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ETFs: Gewinne auf der sicheren Seite

Zwischen der Wahl einer Einzelaktie und der Wahl eines ETFs herrscht nochmals ein erheblicher Unterschied im Bereich des Risikos. Ein ETF eliminiert Ihr Einzelwertrisiko. Mit anderen Worten: Mit dem ETF kann es Ihnen nicht passieren, dass Sie in einem Rennen auf das falsche Pferd setzen, während Sie die anderen davonziehen sehen. Sie können lediglich die komplett falsche Rennbahn wählen. Doch ist ETF gleich ETF? Was müssen Sie als Anfänger beachten? Und wie können Sie ETFs effektiv miteinander vergleichen?

ETFs: Indexzertifikate mit eingebauter Sicherheit

Ein ETF, also ein Exchange Traded Funds, bildet die Wertentwicklung eines Basiswerts 1:1 nach und schaltet das Emittentenrisiko aus. Denn ETFs sind Sondervermögen, die im Falle einer Pleite des Emittenten das Anlegerkapital schützen.

Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, mit dem Sie beispielsweise auf die Entwicklung des DAX setzen und an dieser Entwicklung teilweise auch gehebelt teilhaben. Ohne einen ETF müssten Sie zu diesem Zweck die Aktien sämtlicher im DAX vertretenen Unternehmen anteilig kaufen und ständig handeln. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld in Form von Transaktionskosten. Ein ETF auf den DAX erspart Ihnen diese Arbeit und einen Großteil des Geldes, da seine Zusammensetzung an der Gewichtung eines Index orientiert ist.

Mit einem ETF können Sie komplette Märkte wie den deutschen Aktienindex DAX kostengünstig und einfach handeln wie eine Aktie. Dabei ist es ganz egal, ob Sie einen national oder internationalen Aktien-, Rohstoff, Renten- oder Immobilienindex handeln wollen, es gibt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen passenden ETF.

Damit schalten Sie auch gleichzeitig das Einzelwertrisiko aus, dass Sie mit dem Investment in nur eine Aktie hätten. ETFs entstanden aus dem Bedürfnis vieler Anleger, ihr Risiko auf möglichst viele verschiedene Werte zu streuen und so ihr Depot zu diversifizieren. ETFs sind, bildlich gesprochen, Warenkörbe, die Ihnen die interessantesten Werte aus einem Sektor oder einer geographischen Region präsentieren. Ein breit gestreutes Anlageportfolio in Form eines ETFs erhöht somit Ihre Gewinnchancen und verringert gleichzeitig das Einzelwertrisiko.

Drei Gütekriterien für ETFs

ETFs beziehen sich sehr oft auf Indizes aus einem Sektor oder auf ganze Sektoren. Der Begriff Sektor ist hier allerdings etwas weiter gefasst und kann zum Beispiel auch im internationalen Sinne gebraucht werden (Länder ETFs als „Sektoren“ des Weltmarkts, etc.).

ETFs unterscheiden sich in verschiedenen Punkten. 3 Hauptkriterien sind:

  • laufende Kosten
  • Zusammensetzung
  • Konstruktion

Wenn Sie mehrere ETFs haben und vergleichen diese nach den oben genannten Punkten, erkennen Sie schnell, welcher ETF für Sie der Beste sein sollte.

1. Kriterium: Laufende Kosten

ETFs sind in der Regel billiger als herkömmliche Investmentfonds. Auch sind sie ohne direkten Ausgabeaufschlag direkt an der Börse kaufbar.

Als ein Beispiel lässt sich etwa der bekannte Gold-ETF SPDR Gold Trust betrachten. Dieser hat einen Kostenpunkt von 0,40% pro Jahr. Wenn Sie also mehrere ETFs zur Auswahl haben, welche das gleiche Wertegebiet abdecken, kann es durchaus Sinn machen hier bei den Kosten einmal genauer hinzusehen. Sie finden diese Informationen im Fondsprofil bzw. -prospekt. Derartige Daten werden normalerweise aber auch immer von den entsprechenden Banken online zur Verfügung gestellt, wenn Sie sich in Ihrem Depot ein Wertpapierprofil (oder ähnlich) anzeigen lassen.

2. Kriterium: Zusammensetzung

Auch wenn mehrere ETFs laut „Etikett“ sich auf das gleiche Grundsegment beziehen, so ist hier in den seltensten Fällen exakt der gleiche Inhalt vorhanden. Eine Ausnahme bilden hier natürlich ETFs, welche sich auf einen festen Index beziehen, da dieser ja durch entsprechenden Regeln zweifelsfrei definiert ist. Wenn wir uns allerdings einmal verschiedene Branchen-ETFs ansehen, so wird schnell klar, dass es hier zu ganz unterschiedlichen Gewichtungen kommen kann.

