben, sondern die 28 anderen Aktien aus dem Sektor mit größerem Potential.

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Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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Alte Kommentare
  • Kai schrieb am 13.08.2015, 11:14 Uhr

    Dieser Artikel führt unbedarte Anleger gleich mehrfach in die Irre. 1. Wird suggeriert, der Anleger könnte/sollte selbst die rolle des aktiven Managements übernehmen und durch gezielte Auswahl Rendite generieren könnte. 2. Wird beim Thema "Aufbau" komplett ausgeblendet, dass viele physisch replizierende ETF (wie auch aktive Fonds) Wertpapierleihe betreiben. Den Beweis für die Behauptung synthetische ETFs wären risikoreicher (da ja die anderen zu bevorzugen sind) bleiben Sie schuldig. 3. Bei der ETF-Auswahl in Sachen Kosten die TER als relevante Größe anzuführen ist schlicht Falsche. Die Tracking Difference kann von dieser (positiv wie negativ) deutlich abweichen. MfG K.

    • Alexander Hahn antwortete am 14.08.2015, 01:16 Uhr

      Herzlichen Dank für Ihr konstruktives Feedback, Kai. Ihre Punkte möchte ich natürlich nicht unkommentiert lassen. 1) Hier muss ich Ihnen widersprehen. Dies ist mit Übung und Tools, die auf dem freien Markt auch für den Privatanleger erhältlich sind, durchaus möglich. Research-Dienstleister wie Investor's Intelligence oder Dorsey Wright bieten bewährte Sektormodelle im Bereich der relativen Stärke, mittels derer auch ein "unbedarfterer" Anleger an einem systematisch organisierten, regelbasierten Prozess partizipieren kann. Auch sind derartige Modelle mit gängigen ETF-Anbietern gekoppelt, so dass auch ein breites Spektrum an nützlichen Daten zur Verfügung gestellt wird. Was vielleicht deutlicher hätte gesagt werden können ist, dass ein derartiger Prozess nicht einfach mal "aus dem Ärmel geschüttelt" werden kann. Das wollte ich mit Sicherheit nicht nahelegen. Ich kenne jedoch genug Menschen, die dies inzwischen erfolgreich mit derartigen Mitteln betreiben. Wer sich etwas einarbeitet, hat durchaus Möglichkeiten. Gleiches gilt natürlich für entsprechend andere bewährte Möglichkeiten, die das Netz heutzutage bereits bietet. 2) Der Aspekt der Wertpapierleihe bei physisch replizierenden ETFs ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Nur würde ich Ihnen da empfehlen, am besten gar kein Brokerkonto zu eröffnen und an den Märkten zu handeln, da selbst Ihr eigener Broker mit großer Wahrscheinlichkeit Wertpapierleihe betreibt (hier stimmen Sie oftmals im "Kleingedruckten" zu, je nach Broker, den Sie nutzen). Auch besitzen Sie in den wenigsten Fällen Ihre Aktien wirklich selbst (vgl. die Rollen von Unternehmen wie DTCC bzw. CEDE & Co). Was ich in dem Artikel lediglich meinte ist, dass wenn es wirklich zum "großen Crash" kommt, ich eher zu einem ETF tendieren würde, bei dem zumindest erwartet werden kann, dass er "echte Werte" (bewusst in Anführungszeichen gesetzt) halten sollte, als zu einer Derivatekonstruktion (daher auch mein etwas plakatives Goldbeispiel). Wenn Sie sich an der Möglichkeit der Wertpapierleihe stören, dann hindert Sie natürlich nichts daran, zum synthetischen ETF zu greifen. 3) Stimme ich Ihnen vollkommen zu. Die TER ist nicht das letzte Wort. Hier gehören weitere Faktoren mit eingerechnet. Als irrelevant (so wie Sie nahezulegen scheinen, falls ich das richtig lese) würde ich die TER jedoch nicht sehen. In meinen Augen ist Sie ein Faktor von mehreren. Mein Ziel war es lediglich, hier dem vollkommenen Neuling überhaupt mal ein Gefühl zu geben, wie vermeintlich kleine prozentuale Differenzen über Jahre betrachtet erhebliche rechnerische Konsequenzen haben können. Besten Dank nochmals für Ihre Rückmeldung und beste Grüße Alexander Hahn