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ETF und Fonds: Sind diese sicher, wenn der Emittent Pleite geht?

Ein „Investoren Wissen“-Leser fragte mich, wie sicher „normale Fonds“ und „ETFs“ im Falle einer „Pleite“ des Emittenten sind.

Meine Antwort:

Zunächst zur Frage des Lesers nach der Sicherheit der „normalen“ Fonds. Die sind ein Sondervermögen, da ist die Sache einfach. Das bedeutet: Wenn die herausgebende oder die Depot führende Bank Pleite geht, spielt das keine Rolle. Ein Sondervermögen besteht „für sich“ („Ding an sich“, siehe Kant).

Nun zu den ETFs.

Normalsterbliche wie Ihr „Investoren Wissen“-Autor hatten bei Aufkommen der ETFs zunächst in der Illusion gelebt, dass diese vollständig durch den jeweiligen Basiswert abgedeckt sind. Wenn z.B. ein Gold ETF ein Volumen von 1 Mrd. Euro erreicht, ist er durch Gold im Gegenwert von 1 Mrd. Euro gedeckt.

Dies trifft aber nur auf einen Teil der ETFs zu. Insbesondere bei ETFs auf Aktien-Indizes sind diese ETFs keineswegs immer durch die im Index enthaltenen Aktien gedeckt.

ETFs: Japanische Aktien in EuroStoxx50 ETF? Das ist möglich!

Vielmehr gehen da einige Emittenten ganz anders vor! Konkret:

Nehmen wir einmal ein Beispiel, und zwar einen Eurostoxx50 ETF.

Da ist es öfter so, dass der Emittent für den Gegenwert der verkauften ETF-Anteile dann keineswegs ausschließlich die im Index enthaltenen Aktien kauft. Er geht stattdessen z.B. für 10% des Volumens ein Geschäft mit einer anderen Bank ein: Diese andere Bank garantiert für einen bestimmten Zeitpunkt die Auszahlung eines Betrags, der dem Gegenwert eines bestimmten Aktienkorbs entspricht.

Und dieser Aktienkorb entspricht dann genau der Zusammensetzung des Eurostoxx50.

Mit anderen Worten: Der Emittent des ETF verpflichtet eine andere Bank dazu, die Zahlung zu leisten. (Dies geschieht mittels einem sogenannten SWAP-Geschäft.)

Das bedeutet, dass der Emittent des ETF nicht das gesamte erhaltene Geld in die Abbildung des Index durch Kauf der enthaltenen Aktien stecken muss. Stattdessen kann er mit dem Geld ganz andere Dinge kaufen, welche den ETF ebenfalls absichern. Vor einiger Zeit waren z.B. japanische Aktien der Hit für solche Käufe.

Halten wir fest: Wenn Sie einen ETF auf den Eurostoxx50 kaufen, dann ist es keineswegs zwangsläufig so, dass der Emittent mit ihrem kompletten Geld dann die im Eurostoxx50 enthaltenen Aktien kaufen wird.

Vielmehr kann er mit einem Teil dieses Geldes eine andere Bank verpflichten, den Zahlungsstrom, den Sie erhalten können, zu leisten. Und er kann japanische Aktien kaufen.

Und jetzt wird auch klar, was dieser Satz bedeutet, welchen ich früher einmal, als es die ABN Amro Bank noch gab, in einem Verkaufsprospekt fand:

„Anleger sollten jedoch beachten, dass die Insolvenz oder der Zahlungsverzug der ABN als Swap Kontrahent Auswirkungen auf das Vermögen des Teilfonds haben würden.“

Das bedeutet nichts anderes, als dass es für den ETF natürlich „schlecht“ ist, wenn der SWAP-Partner, welcher den Zahlungsstrom leisten soll, Pleite geht.

Und hier kommt das Emittenten-Risiko dann doch wieder ins Spiel!!

Bleiben Sie wachsam.

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur „Investoren Wissen“

 

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Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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Alte Kommentare
  • Scanned Heat schrieb am 12.09.2013, 14:20 Uhr

    Wie sicher sind Aktien im Depot einer Bank? Ich habe gehört, daß Banken Aktien aus Kundendepots verleihen um Geld zu machen. Welche? Was dann? Kann man das ausschließen? Wie sollte man da vorgehen? Bank anschreiben , Bestätigung einfordern, etc.?? Ich wäre für einen Bericht hierzu sehr dankbar!

  • kai becker schrieb am 12.09.2013, 16:23 Uhr

    Danke für die Aufklärung. Aber nützlich und sinnvoll wäre es, Roß und Reiter zu nennen: Auf welche ETFs trifft das nicht zu? Bzw. welche halten, was sie versprechen? MfG Kai becker

  • Hans Bruckner schrieb am 12.09.2013, 16:58 Uhr

    Sehr geehrter Herr Vaupel,ich war bis jetzt der Meinung dass der Unterschied zwischen einem normalen Fond und einem ETF darin besteht, dass der eine aktiv gemanagt wird, der andere nur einen Index genau abbildet, der wichtigste Unterschied entfällt also, wenn der Emittent mit swaps aktiv wird. Wie kann ich erkennen, bei welchen ETFs Swaps mitspielen? Mit freundlichem Gruß Bruckner

  • Volker Behnke schrieb am 12.09.2013, 17:22 Uhr

    Erledigt sich das Ausfallrisiko nicht durch den ccp?