Eine sehr gute Übersicht bieten hier die sogenannten „Top 10 Holdings“. Mit anderen Worten, Sie betrachten die zehn Positionen eines ETFs, denen das höchste Gewicht zukommt. Hier sollten Sie darauf achten, dass genug diversifiziert wird und keine Position über 10% bis 12% einnimmt. Auch gibt Ihnen die „Top 10 Holdings“-Liste eine Übersicht, was im entsprechenden ETF am stärksten gewichtet wird. Dies kann dahingehend von Vorteil sein, dass zwei ETFs vielleicht hier unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Möglicherweise weißt der eine ETF den falschen Werten zu viel Gewicht zu, so dass seine Performance dann hinter der des anderen bleiben wird, da dieser seine Gewichtung auf bessere Werte legt. Auch dies ist etwas, was Sie auf jeden Fall im Vorfeld beachten und genau untersuchen sollten.

3. Kriterium: Konstruktion

Nicht alle ETFs sind von ihrer Konstruktion her gleich beschaffen. Nehmen wir als Beispiel einen Index ETF, der den Kurs eines Index abbilden soll, der sich aus der Kursentwicklung von 10 Aktien ergibt. Nicht immer hält hier der entsprechende ETF tatsächlich den Basiswert, sondern oft wird auch mit Derivaten gearbeitet.

Dies wird besonders interessant, wenn es um besicherte Gold- und Silber-ETFs geht oder Rohstoff-ETFs. Nicht selten kauft hier manch ein unbedarfter Anleger im Glauben, mehr oder weniger einen Sachwert zu kaufen, und wundert sich dann, wenn er bzw. sie erfährt, dass sein Investmentvehikel lediglich versucht den Preis von Edelmetallen bzw. eines Rohstoffindizes nachzubilden. Wie bei jedem Gebrauchtwagen lohnt es sich also auch einmal hier etwas näher unter die sprichwörtliche Haube eines ETFs zu schauen.

Wie können Sie ETFs effektiv vergleichen?

Da ETFs inzwischen eine sehr weite Verbreitung gefunden haben, gibt es im Internet auch eine Reihe an Informationen zu ETFs sowie Möglichkeiten, diese etwas zu vergleichen.

Dies kann über das Angebot manch eines Brokers bzw. der Hausbank erfolgen. Allerdings liefert auch bereits eine einfache Suchmaschinenanfrage nach „ETFs vergleichen“ eine Reihe interessanter Links, die Sie sich ansehen können.

ETF schützt vor dem Emittenten-Risiko

ETFs werden von den Emittenten, also den Herausgebern des Fonds, als Sondervermögen geführt. Das heißt, dass das von Ihnen angelegte Geld im Insolvenzfall sicher ist, denn der Emittent und sein Insolvenzverwalter haben keinen Zugriff auf Ihr Geld. Es wird bei einer unabhängigen Depotbank gelagert. Im Falle einer Insolvenz des Emittenten verwertet die Depotbank die im Fonds befindlichen Wertpapiere und zahlt die Anleger aus.

Hier liegt auch ein wichtiger Unterschied zu Zertifikaten. Als Anleger tragen Sie beim Zertifikat ein Emittentenrisiko, das es beim ETF dank des Sondervermögens nicht gibt. Ein Zertifikat ist eine Schuldverschreibung des Emittenten an den Anleger und im Insolvenzfall müssen Sie als Anleger das Emittentenrisiko voll tragen – sprich Ihr Geld wäre im Insolvenzfall weg.

Außerdem können Sie ETFs auch mit Limits kaufen und mit Stopp-Loss-Orders gegen Kursverluste absichern – genauso wie bei Zertifikaten auch.

Handel mit ETFs ist kostengünstig

Der Handel mit ETFs an der Börse ist dank aktueller Kurse ständig möglich und zudem sehr kostengünstig. Sie müssen also nicht wie bei anderen Investmentfonds darauf warten, dass einmal täglich ein Rücknahmekurs berechnet wird, der auf den Kursen vom Vortag basiert.

Ein ETF wird im Gegensatz zu einem klassischen Aktienfond nicht aktiv gemanagt, sondern wird lediglich passiv nachgebildet. Daher belaufen sich die jährlichen Verwaltungsgebühren je nach Index auf 0,15 bis 0,75%. Bei klassischen Aktienfonds liegen diese Kosten bei 1 bis 2%, zuzüglich des Ausgabeaufschlags, der bis zu 7% betragen kann.

Ein wichtiger Unterschied zwischen ETFs und Zertifikaten, die auch an der Börse gehandelt werden, besteht im Handelspartner. Der Handelspartner für ein Zertifikat ist im Großteil der Fälle der Emittent selber, der folglich auch bestimmen kann, wie hoch der Spread ist und wie viele Zertifikate momentan überhaupt handelbar sind. Damit kann der Emittent sich auch über die Nachfrage hinwegsetzen.

Beim Handel mit ETFs ist das anders, denn der läuft über vom Emittenten unabhängige Market Maker. Deren Aufgabe ist es, für eine Mindestliquidität der von ihnen betreuten Produkte zu sorgen und fortlaufend handelbare Kauf- und Verkaufsangebote, sogenannten Quotes, zu stellen. Market Maker stehen zudem im Wettbewerb zueinander. Als Anleger können Sie also davon ausgehen, dass die Quotes fair sind.

Rohstoffe ETF

Fondsbeteiligungen mit ETF auf Rohstoffe sind verbriefte Anteile an dem Sondervermögen des Fonds und werden getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwaltet. Der Fonds investiert passiv, indem er versucht, die Wertentwicklung am Markt abzubilden, ohne selbst Einfluss darauf zu nehmen.

Wenn mit ETF Rohstoffe gehandelt werden, so richtet sich die Anlagestrategie vorwiegend auf den Fonds und nicht auf den Rohstoff selbst.

ETF auf Rohstoffe orientieren sich an Futures

Futures sind Börsen-Terminkontrakte, durch die sich Käufer und Verkäufer zu gegenseitigen Leistungen verpflichten. Die Leistungen sollen zu einem späteren Zeitpunkt, dem festgelegten Termin, stattfinden. Neben dem Termin für die Leistungserbringung wird auch der Preis bei Vertragsabschluss festgelegt.

Der Futurehandel ist charakteristisch für den Börsenhandel von Rohstoffen. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bezahlt der Käufer eine Sicherheitsleistung, auch als Einschusszahlung bezeichnet, die nur einen Bruchteil des Kontraktwerts beträgt. Damit gewährt der Käufer dem Verkäufer einen indirekten Kredit und hat gleichzeitig die Möglichkeit, durch den Futurehandel an der Börse spekulative Gewinne zu erzielen.

Da die Kurse der Futures bis zum Handelstermin auch fallen können, ist der Futurehandel mit einem gewissen Risiko verbunden. Mit ETF auf Rohstoffe haben Anleger die Möglichkeit, vom Futurehandel zu profitieren, ohne sich selbst zum Kauf des Rohstoffs zu verpflichten.

Besonderheiten von ETF auf Rohstoffe – Swap-Vereinbarungen

ETF auf Rohstoffe investieren nicht direkt in Futures, sondern in einen Wertpapierkorb mit vom Futurehandel unabhängigen Wertpapieren. Die zuverlässige Abbildung der Indizes erfolgt durch Swap-Vereinbarungen, die eine zuvor vereinbarte Index-Rendite im Tausch gegen die Rendite des Wertpapierkorbs garantieren. ETF auf Rohstoffe können zur Inflationsabsicherung beitragen, sind aber als spekulative Anlagen dennoch mit Risiken behaftet, da sich die Entwicklung des Wertpapierkorbs nur schwer vorhersehen lässt.

Auch beim ETF-Handel gilt: Das Kleingedruckte lesen!

Allerdings heißt es auch beim Handel mit ETFs: Augen auf und die Produktbroschüre genauestens lesen. Denn ETFs verfügen nicht unbedingt immer über die physische Sicherheit des gehandelten Basiswertes, sondern bilden beispielsweise mit Swap-Geschäften die Wertentwicklung des Basiswertes nach. Das kann für Sie als Anleger dann zum Nachteil werden, wenn es zu einer Kontrahentenpleite kommt, sprich wenn der Swap-Partner des Fonds Insolvenz anmeldet.

Ihr angelegtes Geld ist in diesem Fall immer noch sicher, eine Kontrahentenpleite ändert nichts am Status des Sondervermögens. Allerdings kann es im Fall der Kontrahentenpleite, wenn also das Swap-Geschäft auf den Basiswert platzt, zu einer Abweichung in der Wertentwicklung des Fonds vom Basiswert kommen.

Empfehlung für Börsenanfänger

Gerade für Börsenanfänger eignen sich ETFs sehr gut für den Anfang, da diese relativ breit aufgestellt sind. Der Profi hingegen wird weniger zur Schrotflinte greifen, sondern gleich einem Scharfschützen nur die Wertpapiere als Investmentziele wählen, bei deren Analyse er auch vollständig von ihrer Spitzenqualität überzeugt wurde.

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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